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"Gute Aussichten!"

Wort zum Sonntag am 11.11.2017

Auf den Sportseiten in der Zeitung sowie in den Fußballkneipen wird über ihn gerade heftig diskutiert: über den Videobeweis im Profifußball. Gemeint ist damit ein mit dem Schiedsrichter auf dem Platz verbundener Assistent, der  vor einem Videobildschirm sitzt. Er soll in Sekundenschnelle mehrere Zeitlupen auswerten und dem „Mann in schwarz“ dann zu einer richtigen Entscheidung verhelfen. Das Problem dabei ist nur, dass die Regelanwendung auf einzelne Situationen auch mit dem „Vier-Augen-Prinzip“ immer noch Auslegungssache bleibt. Ganz zu schweigen von der Verwirrung, die die zeitliche Verzögerung auf den Fanrängen auslöst: „Ja war das jetzt ein Elfmeter oder nicht?“ „Erst mal eine Bratwurst essen und abwarten…“

In anderen Lebensbereichen sind wir längst noch nicht so weit wie im Fußball. Da gibt es keine Zeitlupe und auch keine Wiederholung, die uns helfen könnte die Schuldzusammenhänge bei einem Verkehrsunfall möglichst objektiv auszuwerten - oder auch nur bei einem einfachen Ehestreit. Dabei ist der Wunsch danach doch nur zu verständlich. Denn jeder kennt wohl das Gefühl, in einer bestimmten Situation nicht richtig verstanden  worden zu sein.

Der Apostel Paulus schrieb an seine Gemeinde in Korinth einmal: „Wir sehen jetzt durch einen Zerrspiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (1Korinther 13,12-13)

Einen Videoschiedsrichter für unser  tägliches Miteinander gibt es nicht. Wir können oft wohl erahnen, wie es der andere gemeint hat, aber mit seinen Augen sehen können wir eben doch nicht. Unsere Perspektive bleibt also begrenzt. Vielleicht ist mit dieser Einsicht aber auch schon ein großer Schritt auf den anderen zugetan. Denn das Bewusstsein der eigenen Beschränktheit nimmt einer Diskussion die Schärfe und schafft nicht selten Raum für Mitgefühl.

Ob es im Fußball wirklich einen Videoassistenten braucht, um Situationsentscheidungen zu verbessern, sei dahin gestellt. Außerhalb des Fußballplatzes jedoch ist das Bekenntnis zur eigenen Zweifelhaftigkeit immer noch die tragfähigste Brücke zum Nächsten. 

Und wenn wir uns dennoch ungerecht behandelt fühlen, dann mag uns die Aussicht trösten, dass wir einmal tatsächlich vor Gott stehen werden, dem großen, unsichtbaren Assistenten unseres Lebens. Und dann werden wir erkennen, mit welch liebevollem Blick er uns die ganze Zeit über schon angesehen hat. Dieser Blick der Güte wird heilen und zurechtrücken, was wir in diesem Leben nur verzerrt wahrgenommen haben. Diese Aussicht wünsche ich Ihnen!

 

Ihr Pastor Torben Schröder - Kirchengemeinde St Veit, Barnstorf

 

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