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Freundschaft ohne viele Worte

Aleksej und Ewgenij aus Weißrussland sind für vier Wochen bei Gerritzens zu Gast.

„Die Wälder sind in Deutschland so wie bei uns“, sagt Ewgenij Sukankowa (10). „Aber es gibt hier keine Hochhäuser und nicht so viel Verkehr“, ergänzt Aleksej Tomanow (9). Die beiden Jungen aus der weißrussischen Großstadt Gomel sind im Rahmen der Ferienaktion für Tschernobyl-Kinder für vier Wochen zu Besuch bei Familie Gerritzen in Neuenkirchen - es ist ihr erster Aufenthalt in Deutschland.

Ein Aufruf im Gemeindebrief war für Anja und Marco Gerritzen Anstoß für den spontanen Entschluss, sich als Gastfamilie zu melden. Mit der Thematik „Tschernobyl“ hatten sie sich schon seit langem auseinandergesetzt: „Der Fotograf Rüdiger Lubricht, der die Folgen der Reaktor-Katastrophe dokumentiert hat, ist ein Freund von uns“, erklärt Anja Gerritzen.

Auch wenn der Besuch das Familienleben noch etwas turbulenter macht, hat sie ihren Entschluss nicht bereut: „Ewgenij und Aleksej gehören einfach dazu, wir kommen gut klar“. Wichtige Struktur gibt die zentrale Betreuung an den Vormittagen, die der Kirchenkreis Diepholz als einziger im Bereich der Landeskirche verlässlich anbietet.

Mittags sind die Kinder wieder in den Gastfamilien. Einstimmig loben die beiden Jungen die Kochkünste von Anja Gerritzen: „Kartoffelpuffer sind besonders lecken.“ Zu den Highlights am Nachmittag gehören Besuche im Schwimmbad. Diese Vokabel haben sie inzwischen schon auf Deutsch parat.

In der Gesellschaft ihrer Brüder „auf Zeit“, Mika (11), Silas (8) und Kimi (5), fühlen sich Ewgenij und Aleksej „pudelwohl“.

Anflüge von Heimweh sind die Ausnahme. Mit einigen Vokabeln Englisch, Deutsch und Russisch und viel „Hand und Fuß“ ist die Verständigung ein Kinderspiel, sie klappt in der Regel auch ohne viele Worte. „Wenn es schwierig wird, holen wir Hilfe im Internet“, erzählt Mika vom virtuellen „Simultan-Übersetzer“.

Die 26-jährige Lehrerin Olesja Lubskaja aus Gomel ist eine von zwei Begleiterinnen der 25 Ferienkinder, die sich zurzeit im Kirchenkreis Diepholz erholen. Sie bietet für die zehn Jungen und Mädchen, die im Sulinger Land untergebracht sind, Unterricht in Mellinghausen an. In der letzten Woche nahmen die weißrussischen Gäste an zwei Unterrichtsstunden in der zweiten Grundschulklasse in Mellinghausen teil. Eine lustige Erfahrung für Aleksej und Ewgenij: „Wir haben zusammen Eckenrechnen gespielt, das gibt es bei uns auch.“

Martina Schumacher (links) im Gespräch mit Anja Gerritzen, in der Mitte Dolmetscherin Olesja Lubskaja.

Wilhelm Reessing und Hans-Jürgen Waschke betreuen die Aktion im Kirchenkreis Diepholz seit ihrem Beginn im Jahr 1993. „Die radioaktive Belastung der Region Gomel ist auch 24 Jahre nach dem Reaktorunfall erheblich“, sagt Wilhelm Reessing. Neben dem medizinischen Aspekt - die Blutwerte der Kinder verbessern sich während des Ferienaufenthalts deutlich - soll die Aktion der Landeskirche Brücken „zwischen Menschen, Völkern und Kirchen bauen“. Die Rechnung geht auf: Aus Besuchskontakten haben sich viele langjährige Freundschaften entwickelt. Für die Organisatoren ist das Motivation, weiterzumachen. Wilhelm Reessing: „So lange wir Gastfamilien finden, werden wir die Aktion fortsetzen.“

Martina Schumacher

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