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Verstehen uns ohne Worte

Gunda Küfe, Julija Fedorzowa, Anna Korschunowa, Olesja Lubskaja und Wilhelm Reessing
Gunda Küfe, Julija Fedorzowa, Anna Korschunowa, Olesja Lubskaja und Wilhelm Reessing

Sulingen - MELLINGHAUSEN · „Gundas Essen schmeckt lecker“, versichern Anna Korschunowa (8) und Julija Fedorzowa (9). Besonders gern mögen sie Kroketten und Bratkartoffeln. Und Salat. Nur der Borschtsch, den ihre Gastmutter Gunda Küfe ihnen zu Ehren gekocht hatte, ist nicht so gut gelungen wie zu Hause. „Da fehlten die richtigen Rüben“, urteilte Julia.

 In punkto Heimweh sind sich Anna und Julija einig. Auf die Frage lachen sie verschmitzt und schütteln den Kopf.

Die beiden Mädchen aus dem Süden von Weißrussland sind Freundinnen. „Das ist ein großes Plus“, sagt Gunda Küfe, die sich erstmals an der Ferienaktion für Tschernobyl-Kinder als Gastgeber beteiligt.

Da die „Chemie“ stimme, funktioniere die Verständigung mit wenigen „Brocken“ Deutsch oder Russisch, meist aber ohne Worte. Gunda Küfe: „Wir haben erst einmal die Hilfe einer Dolmetscherin in Anspruch genommen.“

Eine gute Hilfe sei die Liste mit wichtigen Vokabeln, die die Gasteltern von den Organisatoren Wilhelm Reessing und Hans-Jürgen Waschke bekommen haben. Anna und Julija haben schnell Anschluss zu der gleichaltrigen Michelle aus der Nachbarschaft bekommen. Diese hat ihr Spielzeug vorübergehend bei Familie Küfe „geparkt“:

Ihre Puppen sind die ständigen Begleiter von Anna und Julija.

25 Kinder aus dem durch den Reaktorunfall Tschernobyl immer noch stark radioaktiv belasteten Gebiet Gomel verbringen zurzeit einen vierwöchigen Erholungsaufenthalt im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz. Neun Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren genießen die Gastfreundschaft von Familien aus Mellinghausen, Sulingen und Kirchdorf.

Morgens treffen sie sich zum „Unterricht“ mit Dolmetscherin Olesja Lubskaja im Gemeindehaus Mellinghausen. „Diese Gruppe ist sehr interessiert“, lobt die 28-Jährige. Die Lehrerin an der Dorfschule Korenewskaja im Gebiet Gomel begleitete wiederholt Kindergruppen in den Kirchenkreis. Ein wenig Deutschunterricht, Spiele und das Einstudieren von Liedern und Tänzen für das Abschlussfest stehen auf dem Programm ihrer Ferienschule.

Cheforganisator Wilhelm Reessing sucht Jahr für Jahr Gastfamilien, die das Projekt unterstützen. Interessenten können sich entweder direkt an ihn wenden (Tel. 05474-911448) oder sich über ihre Kirchengemeinde informieren. „Vier Wochen sind eigentlich zu kurz“, sagt Gunda Küfe. Den Entschluss, Kinder aufzunehmen, habe sie noch keine Sekunde bereut, und auch die beiden Mädchen fühlen sich sichtlich wohl.

Zwei größere „exkursios“ standen bisher auf dem Familienprogramm, eigentlich ist der Erholungsurlaub aber voll kleinerer Alltagsfreuden: Fotografieren, Reiten in der Nachbarschaft, Hundebabys anschauen, im Garten herumtollen oder „volle Pulle“ Weihnachtslieder hören, die Julija und Anna kurzerhand zu ihrer Lieblingsmusik erklärten.

Die beiden Mädchen lernen schnell. Die eine oder andere Vokabel haben sie schon aufgeschnappt. Eine Wortschöpfung von Anna: „Sie sagt ‚zwei bisschen‘, wenn es etwas mehr sein darf“, sagt Gunda Küfe lachend.

mks

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