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Rüdiger Fäth
Rüdiger Fäth

Achte nicht nur was Du glaubst!

Wort zum Sonntag am 29.12.2019

„Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist?!“ Leicht ungehalten, zuweilen genervt, wird diese Frage meist gestellt. Wer sie hört, fühlt sich genötigt zur Rechtfertigung, zumindest zur Positionsbestimmung. Zu sagen, was ich glaube, egal, ob von mir oder über andere, setzt eine Art von Selbstverständnis voraus, eine Sicherheit, an der ich mich orientiere. „Glaub nicht alles, was Du denkst!“ warnt ein anderer Sinnspruch und weist damit hin auf den schmalen Grad zwischen persönlichem Selbstverständnis und dogmatischer Lebensmaxime.

Die Jahreslosung für 2020 greift das Thema in gewissen Sinne auch auf. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ heißt es im 9. Kapitel des Markus-Evangeliums. Ein Vater richtet diesen Satz an Jesus und formuliert so seine Skepsis, ob dieser die Krankheit seines Sohnes heilen könne. Die Auslegungen der Jahreslosung, die ich bisher gelesen habe, verstehen diesen Satz als einen Wunsch nach Bestätigung, nach Erfüllung. Ein unsicherer Glaube soll bestätigt werden, Bekräftigung finden. So kenne ich die Auslegungsgeschichte dieser Bibelstelle. Seit Jahren schon drängt sich mir immer wieder ein noch anderes Verstehen auf. Ein Gedanke, den ich nicht beiseite schieben kann. Immer wieder taucht er auf. Was, wenn es nicht um einen nur kleinen, sondern um einen in sich selbst sehr sicheren Glauben ginge? „Ich glaube!“ hätte dann überdeutlich den Charakter eines Bekenntnisses, selbstsicher konstatiert, ohne Wenn und Aber festgestellt. Eine Positionsbestimmung wie ein Bollwerk. An solchem Dogmatismus stoßen sich viele die Nase. Denn es gibt kaum Nachgiebiges, wenig Selbstreflektion, fast gar keine Ohren, die noch hören. Nur ein klares JA zum eigenen Glauben. Wer kategorisch JA zum einen sagt, sagt zum anderem NEIN. Logisch ist das. Wer sich rigoros für die eigenen Werte entscheidet, schließt gleichzeitig andere Wege und Möglichkeiten aus. So ist das mit der Entscheidung. Wer glaubt, sich der eigenen Entscheidung zu gewiss sein zu dürfen, fühlt sich mit beiden Füßen auf festem Boden, bewegt sich aber nicht vom Fleck. Eingeschränkter Radius, schade eigentlich.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ wäre dann vielleicht die passende Bitte, nicht das ungläubige Staunen zu verlieren. Die Fähigkeit zu behalten, sich von anderem Positiven überraschen zu lassen. Sich die Art von Unglauben zu bewahren, die zweifeln lässt, an den eigenen, starren und lähmenden Sicherheiten. Unmittelbar bevor der Vater die Worte an Jesus richtet, die zur Jahreslosung 2020 gewählt wurden, schildert die betreffende Bibelstelle eine grundlegende Zusage Jesu: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ sagt er, der an anderer Stelle davon spricht, dass es ausreiche, einen Glauben , lediglich so groß wie ein Senfkorn zu haben. Welch freisprechender und entlastender Satz!

Ich wünsche uns allen gemeinsam für das neue Jahrzehnt ein Erkennen, dass Gottes Möglichkeiten noch nicht da ihr Ende finden, wo wir die Grenzpfähle unseres Glaubens gesetzt haben. Ich hoffe auf das Entdecken der Vielfalt, mit der sich uns Gott als der Eine und Einzige auf eine nach unseren Maßstäben unberechenbare Art immer wieder offenbart. Und ich vertraue darauf, dass uns von allen Dingen, die uns als Glaubende möglich sind, der Mut und die Zuversicht entwickelbar ist, aus unserem ungläubigen Zweifeln Staunen und Zuversicht werden zu lassen.                                                                                                                                     

 Rüdiger Fäth

Kirchenkreis Diepholz

       

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