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Klaus Priesmeier
Klaus Priesmeier

Die Wahl

Wort zum Sonntag am 23.09.2017

Haben Sie schon gewählt? Wissen Sie schon, wen oder was Sie wählen? Oder - überlegen Sie noch? Die Losbuden auf den Herbstmärkten, die haben als ersten Preis die freie Auswahl. Da können Sie wählen, was Sie wollen.

Freilich - nicht ganz. Sie müssen schon aus dem auswählen, was in der Losbude präsentiert wird. Wünschen darf man sich natürlich alles. Aber es ist nicht alles verfügbar. Immer wieder ist das auch so mit den Wünschen und Versprechen vor politischen Wahlen. Am Tag nach der Wahl ist dann vieles davon nicht mehr verfügbar. Wunder dauern halt etwas länger, wie man sagt. Und längst nicht alles wird dann auch so passend gemacht, wie es in Aussicht gestellt wurde.

Deswegen nicht zu wählen, das ist auch keine Lösung. Wer keinen Zentimeter unter dem Vollkommenen akzeptieren will - der muss wohl auf den St. Nimmerleinstag warten. Und legt er das Maß, mit dem er andere misst, einmal an sich selber an - er würde seinen Mund nicht mehr ganz so weit aufreißen, jedenfalls, wenn er sich durchringt zur Ehrlichkeit. Gerade Politik war und ist immer auch und immer noch die Kunst der Kompromisse. Es sind nun mal viele Köche am politischen Mahl beteiligt. Mal verhindert das Schlimmeres, mal hindert es das Nötige. Aber selbst darüber, wann nun was der Fall ist, gehen die Meinungen dann noch auseinander.

Die Kirchen und Christen haben in diesen politischen Dingen keine besondere Weisheit. Daum sollten sie auch keine Wahlempfehlungen geben außer der, doch bitte zur Wahl zu gehen. Und die Christen selber sollten bei der Wahl nicht vergessen, wofür ihnen ihr Glaube doch die Augen geöffnet hat. Gott ist ein Freund derer, die im Alltagsgeschäft der Fitten und Mächtigen leicht zwischendurch fallen. Gott ist ein Gott des Friedens. Gott ist ein Gott, der seine Welt für alle Menschen geschaffen hat. Nicht nur für die, die sich als Elite sehen. Nicht nur für die, die viel haben. Die Erde gehört uns allen. Wer sie nur für sich ausbeuten will, der kann sich dabei nicht auf Gott berufen.

In der Geschichte der Kirche gab es, für uns Evangelische seit der Reformation bis etwa vor einhundert Jahren, einen engen Schulterschluss zwischen den Mächtigen (der „Obrigkeit“) und den Landeskirchen. Die waren fast so was wie staatliche Behörden, Teil des Machtapparates. Und als 1918 mit dem verlorenen ersten Weltkrieg damit Schluss war, trauerten viele diesen Zuständen nach. Und sie erhofften sich vom Nationalsozialismus die Wende zurück in alte Herrlichkeit. Stattdessen kamen Schutt und Asche auf die Deutschen herab - und viel zu viele Millionen Menschen ließen ihr Leben oder waren traumatisiert. Erst langsam in der Geschichte unserer Bundesrepublik fanden auch die evangelischen Kirchen ein klares Ja zur Demokratie. Unsere hannoversche Landeskirche wird das auch in ihrer neuen Kirchenverfassung aussprechen, die zur Zeit erarbeitet wird. 

Ewiggestrige beanspruchen auch jetzt wieder Luther für sich. Ich halte denen ein Lutherwort entgegen: „Wir haben lange Zeit Frieden gehabt und gute Tage, bis wir zu üppig und übermütig geworden sind, nicht wussten, was Frieden und gute Tage waren, Gott auch nicht einmal dafür dankten, das müssen wir nun lernen.“ Und noch dies über die, die nur ihre eigenen Ängste und Interessen sehen: „Wir tun, wie die tollen Deutschen pflegen, die nichts von Gott wissen und in solchen Sachen reden, als sei kein Gott, der solches tue und haben wolle, und denken gar nichts zu leiden, sondern nur Junker zu sein, die auf Kissen sitzen und nach allem (ihrem) Mutwillen tun möchten.“ Die würde ein Luther also doch nicht wählen. Zu kurz gesprungen…

Klaus Priesmeier, Sup. in Diepholz

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