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Superintendent Klaus Priesmeier
Superintendent Klaus Priesmeier

"Mix dir deinen eigenen Cocktail"

Wort zum Sonntag am 22.07.2017

Cocktails liegen im Trend. Longdrinks auch. Gut gemixt schmecken und erfrischen sie. Die Frage ist nur, wie man´s macht. So wird das die wichtige Frage: wie mache ich es richtig? Und nur eine Frage ist dann noch wichtiger: Wie stehe ich da, wie komme ich an, welches Bild gebe ich damit ab?

Das Bild, das wir abgeben - vor uns selbst, vor den anderen, auch mit den Cocktails, die wir servieren und schlürfen, mit unseren Auftritten im Netz und anderswo: das scheint zur wesentlichen Frage geworden. Wir wollen ein Bild von uns vermitteln, das uns trendy zeigt - auf der Höhe der Zeit und mitten im angesagten Ambiente. Gelassen. Cool. Mit Chique. Mich „up to date“ zeigen, es bleiben, ständig an meinen Bild arbeiten: so macht man sich selbst zur Ikone. Seine Lebendigkeit und seinen Chique will man zeigen - und übersieht: Bilder sind Momentaufnahmen. Sie präsentieren einen Status. Man könnte auch sagen: einen Stillstand, der eben nicht vergeht. Der Vergänglichkeit sucht man zu entkommen. Und verliert doch damit zugleich seine Lebendigkeit, verkommt zum selber leblosen Lautsprecher und zur flachen Leinwand des Üblichen. Man will sich herausstellen - doch in dem, was man dann herausstellt, ist man wie verschwunden. In dieser Abtötung darf man natürlich nicht stecken bleiben - also wieder weiter am eigenen Bild arbeiten. Weiter nach dem nächsten Produkt Ausschau halten, das mich zeitgemäß lebendig erscheinen lässt. Und die Reaktionen der anderen darauf halten einen illusionär lebendig. Ein ständig zu wiederholender Vorgang - er kann sogar süchtig machen.

Eine viel beschäftigte Gesellschaft kommt dabei heraus. Beschäftigt sind die Menschen aber vor allem mit sich selbst. „Wie war ich?“ Gefangen im eigenen Selbst, beschäftigt mit dem eigenen Bild, abhängig vom Echo der anderen. Und dann wieder ran und das eigene Bild weiter optimieren. Das ist Trend. Sich in dem zeigen, was Spaß macht und angesagt ist. Ich bind dabei! Mitten im Leben. Schaut her, ich bin´s! Und ich bin doch gut, oder?

Viel beschäftigte Menschen kommen dabei heraus: beschäftigt mit sich und dem eigenen Tun in der ständigen Umdrehung um sich selbst bei gleichzeitiger Fixierung auf die anderen.

Wie mache ich es richtig, gut zu erscheinen? Wie kriege ich das gute Leben hin? Das ist die Frage der Ethik, der Lehre vom Handeln und vom guten Leben. Ein Bestseller des Dalai Lama heißt: „Ethik ist wichtiger als Religion.“ Irrt hier der Dalai Lama? Oder nur der Verlag, der den Titel etwas reißerisch auf´s Cover setzte? Wie ich etwas mache und wie ich es richtig mache, das ist immer erst die zweite Frage. Die erste ist: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Zu welchem Ziel bin ich unterwegs? Erst von daher finde ich auch Antwort auf die Frage, was ich wie richtig tue und welches Bild von mir angemessen ist. Wir haben die zweite Frage von der ersten entkoppelt. Wir meinen, der Anhänger sei die Zugmaschine. Ein verhängnisvoller Irrtum - und in dem verstehen wir auch nicht mehr den Sinn des Gebotes, uns kein Bild machen zu sollen. Denn das Bildmachen wurde zu unserer Hauptbeschäftigung. Oder anders: wir zäumen das Pferd (unser Leben!) vom Schwanz her auf. Ein Irrsinn, ein Wahn. Was aber kaum einer noch merkt, es gilt ja schließlich als normal. Und eben trendy.

Die erste Frage, die vor der zweiten dran wäre - also: Religion vor der Ethik -, die stellen wir oft gar nicht mehr. Begründung: wir wissen es ja eh nicht so genau, was da richtig ist. Also sehe jede und jeder selber zu und mixe sich den Cocktail, der gerade gefällt. Und wieder ist da die Beschäftigung mit sich selbst. Und die Optimierung des eigenen Bildes. Das Leben wird zum Zirkel, zum Kreislauf, oder auch - zum Hamsterrad? Um dem zu entkommen: vielleicht ist da Religion doch wichtiger als Ethik?

Klaus Priesmeier, Sup. in Diepholz

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