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Rainer Triller
Rainer Triller

Das eine tun und das andere nicht lassen

Wort zum Sonntag am 18.01.2020

Der Epiphanias-Tag ist vorüber, morgen feiern wir den 2. Sonntag nach Epiphanias. In den meisten Wohnzimmern ist wieder mehr Platz: Die Adventskränze und Weihnachtsbäume sind abgeschmückt, entsorgt, Kerzen und Weihnachtsbeleuchtung sind abgebaut und wieder in Schränken oder Regalen auf dem Boden oder im Keller verstaut, Geschenke sind weggeräumt oder in Gebrauch genommen.

Wie sieht es mit der Botschaft aus, die wir am Heiligen Abend in vollen Kirchen mit Krippenspielen, Lesungen und Liedern gefeiert haben, als wir uns erinnern ließen an die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Ist diese Botschaft, von der der Engel des Herrn kündigte: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lk 2, 10+11) nun auch schon wieder vergessen, in Schränken verstaut - bis nächstes Jahr Weihnachten??

Oder treibt uns diese Botschaft, die die Hirten auf dem Felde so neugierig machte, dass sie aufbrachen; es heißt: „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.“
 (Lk 2, 16) Bewahren wir diese Botschaft Jesu von Frieden und Gerechtigkeit in der Welt in unseren Herzen, folgen auch wir ihr „eilend“? Die er selbst einmal so zusammenfasst: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ (Matth. 25, 45).

Aufmerksam habe ich die die Diskussionen und öffentlichen Reaktionen verfolgt, mit denen der Palermo-Appell aufgenommen wurde, in der u.a. der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands Heinrich Bedford-Strohm an die Europäer appellierte, „ sich auf ihre Grundwerte zu besinnen und Lösungen für die einzelnen Staaten zu finden, mit deren Hilfe neue Todesopfer im Mittelmeer verhindert und humanitäre Kanäle geschaffen werden können und die Rettung von Schiffbrüchigen und Menschenleben zur Priorität macht.“

Vor allem die Absicht, ein weiteres Rettungsschiff ins Mittelmeer zu entsenden, ist von vielen mit dem Argument abgelehnt worden, dies würde nur dazu führen, dass noch mehr Menschen auf diese gefährliche Überfahrt gehen. Letztlich würde dies nur die Schlepperbanden unterstützen, die die Seenotrettung  inzwischen einkalkulierten und dadurch noch bessere Geschäfte machen könnten. Das Sterben im Mittelmeer könne besser vermieden werden, wenn die Menschen erst gar nicht auf die Boote gingen. Auch die Bundesregierung äußerte sich kurz vor Weihnachten ähnlich.

Solche Einwände sind ernst zu nehmen! Weil sie ja auch ein Stück Wahrheit enthalten.
Das Stück Wahrheit mit der sich jedes mitmenschliche, barmherzige Handeln auseinandersetzen muss:
Hilfe für einzelne Menschen in Not entlastet politisch Verantwortliche, die Gesellschaft, Verhältnisse/Bedingungen zu verändern, die Menschen in Not leiden lassen.
Für mich ist abe rder Gedanke unerträglich, Menschen in Not nicht zu helfen, sie weiter ertrinken oder leiden zu lassen, bis sich die Verhältnisse so gebessert haben, dass sie nicht mehr in Not geraten.

Die Lösung liegt darin, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen: Den Menschen helfen und gleichzeitig daran arbeiten, unsere Gesellschaft zu einer gerechteren und friedvollen zu machen.
Damit würden die Lichter von Weihnachten weiter leuchten!

Rainer Triller, Prädikant aus der Kirchengemeinde Freistatt


 

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