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"Marktversagen"

Wort zum Sonntag am 19.01.2019

Pastor Michael Herzer
Pastor Michael Herzer

„Die Letzten werden die Ersten sein“, hat Jesus einmal gesagt. In einem unerwarteten Bereich verwirklicht der Staat dieses Jesuswort gerade: beim Ausbau des Glasfasernetzes. Meine Eltern die datenmäßig in einem Tal der Ahnungslosen im alten Zonenrandbereich wohnen, werden in absehbarer Zeit ein Glasfaserkabel und modernste Datentechnologie im Haus haben. Und im Landkreis Diepholz wird für so manchen kleinen Weiler, der abgelegen im Moor liegt, dasselbe eintreten - auch hier wird gerade den abgelegenen Orten das Glasfaserkabel gebracht. Die Letzten werden die Ersten sein - wieso ist das so? Der Staat hat im Bereich der Versorgung mit Datentechnologie in den abgelegenen Ortsteilen „Marktversagen“ festgestellt und darf daraufhin an diesen Orten selbst eingreifen und planend und fördernd die Versorgung seiner Bürger sicherstellen. In den Städten wird der Staat dies nicht auf gleiche Weise tun, hier soll der Markt die Versorgung regeln. Schade, dass wir nicht viel öfter Marktversagen feststellen.

Ich beginne zu träumen: genügend Kindergartenplätze am Vormittag für alle, Wohnraum gut isoliert und mit Fahrstuhl auch für Arme, öffentlicher Nahverkehr regelmäßig & bezahlbar auch auf dem Land - so vieles fällt mir ein, wo auch die anderen Letzten, für die der Markt sich nicht interessiert, einmal die Ersten sein könnten. Und ich denke an andere Sachen, die nur deswegen noch funktionieren, weil man sie nicht dem Markt überlassen hat: tägliche Postzustellung bis zum abgelegensten Haus - ginge es rein nach dem Markt, hätten wir das schon nicht mehr.

Ich will keine Planwirtschaft. Ich bewundere den Markt. Die Kräfte, die er in den Menschen freisetzt: Erfindergeist, Motivation, Selbstverantwortung. Und die „unsichtbare Hand“ die aus dem Gewinnstreben eines anderen auch für mich einen Nutzen macht.

Aber Marktwirtschaft ist kein Selbstläufer. Viele Wirtschaftsunternehmen „mögen“ den Markt gar nicht, sondern fordern von der Politik Regelungen, die den Druck des Marktes zu ihren Gunsten einschränken. Und: wir haben uns in Deutschland für soziale Marktwirtschaft entschieden. Arme Menschen müssen dabei unterstützt werden, am Markt teilzunehmen. Und: für manche Bereiche regelt der Markt die Dinge auch gar nicht gut. Wir als Bürger sollten wach darauf schauen, was wir den Kräften des Marktes überlassen und wo der Staat selbst aktiv wird. Die Letzten müssen in noch mehr Bereichen die Ersten werden. Auch das würde wundersamer weise uns allen und dem sozialen Frieden guttun.  

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