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Jahrhunderte im Zeitraffer

Technikmuseum Heede zeigt Luther-Ausstellung

KIRCHENKREIS DIEPHOLZ (miu). 500 Jahre ist es jetzt her, dass Martin Luther sich gegen die Kirche in ihrer damaligen Form auflehnte und eine Bewegung anstieß, um sie zu verändern, zu modernisieren, sie sozialer und für alle Menschen verständlich zu machen. Weltweit feiern Christen in diesem Jahr das Jubiläum der Reformation. Wie die Lehre dieser „neuen Kirche“ unsere Region damals erreichte und sich verbreitet hat; was sie hier bewirkte, welche Spuren sie hinterließ und wo die Kirche im Kreis Diepholz jetzt im Jahr 2017 steht, wohin sie sich entwickeln und was heute modernisiert und verändert werden sollte - darum ging es am Mittwochabend beim „Kirchenkreistag“ in Barnstorf. Das „Parlament“ des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz kam im Gemeindehaus zusammen, um gemeinsam mit Gästen und Referenten einen Blick auf die Reformation in der Region damals und heute zu werfen.

Knapp 90 Delegierte und Gäste drängen sich ins Barnstorfer Gemeindehaus, um zunächst etwas über die Anfänge der Reformationsbewegung in unserer Gegend zu erfahren. Dafür hat Superintendent Klaus Priesmeier Experten aus der Region eingeladen: Werner von Behr (Präsident der Institution „Hoya-Diepholzsche Landschaft“) aus Nienburg sowie die Heimatgeschichtsforscher und Buchautoren Hartmut Bösche aus Martfeld und Verden, Wilfried Gerke aus Diepholz und Timo Friedhoff aus Wagenfeld.

Die Heimatforscher überraschen die Zuhörer mit ihren Ausführungen, wie früh die Reformation bereits im jetzigen Kirchenkreis Diepholz ankam. Hartmut Bösche hat nach jahrzehntelanger akribischer Auswertung von Archiven in ganz Europa Erwähnungen aus dem Jahr 1526 gefunden, die das belegen.

Die Historiker stellen verschiedene Protagonisten vor, die Luthers Lehren in die Region brachten und vorantrieben. Jobst II (von 1511 bis 1545 regierender Graf von Hoya) und den von ihm an die Weser gelotsten Theologen Adrian Buxschott aus Antwerpen, der 1561 in Drakenburg bei Nienburg starb. Die Familie Holste aus Hoya, die im 16. Jahrhundert Geistliche beider Konfessionen stellte. Und Graf Friedrich II von Diepholz (1555 bis 1585). Die Experten stellen immer wieder heraus, welchen Einfluss auch die (damals noch gar nicht stimmberechtigten) Ehefrauen auf die Entwicklung der „neuen Kirche“ hatten.

„Hier bei uns in der Region wurden sicherlich nicht die ganz großen Weichen gestellt oder die allerersten bahnbrechenden Entscheidungen der Reformation getroffen - aber man ist diesen Weg sehr schnell und mit großer Klarheit mitgegangen“, betont Superintendent Klaus Priesmeier, „und das ist schon erstaunlich.“

Im Anschluss an diese „historische Runde“ gibt es ein „Gesprächsforum der Gegenwart“. Frauen und Männer aus sehr unterschiedlichen kirchlichen Feldern berichten aus ihrer aktuellen Sicht auf die Kirche als Gemeinschaft und Organisation, ihren Stand in der Gesellschaft, ihre Aufgaben und die Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Renate Runnebaum (Landwirtin aus Eydelstedt) erzählt zunächst eindrücklich, wie sie als strengerzogene Jugendliche damals auf die Geschichte der Reformation stieß und sofort mitgerissen war vom Mut und Protest-Potenzial Martin Luthers: „Mir imponierte es unglaublich, dass sich ein Kirchenmann in dieser Zeit traute, sich gegen Kirche, Recht und Ordnung zu wenden. Dass er es wagte, die päpstliche Bannandrohungsbulle zu verbrennen, selbst neue Thesen zu entwickeln und dem Druck standhielt, sie zu verteidigen. Die Biografie von Martin Luther hat mir in meinem eigenen Leben immer wieder Selbstbewusstsein gegeben und sehr deutlich gezeigt, welch wichtige gesellschaftliche Kraft der Protestantismus war und bis heute ist. “

Stefanie Bunge arbeitet als Erzieherin in der evangelischen Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Wagenfeld, und auch sie sieht das Interesse und den Bedarf von jungen Menschen an kirchlichen Inhalten weiterhin stark vorhanden: „Auch wenn es heute in vielen Familien keine christliche Vorbildung mehr gibt - ich erlebe es nach wie vor, dass Kinder religiöse Fragen haben und auf der Suche nach Antworten sind. Viele Eltern reagieren darauf erst mal hilflos, zeigen dann aber ein großes Interesse an kirchlichen Themen und Angeboten, christlichen Ritualen und biblischen Geschichten. Wir stellen im Laufe eines Kindergartenjahrs immer wieder fest, dass religiöse Bildung den Kindern und ihren Familien Sicherheit gibt.“

Diese Erfahrung macht auch Nicole Matheus, die im Vorstand des Kirchenkreisjugendkonvents und auf vielfältige Art in der evangelischen Jugendarbeit aktiv ist. Die Teenager und jungen Erwachsenen, die sie kennenlernt und in Angeboten begleitet, haben andere Fragen und Wünsche an die Kirche als Kinder und viele Erwachsene. Sie suchen nach eigenen Herangehensweisen an den Glauben und wollen Formate finden, die zu ihnen passen. „In der Jugendarbeit läuft Glauben über viele Ebenen - nicht nur über Andachten, Inhalt, Erfahrungsaustausch und persönliche Gespräche“, weiß Nicole Matheus, „sondern vor allem ganz stark über Musik.“

Dr. Fritz Hasselhorn vertritt den Kirchenkreis in der Landessynode. Die gesetzgebende Versammlung der Kirchenleitung sammelt derzeit Ideen und Impulse für eine neue Kirchenverordnung. „Die jetzige ist eigentlich noch aus Adenauers Zeit und stellt immer wieder die Aufgabe der Kirche in den Vordergrund, eine Aufsichtsfunktion über ihre Mitglieder zu haben“, erklärt er. „Das drückt aus unserer Sicht Misstrauen gegenüber dem Kirchenvolk aus und ist keine gute Grundlage, in unserer heutigen Zeit eine lebendige Kirche zu bauen. Wir brauchen eine Verfassung, die stärker begründet, warum die Kirche etwas entscheidet oder ablehnt.“ Um den Inhalt dieser Verfassung auszugestalten, hat die Synode einen Entwurf erarbeitet, der in den nächsten Monaten den Kirchenmitgliedern öffentlich vorgestellt, diskutiert und mit ihnen entschieden werden soll.

Wie die Kirche der Zukunft aussehen soll, ob evangelische und katholische Christen sich weiter annähren und wieder zu einer gemeinsamen Kirche zusammenfinden können, ist schließlich die Frage an den  katholischen Gast, Pfarrer Michael Lier. Trotz zunehmender Gemeinsamkeiten und Aufeinanderzubewegens meint Lier: „Wir beten, singen und loben einen gemeinsamen Herrn. Aber die Einigkeit unserer beiden Kirchen bedeutet nicht Einheitlichkeit. Ich glaube, dass Einigkeit aus Vielfalt lebt. Und ich persönlich würde es auch schade um die katholischen wie um die lutherischen Traditionen finden, wenn sie nicht für sich erhalten bleiben würden. Denn sie geben vielen Leuten Identität.“

„Wir sind als Kirche auf dem Land derzeit mit vielen Fragen unterwegs und merken, wie sehr wir uns verändern“, sagt Superintendent Klaus Priesmeier. „Vieles wird schwierig und sich verändern in den nächsten Jahren, aber vor allem sehe ich es als eine spannende Zeit, die wir gerade erleben.“

 

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