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Bei ehrenamtlichem Engagement sind Kirchenmitglieder ganz weit vorne

Parlament des Kirchenkreises Diepholz tagt in Burlage / Ehrenamtlichen-Forschung mit Blick auf Kirchenvorstandswahlen 2018 / Pastor Michael Steinmeyer aus Wagenfeld wird zweiter Stellvertreter des Superintendenten

BURLAGE (miu). „Das Hauptmotiv von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, ist laut Statistik: Es soll Spaß machen. An zweiter Stelle kommt der Wunsch, mit anderen Menschen etwas Gemeinsames zu unternehmen. Und danach der Anspruch, dass man was bewegen möchte in der Welt oder in der Region, in der man lebt.“ Albert Wieblitz, Beauftragter für das Thema Ehrenamt im „Haus Kirchlicher Dienste“ in Hannover und augenblicklich Referent beim Kirchenkreistag in Burlage-Hüde, blickt in den voll besetzten Saal des Gemeindehauses und nickt zufrieden. Er hat hier die Delegierten des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz vor sich, und die ganz große Mehrheit des Parlaments besteht aus ehrenamtlich Engagierten. „Bitte wenden Sie sich kurz Ihrem Nachbarn oder Nachbarin zu und erzählen von einer Glückserfahrung aus Ihrer Kirchenvorstandsarbeit, an die Sie sich gerne erinnern“, fordert Wieblitz seine Zuhörer auf, und sofort versinkt der Saal in Gemurmel und Gelächter.

Es geht an den Tischen um Menschen aus verschiedenen Kulturen, denen geholfen werden konnte. Um Projekte, Gebäudekonzepte und Maßnahmen, die umgesetzt wurden. Um neue Wege in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die gut angenommen werden. Um die Zusammenarbeit mit der Diakonie, die zügig Probleme gelöst hat. Um Friedhöfe, die umgestaltet oder besser organisiert wurden. Um Dankbarkeit, die einem entgegengeschlagen ist.

Sylvia Spreen aus Diepholz gehört mit 25 Jahren zu den jüngsten Mitgliedern des Kirchenkreistags. „Bei mir fing diese Glückserfahrung erst mal im Kleinen an: Dass ich einfach nach meiner Meinung gefragt wurde“, erzählt sie. „Ich war 21, gerade neu im Kirchenvorstand - und plötzlich wollten Leute, die viel mehr Erfahrung haben und meine Eltern oder Großeltern sein könnten, wissen, was ich denke. Sie waren offen, hörten mir zu, nahmen mich ernst. Das ist es, was mir auch in anderen Bereichen in meiner Kirchengemeinde gut gefällt: Dass einem was zugetraut wird, dass man Verantwortung übernehmen und etwas ausprobieren kann. Dass einem in vielen Bereichen - wenn es zum Beispiel um Jugend- oder andere kreative Arbeit geht - auch mal freie Hand gelassen wird.“

Offensichtlich für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Wie aber finden Gemeinden so einen Glücksgriff wie die Kreuzkirchengemeinde Sankt Hülfe-Heede Sylvia Spreen - und umgekehrt? Das ist das Thema des Vortrags von Albert Wieblitz. Denn im nächsten Jahr stehen Kirchenvorstandswahlen an. Und „so wie in meiner Kindheit, als der Landwirt gefragt wurde: ,Heinrich, wist Du Karkenvörsteher warden?‘, he seggt: ,Jo.‘ und ist für die die nächsten 30 Jahre im Kirchenvorstand - so einfach ist es heute nicht mehr“, weiß Wieblitz.

Der Referent gibt einen Überblick über die Entwicklung des Ehrenamts in den vergangenen Jahrzehnten; über Aufgaben, die Kirchenvorsteher heute wahrnehmen und die Motivation, die viele Freiwillige antreibt, sich in ihrer Freizeit einzusetzen.

Dass die Kirche noch immer eins der größten Felder für ehrenamtliches Engagement ist, zeigen aktuelle Statistiken über Ehrenamtlichen-Forschung. Das Portal „statista“ wertet für seine Erhebungen mehr als 18.000 Quellen aus, und das Ergebnis zeigt: Nach der Vereinsarbeit liegt die Zahl von Menschen, die sich ehrenamtlich in der evangelischen Kirche engagieren, nach wie vor vor der in allen anderen Einrichtungen, Organisationen, Verbänden, Gruppen, Initiativen oder Parteien in Deutschland.

Der größte Block unter den ehrenamtlich Engagierten seien „Frauen im Alter 40 plus“, betont Albert Wieblitz: „Jede zweite Frau in diesem Alter hat inzwischen ein verantwortungsvolles Ehrenamt.“ Er rät den Kirchenvorständen, die für die Wahl 2018 nach neuen Kandidaten Ausschau halten, diese Generation verstärkt in den Blick zu nehmen, aber natürlich auch die hartumkämpfte Gruppe der erfahrenen Rentner; außerdem „die Mobilen“ (Menschen, die beruflich die Region gekommen und noch nicht verwurzelt sind, aber einen wertvollen Außenblick einbringen können) und natürlich auch die jungen Gemeindemitglieder, die sich nach ihrer Konfirmation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagieren.

Das Alter der Wahlberechtigten wurde für die Kirchenvorstandswahlen am 11. März 2018 erstmals von 16 auf 14 Jahre heruntergesetzt. Selbst aufstellen lassen kann sich jedes Gemeindemitglied ab 18 Jahren.

Die Zeiten, in denen ein Gemeindemitglied nach einer spontanen Zusage dem Gremium mindestens 30 Jahre lang treu bleibt, mögen überholt sein - „die staatliche Statistik sagt dennoch, dass in keiner anderen Gruppierung als in der Kirche die Ehrenamtlichen so lange dabei bleiben - im Durchschnitt 12,6 Jahre“, verdeutlicht Albert Wieblitz.

Im Anschluss an den dynamischen, motivierenden Vortrag des Referenten entscheidet das Kirchenkreistagsparlament noch einige Anpassungen in den Stellenrahmenplänen für den Zeitraum 2017 bis 2022. Etwa, dass die Pfarrstellen der Kirchengemeinde Wagenfeld im Umfang von eineinhalb Stellen erhalten bleiben. Von den 150 Prozent gehört allerdings seit Jahren ein Anteil von 25 Prozent zu einer Springerstelle auf Kirchenkreisebene, die in Falle eines Pfarrstellenwechsels extra ausgewiesen werden könnte, sodass der Stellenanteil in der Gemeinde bei einer Neubesetzung dann künftig mit 125 Prozent ausgeschrieben werden würde.

Weiterhin wird die Verlängerung der beiden Stellen in der Flüchtlingssozialarbeit des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Diepholz um weitere zwei Jahre beschlossen.

Zu guter Letzt wählt das Parlament noch einen neuen zweiten Stellvertreter für das Aufsichtsamt des Superintendenten. Michael Steinmeyer (Pastor in Wagenfeld, Inhaber der Viertel-Springerstelle auf Kirchenkreisebene und bereits durch diverse Beauftragungen mit der Ebene vertraut) wird Nachfolger des im Januar verabschiedeten Pastor Dirk Brandt aus Ströhen.

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