Druckversion

Bericht von der Begegnungsreise nach Gomel vom 15. - 23. September 2009

Dienstag/Mittwoch, 15./16. September 2009

Nachdem sich der größte Teil der Reisegruppe beim Vorbereitungstag kennen gelernt hatte, war es kein Problem, sich in Hannover zu finden und Brest mit dem Zug zu erreichen. Dort wartete unsere Sprach- und Kulturmittlerin Oksana Krutaja schon mit einem Bus auf uns.

Die 500 km nach Gomel gaben einen starken Eindruck von der Weite des flachen Landes. Vor dem Hotel werden schon viele von uns von Freunden erwartet. Die Zimmer im Hotel Sosch sind freundlich, die Sanitäranlagen gut. Dass es für einige kein warmes Wasser gibt, ist Reparaturarbeiten geschuldet und wird umgehend in Ordnung gebracht.

Für den Abend stehen noch eine Stadtrundfahrt und ein erstes gemeinsames „gemütliches“ Essen auf dem Programm. Wir beginnen mit einem langen Rundgang durch den schönen Stadtpark am Sosch-Fluss, der mit seinem Schloss und seinen Kirchen die Stelle markiert, an der Gomel vor über 800 Jahren gegründet wurde. Oksana zeigt uns dann verschiedene alte und neue Viertel, die eine erste Ahnung von den hiesigen Wohnbedingungen geben. Wir passieren im pulsenden Verkehr Schulen, Universität, Fabriken und bekommen so etwas von den Lebensumständen der Gomeler mit. Das alles kann nur ein erster Eindruck sein, der in den nächsten Tagen vertieft und korrigiert werden wird. Nach zwei Stunden wartet ein festliches Essen im Restaurant Irina, einem der ersten Häuser am Platze auf uns. Wir sind nicht die einzigen Gäste. Das lautstarke Kulturprogramm von Musik und Schautanz erschwert Gespräche. Dennoch entpuppt sich die andere Gesellschaft als Jubiläumsfeier eines deutsch-weißrussischen Unternehmens, dessen Prinzipal einen Wodka ausgibt. Vor dem dazu erhobenen Dankesgesang erscheint die Retortenmusik wie ein laues Gesäusel.

Donnerstag, 17. September 2009

Die Schule 14    bereitet uns einen großen Empfang, zelebriert und dirigiert von Direktorin Tamara Kumasinskaja. Seit fast 30 Jahren existiert die Schule als Normalschule, seit 2004 auch als Gymnasium. Während die Normalschule von den Kindern der Region besucht wird, muss für das Gymnasium, der Sekundarstufe, die zur Hochschulreife führt, eine Prüfung abgelegt werden.

Die 716 Schüler werden von 74 Lehrkräften betreut. Die Grundschule hat 30 Schüler in der Klasse, die Sekundarschule 20 - 25 Schüler. Bei einem Rundgang schauen wir in verschiedene Klassen.

Im PC-Unterricht der Oberstufe wird an der Internetseite des Gymnasiums gearbeitet.

Sehr interessant ist dann eine Mathematikstunde in der 2. Klasse, die Mädchen in dunkelroter, die Jungen in schwarzer Schuluniform sehr erwachsen wirkend. Ein sehr aufwändiges, aus vielen Teilen bestehendes Tafelbild nimmt die Kinder mit auf einen Spaziergang durch den Wald. Durch Zahlen werden einzelne Blätter in eine Abfolge gebracht, die umgedreht den Namen eines Waldgeistes ergeben. Sein Honigkonsum wird dann noch berechnet.

Nach 20 Minuten  wird der Unterricht zu zwei Minuten Tanzgymnastik zu Musik unterbrochen - eine wirklich gute Idee, die den Kindern sichtlich Spaß macht. Sie soll zum Alltagsrepertoire gehören.

Im anschließenden Tafelrechnen lernen die Kinder nicht nur addieren und subtrahieren, sondern auch schätzen.  Die Lehrerin geht sprachlich - stimmlich sehr auf die Kinder und das Thema ein. Die Kinder haben kleine Kellen, deren eine Seite rot, die Gegenseite grün ist. Damit signalisieren sie, was sie von einer vorgetragenen Lösung (an der Tafel) halten. Auch ein Stundenfazit können die Kinder abgeben: gelb = Neues, grün = gemütlich, rot = hat gefallen. Mein Eindruck war, wir haben an einer mit großem pädagogischen Geschick sehr gut vorbereiteten Lehrprobe teilgenommen. Das Klingeln eines Mobiltelefons im Unterricht wurde übrigens nicht geahndet.

In einer vierten Klasse sehen wir Kinder, die nächstes Frühjahr die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium machen werden. Wer sie nicht besteht, muss auf eine andere Schule. Die Gymnasiasten haben als Fremdsprache, die bis zur neunten Klasse obligatorisch ist, die Wahl zwischen Deutsch, Englisch und Latein.

Die Klassen 10 und 11 sind zukünftigen Hochschulstudenten vorbehalten. Drei Schwerpunkte bereiten auf drei Studienschwerpunkte vor: Physik - Mathematik für die technische Hochschule, Biologie - Chemie für Mediziner und Sprachen für die Pädagogische Universität. Die Lehrer der Gymnasialstufe arbeiten auch an der Universität.

Wir erleben ein Singspiel zum Thema „Gesundheit“ mit, das außerhalb des normalen Unterrichts aufgeführt wird - eine interessante Mischung von Beiträgen nach altsowjetischer Manier - besonders das Aufsagen langer Texte mit „Erwachsenbetonung“ fällt auf -und sehr lebendigen Rollenspielen, beispielsweise zum Waschen, bei dem besonders das Schmutzkind schauspielerisch und emotional  überzeugend seine Rolle gestaltet. Nach dem Duschen geht es auch ums Essen - „weniger essen, mehr bewegen“ steht auf einem Merkblatt, das die Kinder verteilen.

In der Aula wird uns dann noch ein erstaunlich anspruchsvoller Querschnitt durch das musikalisch-künstlerische Schaffen der Schule gegeben.

Konzentriert sind Lehrerinnen und Schulkinder bei der Sache. Den Kindern ist ihre Freude gut anzumerken.

Nach einem sehr freundschaftlichen Dankes- und Geschenkeaustausch und einem frugalen Essen haben wir Mühe, den Bus zu gewinnen und den Besuch an der Universität nicht zu verpassen. Uns allen ist klar geworden, dass Wilhelm Reessing hier nicht nur bekannt und geachtet ist, sondern wahrhaftig geliebt wird.

Die Franziska Skarina Universität

bereitet der Gruppe einen offiziellen Empfang. Der stellvertretende Hochschuldirektor Igor Semtschenko, die Dekanin der deutschen Fakultät Ludmilla Bannikowa und eine Reihe von Dozenten sitzen mit uns um den Konferenztisch und würdigen die Kindereinladungen als Basis vielfältiger Kontakte nicht nur zwischen Familien, sondern auch auf der Ebene der Sprach- und Kulturträger. Für die Germanistikstudenten sind diese Möglichkeiten in ihrem Studium motivierend. Deshalb hofft man sehr auf den weiteren Ausbau vorhandener Kontakte. Wilhelm Reessing dankt seinerseits für die Begegnungsmöglichkeiten und wertet den Empfang als ein Zeichen für die ihnen beigemessene Qualität.

Anschließend werden wir eingeladen in zwei Gruppen des 3. und einer Gruppe des 4. Studienjahres zu hospitieren. Wir erleben eine interessante Stunde, die jeden Teilnehmenden ins Gespräch einbezieht, zuerst in der Abhandlung einzelner Fragen, schließlich in einem lebendigen Rundgespräch. Einige der Studierenden erklären sich bereit, am Wochenende bei den Familienbesuchen auf den Dörfern zu dolmetschen.

Während die Gruppe nun Zeit zur eigenen Verfügung hat, kümmert sich das Team um Organisatorisches. Besonders bei den harten Verhandlungen mit dem Busunternehmer, aber auch bei der Bestellung des Abschiedsessens spielt Oksana eine weit über das Dolmetschen herausgehende Rolle und hilft, die weißrussischen Gesprächspartner zu ihren Angeboten zurück zu bringen.

Freitag, 18. September 2009

Der Gomeler Fleischverarbeitende Betrieb  ist  Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und einer der ältesten Betriebe der Stadt.

Man zeigt uns, unter der Führung des Direktors Richard Stefanowitsch, das, was man Fremden in einer auf klinische Sauberkeit angewiesenen Fabrik zeigen kann: die Wurstproduktion. Vorher sind wir mit steriler Einmalkleidung ausgerüstet worden. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit welche Mengen Wurst hergestellt werden können. In der angrenzenden Räucherei gibt uns der Räuchermeister gerne über seine Arbeit Auskunft. Eine gar nicht so freundliche Dame hat die Aufgabe, uns zusammen zu halten und möglichst ohne Aufenthalt aus dem Produktionsbereich zu bringen.

Natürlich werden wir nicht ohne ein köstliches Essen mit vielen Wurstspezialitäten entlassen. Im Tischgespräch berichtet der Direktor, dass es über das Land verstreut mehrere gleichqualifizierte Fleischfabriken gibt, die Verträge mit Kolchosen geschlossen haben. Das angelieferte Vieh ist in der Kolchose auf Unbedenklichkeit, was die Verstrahlung angeht, untersucht worden und wird im verarbeitenden Betrieb erneut untersucht. Da eine Ungenauigkeit hohe finanzielle Einbußen mit sich bringt, werden diese Kontrollen sehr ernst genommen. Die Verträge mit den Kolchosen betreffen nicht den Preis, dieser wird von staatswegen festgelegt. Ebenso wird der Verkaufspreis staatlich geprüft und genehmigt.

Uritzkoje

heißt  der Ort vor den Toren Gomels, der uns einen Eindruck vom dörflichen Leben vermitteln soll. Sehr schnell wird aber klar, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt. Gastgeber und Organisator unseres Besuches ist Vater Artjemi, ein Mann Mitte 30, der den sozialen Nöten seiner Mitmenschen gegenüber sensibel ist und fähig, Strategien zu ihrer Verkleinerung zu entwickeln.

Beim Besuch der landwirtschaftlichen Fachschule erleben wir eine Stunde mit verhaltensauffälligen Jugendlichen, die größtenteils Waisen oder Halbwaisen sind und in ihrem bisherigen Leben gelernt haben auf Gewalt zu setzen.

Zu ruhiger klassischer Musik erzählen die Psychologin (Frau des Popen) und die Musiklehrerin ihren Zuhörern von Bach, Hayden, Mozart und Beethoven. Die Sachinformation scheint nicht so wichtig zu sein wie die allgemeine, entspannende Atmosphäre. Von den Schülern wird während des Vortrags keine Rückantwort erwartet. Das ist bei einem nachfolgenden Gespräch anders. Zwei Mädchen (von etwa 12 Kindern) tauen schließlich auf. Eines will Masseuse werden und demonstriert ihre Künste - mit sichtlichem Erfolg - an Wilhelm Reessing.

Ein Rundgespräch zu den zu den Aufgaben und Zielen der Schule, insbesondere zur Einbindung der zur Gewalt neigenden Schüler/innen, lässt uns den hohen Stellenwert dieses Zieles erahnen. Dennoch sind die Verhaltensauffälligen größtenteils unter sich. Die Idee, das Zusammenleben im Wohnheim zur Entwicklung kooperativer Fähigkeiten zu nutzen, wird dankbar aufgenommen.

Das Dorfmuseum

wird von einer temperamentvollen älteren Dame als ihr Lebenswerk betreut. Zu sehen sind überwiegend Bilder aus der Sowjetzeit, besonders aus der Kollektivierung („Sie waren die ersten.“): Urkunden, Porträts der Arbeitshelden, Fahnen, Festfotos. Eine Kammer zeigt die Wohnsituation vor der Kollektivierung und ein weiteres Zimmer ist dem Krieg und der deutschen Besatzung gewidmet.

In der Gemeindeverwaltung empfängt uns die stellvertretende Bürgermeisterin, eine couragierte Frau. Uritzkoje hat in 10 Dörfern  (eines davon 5 - 10 Curie verstrahlt) etwa 4.000 Einwohner, darunter 82 kinderreiche Familien und 146 alleinstehende Mütter mit 372 Kindern. In drei Schulen werden die über 800 Kinder des Dorfes unterrichtet. Die Tschernobylkatastrophe wirkt bis heute nach: von den 40 Schulanfängern dieses Jahres war keiner völlig gesund. Die Kinder werden dreimal jährlich untersucht, seit kurzem im „Zentrum der Onkologie der weißrussischen Republik“ in Gomel. Manche Kinder werden zweimal jährlich zu einem Sanatoriumsaufenthalt geschickt. Häufigste Erkrankungen sind ein schwaches Immunsystem, Erkältungen, Kopfschmerzen und allgemeine Kränklichkeit.

Die Kindereinladungen nach Deutschland und Italien sind eine große Hilfe. Etwa 30% der Kinder - meist aus kinderreichen und sozial schwachen Familien - haben „gute Kontakte“ ins Ausland. Der Pope merkt hier an, dass Tschernobyl in den Gastgeberländern noch lebendig sei, während es in Belarus langsam vergessen würde. Einen ganz besonderen Dank spricht Artjemi an Wilhelm Reessing und seine Organisation aus. Die Ferienaktion muss bleiben und möglichst ausgeweitet werden. Es ist dabei sehr zu wünschen, dass ein Austausch nach und nach an die Stelle der einseitigen Einladungen nach Deutschland treten kann.

In einem kleinen Wechselgespräch zum Ausgang meint die Bürgermeisterin auf die Frage, ob es nicht riskant sei, in dieser Gegend Landwirtschaft zu treiben - Uritzkoje hat eine große Gemüse anbauende Kolchose - es sei „nicht so ganz schlimm“. Das Gemüse werde auf Verstrahlung geprüft und dann sogar exportiert.

In einer Kaffee - Bar hat man für uns ein Essen vorbereitet, das es wert gewesen wäre, zwei Stunden damit zu verbringen. Das gibt unser „Fahrplan“ aber leider nicht her. Wir gehen über die Straße in die

Kirche der Heiligen Jungfrau.

Hier berichtet uns der Pope über seine Gemeindearbeit. Noch einmal wird klar, dass er mit Leib und Seele Pädagoge ist. Hier wird für Menschen aus sechs Dörfern Sonntagsschule angeboten - getrennt nach Kindern und Erwachsenen. Es gibt auch Taufunterricht, damit der Kircheneintritt nicht nur ein formaler Akt wird. Die Getauften sollen die Gottesdienste besuchen und wahres Christentum leben können. Neben seiner Gemeinde arbeitet Artjemi im Kindergarten und an Schulen.

Ein Chor junger Frauen - alle züchtig das Haupt mit einem Tuch bedeckt - singt mit elektronischer Begleitung drei Lieder mit harmonischen begleitenden Körperbewegungen. Dass es keine orthodoxen Kirchengesänge waren, konnten wir merken, dass das letzte Lied aber „Hoch soll´n sie leben“ als Text hatte, hat wohl keiner von uns erraten.

Als Abschluss dieses ereignisreichen Besuches gibt uns Artjemi am Laptop einen Überblick über seine Jahresarbeit. Natürlich gerät der Zeitplan aus den Fugen, aber die Leute sind vom Erlebten angetan.

Samstag/Sonntag, 19./20. September 2009

An diesen beiden Tagen machte jeder

sein eigenes Programm, das heißt besonders:

machte Besuche bei Kindern und ihren Familien.

Sonntagabend trafen sich viele nachdenkliche Leute. Manche von uns hatten Lebensverhältnisse gesehen, die im reichen Deutschland unvorstellbar sind.

Alle waren wir großartiger Gastfreundschaft begegnet, die die Freunde aus Deutschland ganz selbstverständlich hineinnahm in das eigene Leben. Es wurde wieder deutlich, dass die Kinderreisen eine Bereicherung für alle sind, Gäste und Gastgeber.

Manche Studenten nahmen sich für uns als Sprachmittler Zeit.

Montag, 21. September 2009

Krasnyj Bereg  ist ein Ort etwas abseits der Straße von Shlobin nach Bobruisk. Hierhin fuhren wir, um die „Gedenkstätte des Kindes“ von Leonid Lewin zu besuchen. Es war nicht leicht gewesen, Informationen über die Gedenkstätte zu bekommen. Nun stiegen wir vor einer überraschend kleinräumigen Anlage aus, die eine große Anziehungskraft hat.

Ein breiter Weg führt auf eine Schulklasse ohne Schüler zu, an leeren Bänken vorbei, auf eine beschriftete Tafel hin. Aber vor den Bänken steht die sehr hagere Gestalt eines jungen Mädchens mit bittend-erhobenen Armen. Julia, unsere Dolmetscherin und Reisebegleiterin für diesen Ort, liest einen Text vor, der die Bezüge der Gedenkstätte zu ihrem geschichtlichen Anlass beschreibt. Während der deutschen Besatzung wurden - wie auch an anderen Orten Weißrusslands - Kinder gewaltsam aus ihren Elternhäusern entführt, medizinisch untersucht und - wenn sie gesund waren - nach Deutschland als Blutspender für das deutsche Militär geschickt. In Krasnyj Bereg waren es über 1.800 Kinder aus der Umgebung, insgesamt wurden in diesem Lager 3000 Kinder gefangen gehalten. Diese fürchterliche Geschichte hat aber noch eine Steigerung. Julia liest aus dem Bericht eines deutschen Militärarztes, in dem er von neuen Verfahren spricht, zu möglichst viel Blut zu kommen. Man gab den Kindern Medikamente, hängte sie an den Händen auf und entnahm ihnen alles Blut durch Einschnitte an den Füßen. Es ist schwer, sich so etwas vor zu stellen, schwerer jetzt etwas zu sagen. Wir alle sind dankbar, dass Erika und Lothar Niebuhr ein Gebinde für uns niederlegen.

Jetzt verstehen wir auch den Sinn des roten, sich verbreiternden Streifens, der unter den Schulbänken hervorkommt. Auf der Tafel steht der Abschiedsbrief eines 15-jährigen Mädchens an seinen Vater, in dem es seinen Entschluss ankündigt, lieber sich zu töten als sich nach Deutschland bringen zu lassen. Auf der Tafelrückseite ist eine Karte deutscher Konzentrationslager in Weißrussland zu sehen und etwas weiter,

im Zentrum der Gedenkstätte, befindet sich ein weißes Schiff, auf dessen Segeln die Namen von 171 Kindern stehen, die diesem Lager entrinnen konnten.

Aus der Vogelperspektive hat die Gedenkstätte die Form einer Sonne, auf deren Strahlen man sich dem Ort des Gedenkens nähern kann.

Der Raum jenseits des Schiffes ist mit schönen Bildern angefüllt, die 1946 von Schulkindern aus der Umgebung gemalt worden sind. Sie stehen für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und machen selbst verwirrte und traurige Menschen doch ein bisschen hoffnungsfroh. Krasnyj Bereg war der emotional bewegendste Augenblick unserer Reise. Viele Mitreisende meinen, der Besuch in der Gedenkstätte solle an den Anfang unseres Programms gestellt werden, um die Lebenswirklichkeit unserer Gastfreunde auch in dieser Sache besser verstehen zu können. An diesem Vormittag berichten zwei unserer weißrussischen Freunde, dass in ihrer Familie noch Menschen leben, die als Kinder zu Blutspenden gezwungen worden sind. Da gibt es auch noch Aufklärungsbedarf bei uns zu Hause - die Kinder haben doch irgendwo in Deutschland gelebt. Zurück in Gomel sind noch knappe drei Stunden Zeit bis zum

Abschlussempfang im Hotel Tourist.

Mit Gästen aus allen Teilen des Programms und vielen Privateinladungen sind wir zusammen 115 Menschen, die sich im roten Salon treffen. Wilhelm Reessing empfängt an der Saaltür und wieder ist zu sehen, wie wichtig er für das Gelingen dieser Reise ist. Alle kennen und schätzen ihn. Mit zwei möglichen Partnern gibt es noch Gespräche:

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Gomel ist durch ihren Gemeindeältesten, Herrn Reinhold Kehlborn, Aviatzionnaja  13/40, 240028 Gomel, Tel. 00375 232 606833, vertreten, der trotz starker Erkältung kurz vorbeikommt und über seine Gemeinde berichtet. Die Gemeinde hat augenblicklich  60 Erwachsene und 22 Kinder als Mitglieder. Man trifft sich zum sonntäglichen Gottesdienst im Gemeindehaus. Intensivere Kontakte nach Deutschland würde der Gemeinde ebenso gut tun wie der

Schule Nummer 49, ul. Petrusja Browki 31, 246045 Gomel, der  einzigen Schule mit erweitertem Deutschunterricht im Oblast Gomel. Ab September 2010 wird sie zum linguistischen Gymnasium werden. Gegenwärtig gibt es  580 Schüler und 13 (+2)Deutschlehrer an der Schule. Es bestehen Kontakte zum Kirchenkreis Celle und zur Wilhelm Raabe Schule in Lüneburg. Schöne (klassische) Literatur ist vorhanden. Es fehlen Bücher über Landeskunde, da ist man teilweise noch auf Bücher aus DDR-Zeiten angewiesen. Ansprechpartner Eugen Woitenko, stellv. Direktor, eugalex@tut.by, ul. Rogatschowskaja 17/16, 246022 Gomel.

Dienstag/Mittwoch, 22./23. September 2009

Verabschiedet von einer Freundestraube und persönlich vom Vorsitzenden der Gewerkschaftsvereinigung im Oblast Gomel, Leonid Barabanow fahren wir ziemlich pünktlich ab nach Brest. Leider haben wir die teuer bezahlten Essenstüten nicht genügend kontrolliert. Es müssen Zwerge in der Küche tätig gewesen sein. So kleine Butterbrote kriegt auch ein geübter Mensch kaum hin. Wir fahren über Bobruisk, sind in Brest so früh, dass noch ein Stadtbummel drin ist - natürlich mit freundlicher Familienbegleitung, kommen nach einigem Warten gut durch Zoll- und Passkontrolle und finden uns in bequemen Abteilen wieder.

In Berlin haben wir eine gute Stunde Aufenthalt, die uns von der Bahn etwaiger Langeweile beraubt wird. Der ICE ist kaputt, die Platzkarten haben keinen Sinn und die Fahrt dauert auch etwas länger. Das tut der Stimmung keinen Abbruch. Wir sind froh, wieder in diesem bürokratisierten, sauberen Deutschland gelandet zu sein.

 

 

Wolf Jung

Aktuelles:

Sitemap | Impressum | DatenschutzKontakt | © 2012 Kirchenkreis Diepholz Kirchenkreis Grafschaft Diepholz | Lange Str. 28 | 49356 Diepholz

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code