Unsere Andachten

28. Mai 2020

Hier finden Sie unsere Hoffnungsandachten.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

28. Mai, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. (Psalm 25, 16)

Der Kranke antwortete Jesus: Herr ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, da steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! (Johannes 5, 7 – 8)

Seit 38 Jahren kann der Mann nicht mehr gehen. Er hat sich damit abgefunden, hat alle Hoffnung aufgegeben, jemals wieder gehen zu können.

Und dann steht dieser Jesus vor ihm und sagt zu ihm: „Steh auf und geh ein paar Schritte!“

Der Kranke nimmt allem Mut zusammen und beginnt zu gehen!

Er merkt: Gegen alle meine bisherigen Erfahrungen und Erwartungen kann ich tatsächlich wieder gehen!

Hat Jesus da ein Wunder getan, oder hat der Mann vorher nur nicht bemerkt, dass er gar nicht mehr krank ist?

Jesus sagt nichts dazu.

In erster Linie geht es hier auch nicht um ein Wunder, sondern um den Glauben, um die Erfahrung, um das sich Einlassen-Können auf den Gedanken, dass Veränderung, dass Aufbruch möglich ist.

Wer immer wieder gehört hat „Du bist zu dumm, aus dir wird sowieso nie was!“, der vergisst das nicht, der glaubt – wenn er es oft genug gehört hast – zuletzt selbst daran.

Solche Worte bleiben und belasten uns wie eine alte Krücke.

Psychologen habe dafür den Begriff „Sich-Selbst-Erfüllende-Prophezeiung“ gefunden; gemeint ist damit eine unbewusst ablaufende Verhaltensänderung bzw. -steuerung, die dazu führt, dass sich eine Erwartung oder Befürchtung auch tatsächlich einstellt.

Zum Glück weiß man inzwischen, dass sich ein solcher Prozess auch umkehren lässt!

Ein neuer Forschungszweig der Pädagogik – die Resilienzforschung – beschäftigt sich damit.

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen.

Wichtigste Voraussetzung dazu ist, dass es in einem Menschenleben mindestens eine Person gegeben hat, die uns unbedingtes Vertrauen entgegengebracht hat, die uns in einem schwierigen Moment gesagt hat:

„Du kannst das! Ich traue es dir zu!“ Wie Jesus hier dem Kranken sagt: „Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“

Das reicht!

Bei Jesus, in seiner Nachfolge, sind Veränderungen jederzeit möglich!

Uns niederdrückende Erfahrungen müssen wir nicht ein Leben lang mit uns herumschleppen. Wir können sie Jesus zeigen. Auch das erfordert nach oft jahrelanger Verdrängung viel Mut!

Auch noch Vertrauen und vielleicht einen Moment, in dem wir den Kontakt zu Jesus suchen.

Im Rückblick auf mein Leben kann ich Namen von Menschen nennen, die in wichtigen Momenten meines Lebens Jesus ihre Stimme geliehen haben und mir gesagt haben:

Geh deinen Weg! Ich traue es dir zu!

Da waren meine Mutter Lene und mein Vater Audi, die mir den Besuch der Oberschule und ein Studium zutrauten und mir das unter eigenen Einschränkungen ermöglichten!

Da war meine Lehrerin Lucy Fischer an der Leintorschule in Nienburg die meine Eltern überredete, mich zum Probeunterricht an der Albert-Schweitzer-Schule anzumelden.

Dort in der 12. Klasse dann mein Lehrer Erich Dierks, der mir gegen das Versprechen, nicht gerade Mathematik zu studieren, endgültig den Weg zur Reifeprüfung und damit zum Studium eröffnete.

Diese Liste der Namen ließe sich noch weiterführen, aber sie ist ausreichend, das Gemeinte zu verdeutlichen.

Ich wünsche allen die Kraft und den Mut, heute einen Neufang zu wagen!

Vielleicht bitten Sie ja Jesus um die Kraft, einem alten Feind zu vergeben?

Sie werden erleben, wie das befreit!

Amen

Pastor Klaus-Joachim Bachhofer, Kirchdorf; Foto: Jantje Ehlers

23. Mai, Pastor Klaus-Joachim Bachhofer, Kirchdorf

Gottes weites Herz

Kein Fleisch. So war das damals in der Wüste, als ein ganzes Volk auf der Flucht war aus der Sklaverei in Ägypten. Aber obwohl die Menschen nun endlich frei waren, wurde die Stimmung immer schlechter, denn sie vermissten das Fleisch, auf das sie in der Wüste verzichten mussten. Viele begannen an Gott zu zweifeln und fragten sich: Wäre es nicht besser, wieder nach Ägypten in die Sklaverei umzukehren?

Als Leser dieser Geschichte denke ich: „Was? Ein Mangel an Fleisch löst eine derart tiefe Krise im alten Israel aus? Wie absurd!  Warum sollte Gott auf so ein banales Verlangen reagieren?“

Mose, ihrem Anführer, geht die Maulerei seiner Landsleute mächtig auf die Nerven - und er wendet sich im Gebet an Gott. Gott, kannst du helfen? „Ja“, sagt Gott zu Mose, „ich kann! Ich werde sie mit so viel Fleisch überhäufen, dass sie es nicht mehr sehen können!“

Ich denke: „So viel Fleisch, dass sie es nicht mehr sehen können? Ist Gott noch zu retten? Wir heute wissen doch, wohin das führt!“

Mose kommen Zweifel an der Antwort Gottes. Er fragt: „Wie willst du so viele Menschen mit Fleisch versorgen, mitten in der Wüste?“

Da spricht Gott für Mose die Frage aus, auf die letztlich jeder Zweifel hinausläuft: Kann er, oder kann er nicht? Ist die Bitte nicht zu unwichtig? Oder, in der bildhaften Sprache der Bibel: Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?

Natürlich hat Gott die nötige Größe und auch den nötigen Humor. Natürlich kann und will er helfen. Auch, wenn das Verlangen noch so trivial erscheint.

An Fleisch mangelt es uns in Deutschland nun wirklich nicht, aber an einem verantwortlichen Umgang mit Nahrungsmitteln und mit Fleisch im Besonderen. In Zeiten von Korona müssen auch wir auf manch Liebgewonnenes verzichten. Auch ich erlebe manchmal, wie mein Gottvertrauen unter dem Druck des Verzichts zerbröselt. Dann stehe ich mit Blick auf Gott vor derselben Frage: Kann er helfen oder kann er nicht? Dannn will ich mich daran erinnern, dass für Gott nichts zu trivial ist! Er begleitet uns mit liebevollem Verständnis und Humor durch die Durststrecken des Lebens. Dazu können auch Tage ohne Fleisch auf dem Teller gehören.

Pastor Burkhard Westphal

16. Mai, Pastor Burkhard Westphal, Mellinghausen- Siedenburg

Hoch hinaus

Menschen wollen hoch hinaus, nach oben kommen. Sie wollen Ziele erreichen. Karriere machen im Beruf, im Verein, in einem Verband, in der Familie, Politik oder sogar in der Kirche.  Jeder will nach oben, niemand nach unten. Das ist allzu menschlich.

Das Christsein wird von vielen Menschen als Religion nach unten verstanden. Eine Christin / ein Christ muss bescheiden sein und alle Bestrebungen nach oben vermeiden? Das schickt sich nicht. Du könntest in den Geruch der Selbstbeweihräucherung kommen. Nein, immer schön unten bleiben und buckeln. Schließlich soll sich die Christin / der Christ in den Himmel hineindienen und hineinarbeiten. Das ist Leistungsgesellschaft, aber nicht Evangelium.

Denn Jesus sagt seinen Jüngern und Jüngerinnen am Himmelfahrtstag: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen."

Was ist das für eine Karriere? Ich erhöhe mich nicht selbst, sondern werde erhöht, ohne dafür einen Finger krumm zu machen?

Jesus vertraut Gott, dass er ihm den Himmel schenkt. Jesus muss seine Karriere, sein „Hoch-hinaus“ nicht selbst in die Hand nehmen. ER wird erhöht. Er überlässt sein „Hoch-hinaus“ ganz Gott.

Dazu kommt das Versprechen Jesu: Durch sein Sterben und Auferstehen, durch seine Erhöhung zieht er uns mit zu Gott-Vater. Er zieht uns mit hinein. Ich brauche weder in den Himmel zu tanzen noch mir den Himmel verdienen. Jesus zieht mich mit. Die Frage ist nur, ob ich mich in den Himmel „reinziehen lasse“? Es soll Menschen geben, die tun sich schwer, wenn sie in etwas hineingezogen werden. Da werden Widerstände wach: „Ich lasse mich da nicht hineinziehen!“

Dabei ist es die Befreiung des Evangeliums:  Ich kann und muss mir den Himmel nicht verdienen. Ich habe es auch nicht nötig, mir den Himmel durch sogenannte „Vatertagswanderungen“ zu erwandern. Ich brauche mich nur an Jesus hängen. Er zieht mich in den Himmel hinein.

Wie es Jugendliche manchmal sagen: „Den ziehen wir mit. Den ziehen wir durch.“ Wie es Arbeitskolleginnen und -kollegen auf Akkord und Montage sagen, dass sie jemanden mit-durch-ziehen. Wie es Menschen sagen, wenn sie über die Beerdigung hinaus den Trauernden beistehen und sie im Gebet 'mitziehen' und mittragen.

Am Himmelfahrtstag komme ich hoch hinaus, ohne stressbeladene und schweißtriefende Karriereleiter, ohne Eigenleistung. Jesus Christus zieht mich mit und durch. Gewiss nicht, weil ich es verdient habe. Gewiss nicht, weil ich so ein anständiger Mensch bin. Gewiss nicht, weil ich so ein guter Christ bin. Seine Liebe ist es. Liebe zieht immer nach oben. Durch die Liebe Jesu kommst du hoch hinaus. Höher hinaus als jedes Denken, Fühlen, Handeln und Streben. Wie es in jedem Gottesdienst gesagt wird (Philipper 4,7): „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.“   

Pastorin Kerstin Wackerbarth; Foto: Jantje Ehlers

14. Mai, Pastorin Kerstin Wackerbarth, Ströhen

„Halt und Haltung – zwei Seiten einer Medaille“

Was gibt dir Halt im Leben? Was hält dein Rückgrat aufrecht? Verhindert, dass die Wirbel nachgeben und ich fortan gebeugt oder gar gebrochen durchs Leben gehe?

Gott hat dir nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim. 1,7)

Manchmal tut es mir gut, daran erinnert zu werden, was verhindert, dass ich verzage und ich diese Welt und die Menschen in ihr nicht verloren gebe. Gott hat dir nicht gegeben einen Geist der Furcht er spricht mich an, reicht mir die Hand und sagt: … und das, was du allein nicht schaffst, das schaffen wir vereint.“ Daraus lässt sich eine Haltung im Leben und zum Leben entwickeln. Gott ist mir die lebensbejahende Kraft, deren Zuspruch mir Halt gibt im Leben und mein Rückgrat nicht brechen lässt, wie stark der Ansturm auch sein. Gott ist meine Quelle der Kraft und weil ich weiß, dass seine Liebe unumstößlich strömt, gebe ich die Welt und die Menschen in ihr nicht verloren, seine Zuwendung zu mir verhilft mir mich nicht von der Panik überrollen zu lassen, sondern hinzuschauen, wie lässt sich jetzt nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Was möchte ich, das wird und wie lässt sich dies in nächster Zeit gestalten. Vieles mag dabei noch offen sein, doch eins steht fest: Niemals bin ich allein auf mich geworfen, sondern ich werde zugerüstet und

Gott hat dir nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Amen.

Lebendiger Gott, das Leben und diese Welt bekommen dich nicht klein.

Du lässt dich nicht schrecken und wendest dich nicht ab.

Dafür danken wir dir und bitten dich:

Lass dich spüren.

Lass deinen Geist kräftig durch unsere Herzen pusten und auch unseren Verstand durchwehen,

auf dass sich unser kleiner Horizont weite und eine größere Perspektive bekommt,

die sich nicht durch die Furcht einengen lässt, sondern durch Zuversicht bestimmt wird.

Durch Jesus Christus, unseren von der Welt gekreuzigten und durch dich auferweckten Herrn.

Amen.

Frauke Laging Diakonin im Kirchenkreis Diakonin in St. Nicolai, Diepholz Foto: Jantje Ehlers

9. Mai, Diakonin Frauke Laging, St. Nicolai, Diepholz, und Kirchenkreisjugenddienst

Chips oder Bikinifigur?

Urlaub ist im Moment ein großes Thema und mit den ersten Sehnsüchten, wieder reisen zu dürfen, kommen auch die Artikel für die perfekte Bikini-Figur „last minute in nur zwei Wochen“. Ich verrate Ihnen schon mal eins: Das wird nicht funktionieren.

Zumindest nicht bei mir. Eine perfekte Bikini-Figur habe ich, wenn ich einen anziehe. Fertig. Mich stört das nicht besonders, aber ich verbringe viel Zeit mit jungen Menschen, die sich um ihr Äußeres große Sorgen machen.

Das tut mir so leid! Sie sind alle witzig, klug, talentiert und schön – jede und jeder auf eigene, besondere Weise. Aber da kann ich predigen, wie ich will. Die Botschaft ist schwer zu vermitteln, weil Schönheitsideale, Erwartungen und dumme Sprüche, die andere machen, nicht so leicht zu ignorieren sind.

Eigentlich hätte heute meine jährliche Lieblingsveranstaltung stattgefunden: „Normal ist anders“! Zum Glück ist aufgeschoben nicht aufgehoben. Bei „Normal ist anders“ feiern wir nämlich einen ganzen Tag lang unsere Verschiedenheit. Es kommt nicht darauf an, der Schönste oder die Klügste zu sein. Wir haben Zeit, uns besser kennen zu lernen und hinter die Fassade zu schauen. Wie in der Geschichte von Samuel, den Gott losschickt, um einen neuen König zu salben. Er geht zu einem Mann, der mehrere Söhne hat. Als Samuel den ältesten Sohn sieht, der stattlich, groß und kräftig scheint, meint er, den zukünftigen König erkannt zu haben. Doch Gott bremst ihn ein: „Es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“

Es ist nicht so, wie wir uns einander sehen: „Der erste Eindruck zählt.“ Was macht es für einen Sinn, einen Menschen derart zu reduzieren? Wir tun es trotzdem, sind aber gleichzeitig empört, wenn jemand uns auf den ersten Blick beurteilt und in eine ihrer oder seiner Schubladen steckt.

Samuel salbt am Ende den richtigen Kandidaten zum König, den Jüngsten und Unscheinbarsten. Es ist David, der später den großen Goliat besiegt. Nicht mit bloßer Körperkraft, sondern mit Schläue und Geschicklichkeit.

Mit Gottes Hilfe hat Samuel also den richtigen König ausgewählt. Eine Entscheidung, die nicht auf den ersten Blick getroffen werden konnte. Nicht ohne Gottes Hilfe.

Menschen, die nicht nur auf das sehen, was vor Augen ist – das wünsche ich heute allen, die sich nicht wohl in ihrem Körper fühlen; die Angst haben, anderen nicht zu gefallen; die sich für nicht klug genug halten…

Ich jedenfalls mache mir heute Abend die Chips-Tüte auf UND trage trotzdem im Sommer den roten Bikini mit den Querstreifen. Gott sieht in mein Herz: Was soll da falsch an mir sein?

Elke Haarnagel; Foto: Jantje Ehlers

8. Mai, Pastorin Elke Haarnagel, Wetschen

Vielleicht haben Sie den Beitrag im Fernsehen auch gesehen: die Kindertagesstätten öffnen schrittweise. Kinder werden in kleinen Gruppen betreut und müssen einiges lernen, was wichtig ist in Coronazeiten. Das Händewaschen gehört dazu. In dieser Kindertagesstätte wird beim Händewaschen zwei Mal "Alle meine Entchen gesungen". Das dauert dann 30 Sekunden, so lange sollen wir und natürlich auch die Kinder die Hände waschen. Das ist leicht zu lernen und wohl auch jeder und jedem einsichtig: auf diese Weise schützen wir uns selbst und auch die Gesundheit anderer Menschen. Und wir haben ja Wasser und Seife, können dies anwenden. Ganz anders ist die Situation von Menschen in ärmeren Ländern dieser Erde, wo zu aller Not das Fehlen von Wasser diesen wirksamen Schutz gegen die neue gefährliche Krankheit unmöglich macht.

Also waschen wir seit Mitte März mit großer Ausdauer und Häufigkeit unsere Hände. An einem Tag kommt da ganz schön was zusammen: nach dem Einkauf, nach der Arbeit, wenn wir unterwegs waren...! Da ich sehr gerne singe, kommt mir das eine oder andere Lied in den Sinn und über die Lippen: mal aktuelle Hits, mal unsere vertrauten christlichen Gesänge. So wird das ständige Händewaschen eine willkommene Pause. Eine kleine Unterbrechung unseres Alltags, der sich ständig ändert und wo wir heute nicht wissen, welche Informationen und neue Regelungen morgen wichtig und zu beachten sind.

Das Händewaschen bleibt und wird uns bleiben und dabei auch diese Momente des Atemholens, des zu sich Findens. Wen wundert es, dass mir beim Händewaschen das Vaterunser über die Lippen kommt: diese vertrauten Worte, in die ich mich einfach hineinfallen lassen kann. Ohne die aktuellen Fragen und Gedanken weiter zu bewegen, spreche ich ganz selbstverständlich dieses Gebet, mit dem ich zu Gott liebevoll "Vater" sagen kann und weiß, er ist Tag und Nacht mein verlässliches, mir zugetanes Gegenüber. Das tut gut gerade jetzt, wo ich nahe Angehörige und gute Freunde selten oder gar nicht sehen kann.

Probieren Sie es einfach für sich aus! Vielleicht beim Hände waschen, vielleicht nach einer anderen Tätigkeit oder an einem anderen Ort als zuhause. Wie praktisch: das Vaterunser haben wir immer bei uns. Und wenn die Kirchenglocken läuten können wir wissen, jetzt beten unzählige Menschen mit uns gemeinsam: ob in einer Kirche oder zuhause, ob auf der Arbeit oder bei einem Spaziergang. Spürbare christliche Gemeinschaft an ganz unterschiedlichen Orten unseres Lebens, wunderbare und glückliche Augenblicke in diesen so bewegten Zeiten.

Und wir können sicher sein: unser treuer und liebevoller Gott wird zu uns stehen. Er wird uns neue, gute Wege finden lassen auch in allen Sorgen und großen Nöten! Etwas Ausdauer wird dazu gehören, bis wir erkennen, auf welche Weise Gott in all unseren Fragen und Unsicherheiten für uns sorgt. Auch etwas Zeit wird es brauchen, dass wir herausfinden, was Gottes Hilfe in diesen Zeiten für uns und andere sein kann. Aber diese Zeit haben wir ja: in den 30 Sekunden am Waschbecken mehrfach am Tag und beim zuhause bleiben ebenso!  Übrigens: der Refrain von "We are the champions" oder zwei Strophen von "Danke für diesen guten Morgen" passen genau in die 30 Sekunden Händewaschen. Sie haben die Wahl! Amen!

Reinhard Thies; Foto: privat

7. Mai, Pastor Reinhard Thies, Barenburg und Varrel

„Richtig gut“

Gemeinsam singen macht Spaß. Doch zurzeit dürfen sich Chöre nicht mehr treffen. Und es steht zu befürchten, dass das auch noch eine Weile so bleiben wird.

Vor ein paar Tagen wurden meine Frau und ich gefragt, ob wir bei unserem Chor aus unserer früheren Gemeinde an einem Projekt teilnehmen würden. Jeder sollte bei dem Segenslied „Möge Gottes Angesicht …“ ein Video mit dem Handy aufnehmen. Als Hilfe hatte die Chorleiterin die Klavierbegleitung aufgenommen und per Mail zugeschickt. Ich setzte mir also die Kopfhörer auf, hörte die Klavierbegleitung und sang kräftig meine Tenorstimme, während meine Frau mit dem Handy die Aufnahme startete.

Um ehrlich zu sein, es war schwerer als gedacht. Das Video machte es deutlich: Mal war der Ton nicht getroffen, an anderer Stelle stimmte der Text nicht richtig oder ich hatte Silben verschluckt. Mehrmals starteten wir die Aufnahme von vorne, doch irgendetwas war immer falsch. Nach mehreren Versuchen beschloss ich, jetzt muss es reichen. Perfekt wird es nie.

Dass es nicht so einfach wird, hätte ich eigentlich wissen müssen. Die Chorleiterin hatte uns vorgewarnt, aber zugleich auch Mut gemacht: „Macht euch keine Gedanken, wenn sich eure Aufnahme danach komisch anhört. Glaubt mir, zusammen klingt das nachher richtig gut.“

„Zusammen klingt das richtig gut!“ Jeder, der in einem Chor mitsingt, weiß, dass sie recht hat. Ein Chor ist mehr als eine Ansammlung von einzelnen Sängerinnen und Sängern. Keiner im Chor ist perfekt. Auch der gesamte Chor ist nicht perfekt, und trotzdem klingt es gemeinsam gut. Im Chor werden wir von den anderen getragen und wir tragen die anderen. Es ist ein Geschenk, im Chor zu singen.

Wir sind nicht perfekt. Beim Singen nicht, aber auch nicht in den anderen Bereichen unseres Lebens. Mal hören wir nicht richtig zu, mal denken wir nur an uns selbst und mal stehen wir uns gegenseitig im Weg.

Wir sind nicht perfekt. Und wir brauchen es auch nicht zu sein. Gott lässt uns das Wunder erleben: Selbst, wenn wir uns „komisch“ fühlen. Zusammen klingt es richtig gut.

Jede und jeder kann sich einsetzen mit den Gaben und Fähigkeiten, die Gott geschenkt hat. Ob beim Singen, beim Zuhören, im Umgang mit anderen oder bei der Lösung von Problemen. In der Gemeinschaft mit anderen dürfen wir es erleben. Eine Gemeinde ist mehr als eine Ansammlung von Einzelnen oder Vereinzelten. Keiner ist perfekt, auch die Gemeinde insgesamt ist es nicht, und trotzdem wird es schön. Wir sind von Gott getragen. Deshalb können wir auch andere tragen und uns tragen lassen. Es ist ein Geschenk, dabei zu sein. Denn gemeinsam wird es richtig gut.

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

6. Mai, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Den Weg kennen

In dieser Woche jährt sich der 8. Mai, der Tag der Kapitulation Deutschlands, der Tag der Befreiung von Krieg und sinnlosem Tod zum 75. Mal.

Vor einigen Jahren erzählte mir eine alte Dame von einem Erlebnis am Ende des Krieges. Sie war zu der Zeit ein junges Mädchen von etwa 15 Jahren:

„Ich stand auf der Straße vor unserem Haus, als ein Bote mir einen blauen Brief in die Hand drückte und sagte: „Gib den deinen Eltern, das ist ein Stellungsbefehl.“

Ich ging hinein. Nur meine Großmutter war da. „Was ist eigentlich ein Stellungsbefehl?“, fragte ich sie.

„Eine Einberufung an die Front.“, sagte sie. Ich rannte nach draußen in ein Versteck und verbrannte den blauen Brief, der meinen Bruder für den 11. April ´45 an den Bahnhof nach Mellendorf zitierte. Mein Bruder war 14 Jahre alt. Er sollte noch in den längst verlorenen Krieg einziehen. Aber er fuhr nicht! Ich hatte den Brief ohne Wissen meiner Familie vernichtet.

Am 12. April, einen Tag später, begegnete mir vor unserem Haus eine Gruppe deutscher Soldaten. Soldaten? Es waren 14-/15-jährige Jungen, die mit Fahrrädern und Panzerfäusten unser Dorf verteidigen sollten. Denn die Amerikaner rückten an.

„In den Bunker!“, wurde auf der Straße geschrien. Aber da, wo der Bunker war, da waren schon die Amerikaner. Wir flüchteten also in den Keller.

Als wir wieder herauskamen, wurden gerade drei verwundete Jungs abtransportiert.

Einer war tot.

Er blieb einfach liegen. Am Straßenrand.

Später begruben mein Opa und ich ihn im Wald. Seinen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Es hätte mein Bruder sein können. Deshalb war er mir in dem Moment so nah wie ein Bruder.“

„Als ich aber, geblendet von der Klarheit des Lichtes, nicht sehen konnte, wurde ich an der Hand geleitet von denen, die bei mir waren, und kam ans Ziel.“ (Apostelgeschichte 22,11)

Ich hatte Engel an meiner Seite. Sie sangen nicht wie die himmlischen Heerscharen. Sie sprachen auch nicht: „Fürchte dich nicht.“ Aber sie kannten den Weg.

Einem Fremden den Weg zeigen, einen Beschuldigten in Schutz nehmen, ein Kind nach Hause bringen, einen tödlichen Stellungsbefehl verbrennen. Das macht noch nicht zum Engel. Aber zu einem, der den Weg kennt.

„Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene.“, spricht der Prophet Jesaja die Verheißung Gottes in diesen neuen Tag hinein.

Pastor Michael Steinmeyer; Foto: Jantje Ehlers

5. Mai, Pastor Michael Steinmeyer, Wagenfeld

"Dienen" - das Wort klingt altmodisch, oder?  Allenfalls sprechen wir heutzutage noch von "Dienstleistung", aber "dienen"? Das ist doch wohl von gestern, oder?

Komisch ist nur, dass ich gerade im Moment an allen Ecken und Enden Menschen erlebe, die anderen dienen. Denn was tun die Ärztinnen und Ärzte, was tun die Pflegekräfte in Kliniken und Pflegeheimen denn sonst? Was tun die Landfrauen denn sonst, die in ihrer Freizeit Schutzmasken nähen? Was tun Feuerwehrleute und Rettungskräfte? Was tun diejenigen, die für andere einkaufen gehen oder am Telefon zuhören? Was tun die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nach Impfstoffen und Medikamenten suchen? Was tun die so oft gescholtenen Politikerinnen und Politiker, die um Entscheidungen ringen? Sie alle - oder die meisten von ihnen - dienen ihren Mitmenschen oder bemühen sich zumindest darum. Und viele andere, die ich jetzt nicht aufgezählt habe, tun es auch.

Ob Christenmensch oder nicht: Wer anderen dient, tut das, was der biblische Monatsspruch für den Mai empfiehlt: "Dient einander – jeder mit der Gabe, die er erhalten hat. So erweist ihr euch als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes."

Dienen, lese ich da, ist keine Einbahnstraße. Dienen ist etwas Gegenseitiges; es geschieht auf Augenhöhe. Nicht immer, wenn jemand mir "dient", wenn jemand mir einen Dienst erweist, kann ich das sofort erwidern. Und doch scheint ja der Briefschreiber (denn der Monatsspruch steht in einem Brief, den wir den ersten Petrusbrief nennen) anzunehmen: Jede und jeder von uns hat eine Gabe, mit der sie, mit der er anderen etwas Gutes tun kann. Ihnen dienen also.

Und mehr noch: Für Christenmenschen spiegelt sich in dem Dienst, den ich anderen erweise, etwas von Gottes Gnade. Vielleicht könnte ich auch sagen: Es spiegelt sich etwas von dem großen Dienst, den Gott uns Menschen erweist. So verstanden, bekommt das Wort "Gottesdienst" auf einmal einen ganz neuen Klang: Wer dient hier eigentlich wem?

Wir haben uns in den letzten Wochen daran gewöhnt, einander eher aus der Entfernung zu dienen. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Aber trotz aller Auflagen und Einschränkungen freue ich mich darauf, am Sonntag wieder zusammen mit anderen Gottes Dienst - Verzeihung: Gottesdienst - zu feiern. Auch wenn zum gegenseitigen Dienen im Moment ein gewisser Abstand gehört.

Frauke Laging Diakonin im Kirchenkreis Diakonin in St. Nicolai, Diepholz Foto: Jantje Ehlers

4. Mai, Diakonin Frauke Laging, St. Nicolai, Diepholz, und Kirchenkreisjugenddienst

So eine kleine stille Konfirmation nur im engsten Familienkreis wäre ab dem 7. Mai vermutlich wieder möglich. So eine gab es 2011 in Großbritannien.

Vor ihrer Märchenhochzeit mit Prinz William ließ sich Kate Middleton konfirmieren, so war es auf der Internetseite des Senders n-tv zu lesen. Wer hätte das gedacht? – Denn eigentlich wäre das nicht nötig gewesen. Die Konfirmation war keine Voraussetzung für Kates Hochzeit mit Prinz William und doch war es ihr wichtig, vorher ihren Glauben zu Gott vor der Kirche von England zu bekennen. Aus dem Buckingham Palace hörten wir nur, dass die Konfirmation ein Teil von Kates Hochzeitsvorbereitungen war. Doch warum hat sie sich dazu entschieden?

Warum lasse ich mich heutzutage noch konfirmieren? Die Gottesdienstbesuche, der regelmäßige Unterricht, Konfitage am Samstag, das Auswendig-Lernen – lohnt sich das?

Bei den Gesprächen zur Verschiebung der Konfirmationsgottesdienste wurde deutlich, wie wichtig der Konfirmationsgottesdienst mit allen aus der Gruppe und allen aus der Familie als Abschluss der gemeinsamen Konfi-Zeit ist. Nicht die (Geld-)Geschenke spielten bei unseren Telefonaten eine Rolle, sondern die Traurigkeit darüber, dass man nicht mit allen Familienmitgliedern von Nah und Fern in die Kirche zum Gottesdienst gehen kann.

Ich bin überzeugt davon, dass die Konfis bewusst etwas aus dieser gemeinsamen Zeit mitnehmen, etwas, das länger hält als die Konfirmationsgeschenke: nämlich etwas, an das sie glauben können.

„Ich glaube an Gott, der immer zu uns hält in guten oder in schlechten Zeiten. Außerdem glaube ich an seine Liebe zu uns Menschen und an seine Zuversicht und daran, dass er uns nie bestrafen wird.“, liest eine in ihrem Vorstellungsgottesdienst vor und ein anderer: „Ich glaube an Gott, den Schöpfer der Erde und des Wissens. Und an Jesus Christus, der den Frieden auf die Erde bringen soll.“

Auf den Punkt bringen die Mädchen und Jungen das, was sie in den vergangenen zwei Jahren im Konfirmandenunterricht erlebt und erfahren haben, ganz im Sinne von Psalm 1: „Gut geht es dem, der an Gott glauben kann, der Gottes Gebote zu einem Maßstab für sein Leben macht. Gut geht es dem, der sich von Jesu Handeln anstecken lässt, für den Gottes Worte einen Sinn ergeben. So ein Mensch ist wie ein Baum, der an einem Bach gepflanzt wurde. Er bekommt, was er zum Leben braucht. Er ist stark und seine Blätter verwelken nicht. Sein Glaube und sein Vertrauen auf Gott machen ihn stark, darum traut er sich etwas zu und kann Gutes für sich und andere bewirken.“

Wenn ich das höre, weiß ich: Ja, es lohnt sich!

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

3. Mai, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?  (2.Samuel 2,26)

Zum Frieden hat euch Gott berufen.  (1.Korinther 7,15)

Wir feiern heute den Sonntag Jubilate.

Jubilate – „jauchzet Gott, alle Lande!“ So beginnt der Psalm 66 und liefert im Vers 1 die Gebrauchsanleitung dazu: Ein Psalmlied, vorzusingen.

Und schlägt im Vers 2 noch vor: Lobsinget zu Ehren seinem Namen; rühmet ihn herrlich!

Singen werden wir noch nicht können in Gottesdiensten an diesem Sonntag!

Aber die Hoffnung besteht, dass wir am nächsten Sonntag – er heißt Kantate, übersetzt heißt das: Singet – dann endlich wieder in unseren Kirchen im Gottesdienst mit Liedern und Chorälen unseren Gott loben dürfen, uns wieder in seinem Namen versammeln können.

Vielleicht erklingt auch in einigen Kirchen dann der wunderbare Choral von Felix Mendelssohn- Bartholdy.

Oder die Kantate von Johann Sebastian Bach: Jauchzet Gott in allen Landen.

Sie künden in jubelnden, hellen Tönen von der Botschaft des Psalm 66, von der Botschaft, die wir vor drei Sonntagen an Ostern in Erinnerung an Jesu Auferstehung nach seinem Tod am Kreuz von Golgatha gefeiert haben:

Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.

Christus hat uns Gottes Liebe offenbart.

durch diese Liebe können wir als neue Menschen leben.

Darum lobsingt zur Ehre seines Namens, rühmt ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Es passt gut, dass uns Losung und Lehrtext heute – am Sonntag Jubilate Anfang Mai – zum Frieden aufrufen!

Frieden auf Erden, das macht einen neuen Aufbruch nötig, stellt uns vor die schwere Aufgabe, ein Denken aufzugeben, das sich die Lösung von Konflikten oft nur als den Sieg des Stärkeren vorstellen kann.

Vielleicht schaffen wir es tatsächlich, das Alte zu verlassen und neu aufzubrechen auf den Weg von Gottes Liebe!

An den Traum von Frieden erinnern wir uns in jedem Jahr, wenn der Frühling die Natur nach dem Winter neu erwachen lässt, die Schneeglöckchen blühen, die Blätter sprießen, das Gras grün zu wachsen beginnt.

Die gleiche Hoffnung drückt Emanuel Geibel 1841 im Frühlingsgedicht "Der Mai ist gekommen" aus, das von Justus Wilhelm Lyra 1842 nach einer alten Volksweise vertont wurde; wir kennen es alle: Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Was hindert uns eigentlich, endlich aufzubrechen in die weite, weite Welt, zu einer friedlichen Welt ohne Krieg und Hass??

Lasst uns als Gottes Kinder allen Mut zusammennehmen und Frieden stiften, damit nicht weiter das Schwert ohne Ende fressen, damit nicht daraus am Ende nur Jammer kommen wird.

Dann ist endlich alles neu geworden!

2. Mai, Pastor Rainer Hoffmann, Jacobi- und Mariendrebber

Coronazeit – Aufräumzeit. Auf meinen Spaziergängen in den letzten Wochen habe ich es immer wieder gesehen. Menschen räumen auf. Ich höre es von vielen aus meinen Gemeinden und bei uns zu Hause wurde auch aufgeräumt. Ich habe dabei einen Spruch auf meinen Schreibtisch gefunden, den mir ein Gemeindeglied einst geschenkt hat: „Das Glück ist ein Mosaikbild, das aus lauter unscheinbaren kleinen Freuden zusammengesetzt ist.“ (Daniel Spitzer 1835 – 1893, österreichischer Feuilletonist).

Glücklich sein, ein Mosaik?

Leben als Mosaik zu betrachten, das gibt mir einen neuen Blick. Ich verstehe: Das Leben besteht aus vielen kleinen, oft unscheinbaren und unverwechselbaren Details. Manche haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, denn Leben ist kein Puzzle aus vorgegebenen Teilen, die sich in einer bestimmten Form zusammensetzen lassen. Nein, es findet sich zusammen, mosaikartig aus vielen Steinchen, die nun einmal nebeneinandergesetzt werden. Manche fügen sich gut aneinander, andere nicht. Manche sind sehr wichtig und andere weniger. Einige beachten wir mehr, andere geraten aus unserem Blickwinkel. Sie alle ergeben ein individuelles Bild, einzigartig, persönlich und wahrhaftig. Das Bild meines Lebens, das ein Glücksbild sein kann, wenn es mir gelingt, die vielen unscheinbaren Freudensteine darin zu finden.

Um Glück, genauer gesagt um Freude geht es am Sonntag „Jubilate“. Für mich ist es eines der schönsten Themen, die wir im Kirchenjahr haben. Doch oft spüre ich sie nicht mehr die Freude, die unserem Leben den gewissen Glanz verleiht. In Kinderaugen sehe ich sie noch, wenn ihnen etwas geschenkt wird, auf dass sie lange warteten. Freude, vielleicht auch im Sport über eigene Erfolge oder die der Mannschaft. Freude beim Wiedersehen erlebe ich auf Flughäfen oder an Bahnhöfen, aber Freude im Alltag, Freude im Leben über das Alltägliche?

Da spüre ich eher Selbstverständlichkeit, zumindest in Vor-Corona-Zeiten. Deshalb bin ich dankbar, für all die vielen kleinen Freudensteinchen, die mir gerade in den letzten Wochen geschenkt wurden, die ich aufmerksamer wahrnehmen konnte als in den Zeiten, wo das Alltägliche mir oft den Blick für das Kleine nimmt. Ich durfte mich darüber freuen, dass Konfirmandeneltern nicht nur verständnisvoll auf die Verlegung der Konfirmation reagierten, sondern sich zudem noch persönlich bedankten, dass wir uns engagiert und mit Herzblut für das Wohl ihrer Kinder in diesen schweren Zeiten einsetzen. Freuen darüber, dass Familien, die einen Trauerfall hatten, verständnisvoll reagierten und dankbar annahmen, was nicht zu ändern war. Freuen darüber, dass ein Brief zu Ostern, bei vielen Menschen in unseren Orten Freude in ihren Herzen brachte. Einen kleinen Freudenstein des Glückes. Und ich habe mich darüber gefreut, dass viele sich über dieses Steinchen gefreut und ihren Dank auf verschiedene Weise ausgedrückt haben. Freude an kleinen Dingen, Freude an dem Nichtalltäglichen.

Vielleicht retten wir davon etwas hinüber, denn die Freude ist etwas, was unser Leben schön macht. Wie habe ich es noch von meiner Großmutter gelernt. „Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.“ In diesem Sinne wünsche ich ihnen, suchen sie weiterhin Freudensteine in ihrem Leben. Nehmen sie sich die Zeit, die ihnen in der Coronazeit im Grunde geschenkt wird, als Anlass sich auf die Suche nach solchen Steinen zu machen. Ein Mosaikbild des Glückes kann so für sie entstehen, denn nur aus vielen kleinen Einzelteilen wird sich in ihrem Leben erst das Glücksgefühl ergeben, aus dem Freude erwachsen kann.

Jubilate, nicht nur an diesem Sonntag, sondern lebenslang, ein wahres Geschenk Gottes, das sie selbst auspacken und aus vielen Lebensfreuden zu einem zufriedenen Leben zusammensetzen können.

Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

1. Mai, Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Tanz in den Mai!

„Und – wo tanzt du in den Mai?“ So lautet die übliche Frage vor dem beliebten Maifeiertag. Egal ob „Tanz in den Mai“, Bollerwagentour mit Freundinnen und Freunden, Grillfest oder doch Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen – in diesem Jahr ist alles abgesagt. Und so manch einer mag sich diesmal am „Tag der Arbeit“ gar nicht so entspannt zurücklehnen und die freie Zeit genießen, weil sein Arbeitsplatz bedroht ist.

„Ohne Arbeit fühle ich mich irgendwie wertlos“, so sagte es mir neulich ein junger Mann, der sich derzeit in Kurzarbeit befindet. Und ich kann das durchaus nachvollziehen: Die vielen wertvollen Kontakte unter Kolleginnen und Kollegen und auch die Anerkennung für das Geleistete, sie fehlen einem in diesen Tagen.

In den Herrnhuter Losungen lese ich an diesem Maifeiertag ein Bibelwort von Jesus, das meine Stimmung aufhellt: „Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht... Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? … Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.“ (Matthäus 6, 28ff).

Diese Worte erinnern uns daran, dass nicht alles, was wir zum Leben brauchen, hart erarbeitet werden muss. Die wichtigsten Dinge können wir uns immer wieder nur schenken lassen und dann weiter verschenken: Liebe, Anerkennung und Geborgenheit zum Beispiel. Darum lass dir sagen: Bei Gott bist du mehr als eine Nummer im System! Du hast einen unendlich großen Wert für ihn, auch ohne etwas zu leisten! Weil Gott uns liebt, ohne seine Zuneigung an eine Bedingung zu knüpfen. „Du bist sehr gut, weil ich dich sehr gut geschaffen habe!“, das ist Gottes Zeugnis für unser Leben. Dieses Bewusstsein wischt ganz sicher nicht alle Existenzängste vom Tisch. Aber es spricht uns eine Würde zu, die kein Mensch und auch keine Arbeit uns geben oder nehmen kann.

Tanzen ist ein starker Ausdruck der inneren Gefühle. Vielleicht haben Sie Lust, mit mir in den Mai zu tanzen – in diesem Jahr von zuhause aus. Legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf und dann kann es losgehen. Finden Sie in der Bewegung einen Ausdruck für Ihre ganz eigenen Gefühle. Und vielleicht kommt Ihnen dabei ja der Gedanke: Wie gut, dass ich mich damit von niemandem bewerten lassen muss. Mein Tanzen hat keinen Nutzen für andere. Aber einen großen Wert für mich selbst. Solche Dinge sollten wir häufiger tun!

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

30. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. (Psalm 73,1)

Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.

(1.Johannes 3,21-22)

Kaum jemand spricht heute noch davon: „reinen Herzens sein“. Dieser Ausdruck geht zurück auf Luthers Übersetzung von Matthäus 5, 8: Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Gemeint ist etwas Zentrales:

Viele Sprichwörter und Redewendungen weisen uns darauf hin, dass das Herz wichtig ist:

Etwas von Herzen lieben, herzensgut sein, etwas auf Herz und Nieren prüfen, sein Herz am rechten Fleck haben.

Natürlich wissen wir alle, dass unser Herz das Organ ist, das uns am Leben erhält; schlägt es nicht mehr, dann leben wir nicht mehr, dann sind wir tot. In der Bibel, wie im alten Orient überhaupt, steht das Herz für die Mitte des Menschen. Nicht das Gehirn, sondern das Herz ist zuständig für Gefühle, Gedanken, Absichten und das Gewissen.

Das Herz steht für die Fähigkeit des Menschen, zu lieben, gut zu handeln und Gott zu erfahren. Ein reines Herz ist ein Herz, das frei ist von Schadstoffen: Vom Haben-Wollen und vom Nicht-Gönnen-Können, vom Ängstlich-Sein und vom Misstrauisch-Werden.

Deshalb wohl betont der Prophet Jeremia: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein (Jeremia 31, 3).

Neugierig machen mich das Wort „dennoch“ im Losungsvers und die Formulierung „denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist“ im Lehrtext.

Beides deutet darauf hin, dass es nicht so einfach ist, ein reines Herz zu haben! Wir wissen alle, wie viele Situationen es gibt in unserem Leben, die es uns schwer machen, ein reines Herz zu haben. Da werde ich enttäuscht von jemanden, da hintergeht mich jemand. da zerbricht eine Beziehung. In solchen Zusammenhängen sprechen wir dann oft davon „Das hat mir das Herz gebrochen!“ Dann schlägt unser Herz zwar noch, wir sind noch am Leben – aber die Lebensfreude ist verlorengegangen, alles ist mühsam und schwer geworden.

Genau solche Momente unseres Lebens meint der Beter von Psalm 71, wenn er spricht:

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

Er erinnert uns daran, dass wir Menschen als Krone der Schöpfung von unsrem Herrn so gemacht sind, dass wir uns an etwas freuen können, dass wir zuversichtlich sein können, dass wir lieben und geliebt werden, dass wir Hoffnung haben dürfen auch in unsicheren Zeiten!

Daher darf ich jeden Tag neu um ein reines Herz bitten, das mich öffnet, zuversichtlich auf morgen schauen und mich auf andere Menschen zugehen lässt.

Pastor Michael Steinmeyer; Foto: Jantje Ehlers

29. April, Pastor Michael Steinmeyer, Wagenfeld

„Auch im Grundgesetz steht nicht die Gesundheit des Menschen an erster Stelle, sondern die Würde des Menschen.“ Das habe ich vor ein paar Wochen in einer Video-Andacht gesagt. Natürlich hat Wolfgang Schäuble die nicht gesehen. Und doch fühle ich mich bestätigt, seit ich Sonntag gehört und gelesen habe: Der Bundestagspräsident hat in einem Interview fast wörtlich das Gleiche gesagt. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt sinngemäß: Nicht nur die Gesundheit kommt erst nach der Würde des Menschen, sondern sogar das Leben. Und fügt dann hinzu: Die Würde, die uns das Grundgesetz zuspricht, ändert nichts daran, dass wir sterben müssen. Oder, um es mit Erich Kästner zu sagen:

„Leben ist immer lebensgefährlich.“

Das ist jetzt keine Aufforderung zum Leichtsinn. Schon im 90. Psalm, einem Gebet aus dem alten Israel, wird Gott gebeten: „Lass uns begreifen, welche Zeit wir zum Leben haben – damit wir klug werden und es vernünftig gestalten.“ Natürlich schnalle ich mich beim Autofahren an. Natürlich setze ich beim Fahrradfahren einen Helm auf. Natürlich halte ich im Moment mehr Abstand zu anderen Menschen als in „normalen“ Zeiten. Natürlich wasche ich mir öfter die Hände als noch vor zwei Monaten – und mindestens das werde ich beibehalten, wenn die Zeiten wieder „normal“ sind. Aber alle Vorsicht und Rücksichtnahme auf andere kann nichts daran ändern: Irgendwann muss ich sterben. Und dass mein Leben bis dahin frei von Krankheit, fei von Leiden, frei von Unglück verläuft – selbst dafür gibt es keine Garantie.

Umso dankbarer bin ich für das Gute, das ich auch jetzt erlebe: Für den Sonnenaufgang vor meinem Fenster. Für den Regen, den es hoffentlich im Laufe dieser Woche endlich geben wird. Für den Garten hinter dem Haus. Dafür, dass ich nicht allein leben muss. Ich spüre womöglich deutlicher als sonst, wie kostbar das alles ist – und wie wenig selbstverständlich.

Und da ich Christ bin, vertraue ich darauf: Auch wenn mein Leben zu Ende geht und ich sterben muss, falle ich nicht tiefer als in Gottes Hand. Es war ein merkwürdiges Osterfest in diesem Jahr. Und doch haben wir es auch 2020 gefeiert: Der Tod hat nicht das letzte Wort! Jesus geht uns voraus durch den Tod in das neue Leben, das keine Krankheit, kein Leiden und keinen Tod mehr kennt!

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Ist es eigentlich ein Zufall, dass unter den Müttern und Vätern des Grundgesetzes so viele Christenmenschen waren?

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

28. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen. (1.Chronik 22,19)

Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt. (1.Korinther 9,24)

In wenigen Wochen hätte die Fußball-Europameisterschaft stattfinden sollen. Ein Spektakel, dem viele entgegengefiebert haben. Dieses Großereignis wird nun nicht stattfinden können.

Gern hätten wir unserer Nationalmannschaft den Vers des Lehrtextes mit auf den Weg gegeben: Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt.

Natürlich ist uns – genau wie Paulus, als er diesen Satz an die Gemeinde der Christen in Korinth schreibt – bewusst, dass in einem Wettkampf immer nur einer gewinnen kann, nur einer der große Sieger sein kann.

Aber ist unser Leben denn ein Wettkampf? Müssen wir dauernd unsere Kräfte mit anderen messen, uns mit anderen vergleichen? Wie uns das die Anhänger einer gewinnorientierten Wirtschaftspolitik gern weißmachen wollen und wie uns das auch manche Schulpolitiker oder Pädagogen einreden wollen, wenn sie in Schulen häufige Tests und Vergleichsarbeiten einfordern? Laufen wir damit nicht geradewegs in die Falle, die der Philosoph Sören Kierkegaard einmal so benannt hat:

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

In meinem Berufsleben als Förderschullehrer hatte ich es meist mit Schülerinnen und Schülern zu tun, die in der Schule gerade nicht zu den Siegern gehörten. Ihre vielen Erfahrungen, nicht der oder die Beste zu sein, hatten sie mutlos gemacht, sie hatten das Zutrauen zu ihren Kräften verloren. Denen habe ich oft gesagt: „Es ist nicht schlimm, wenn du Manches nicht so gut kannst wie andere, das werde ich dir auch nicht vorwerfen! Aber böse werde ich, wenn ich bemerke, dass du dich nicht anstrengst!“

Es war nicht einfach, diese Zusage angesichts der geltenden Benotungs- und Versetzungsvorschriften auch durchzuhalten, aber es hat Schülerinnen und Schülern, die sich an Misserfolge gewöhnt hatten, aufgerichtet, ihnen neuen Mut gegeben.

Ich glaube nicht, dass der Lehrtext, dass Paulus uns in die von Kierkegaard benannte Falle locken wollen;

in die gemeinte Richtung weist uns der Losungsvers aus dem Buch der Chronik:

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.

Es geht in einem Christenleben darum, sich darüber klar zu werden, dass ich als Person Gottes geliebtes Kind bin, und zwar so, wie der Herr uns nun einmal unterschiedlich gemacht hat.

Und wir sind aufgerufen – das ist gemeint mit einem Leben nach Gottes Gebot – unsere Kräfte einzusetzen, mitzubauen an Gottes Reich!

Das wird im 1. Petrusbrief sehr klar formuliert; es heiß dort: Und dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. (1. Petrus 4, 10)

Meine Frau und ich haben diesen Vers als Leitvers für unsere Ehe ausgesucht; nach vielen gemeinsamen Jahren können wir guten Gewissens sagen, dass danach gut zu leben ist!

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

27. April, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören, er gab uns Worte, dass wir verstehn.

Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln, er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.          (Evangelisches Gesangbuch Nr. 432)

Gott gab uns Atem, damit wir leben…

Mit Schutzmaske im Gesicht ist das Atmen aber gar nicht so einfach. Und leider beschlägt auch die Brille sehr schnell: … er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Schwierig in Corona-Zeiten.

Ich habe in der letzten Woche – noch vor der Schutzmaskenverpflichtung – schon mal geprobt, wie sich das Einkaufen in den Geschäften so anfühlt, wenn Nase und Mund bedeckt sind. Ich muss sagen: ziemlich schwül. Die Verordnung wird mich dazu bringen, so wenig wie möglich einzukaufen. So erfüllt die Maske auch ihren Zweck: ich bleibe möglichst fern von anderen Menschen in geschlossenen Räumen.

Gott gab uns Atem, damit wir leben, Augen, dass wir uns ansehen, Ohren, Worte, damit wir reden, Hände, um zu handeln. Und auch mit unseren Füßen haben wir uns sonst aufeinander zubewegt. Der Liedtext beschreibt Gemeinschaft und Miteinander. Wir üben uns gerade im Gegenteil. Sicher können wir per Telefon oder digital miteinander kommunizieren, aber das ist nicht das gleiche Gefühl, als wenn man sich gegenübersteht und in die Augen des anderen schaut. Und was ist mit dem Händedruck oder einer herzlichen Umarmung?

Wir sind verletzlich geworden: ein Virus zeigt uns unsere Grenzen auf. Mehr Fragen als Antworten in den Medien, die vielbeschworene Wissenschaft scheint sich oft zu widersprechen. Und daneben -unermüdlich im Einsatz - die Pflegekräfte, die Ärzte, die Forscher: keiner weiß, wie lange der Ausnahmezustand normal bleiben wird; wie lange die Kräfte reichen müssen.

Auf Distanz gehen wird zur Gewohnheit. Sie darf aber nur zur Gewohnheit auf Zeit werden.

Zwei Blinde saßen am Wegesrand nach Jericho. Jesus näherte sich, und sie riefen: „Herr, erbarme dich unser!“ Und es jammerte Jesus. Sie taten ihm so leid. Und er berührte ihre Augen; und sogleich wurden sie sehend. (Matthäus 20,29-34)

Eine Geschichte großer Nähe. Jesus lässt sich berühren vom Leid der Blinden. Er berührt sie mit seiner Liebe. Heilungsgeschichten erzählen von Hoffnung und geschenktem neuen Leben.

Wir werden mit der Zeit wieder in die alte Normalität zurückkehren dürfen. Dann müssen wir vielleicht neu lernen, Nähe zuzulassen und Nähe zu suchen. Ein Lernweg, der bestimmt genauso lebenswichtig ist, wie der, in der jetzigen Zeit auf Distanz zu gehen. Denn in der Nähe und Zuwendung von Menschen liegt Heil. In ihnen spüren wir Gottes Lebensatem, der uns lebendig macht, die Seele stärkt und ihr Widerstandskraft gibt.

Gott gab uns Atem, damit wir leben… Ich freue mich sehr auf die Zeit, in der wir wieder frei und befreit durchatmen können.

Kirche Sulingen; Foto: Kirchengemeinde Sulingen

26. April, Lektorin Marion Müller, Sulingen

Liebe Freundinnen und Freunde in nah und fern.

Heute ist Sonntag, es ist der zweite Sonntag nach Ostern. Erst vor zwei Wochen haben die Christinnen und Christen weltweit Teil gehabt an der Auferstehung Jesu Christ von den Toten. Man hat das Gefühl, als sei das schon so lange her und ist doch noch so nah. Denn so wie an Ostern können wir auch den heutigen Gottesdienst nicht in unseren Kirchen feiern.

Aber es ist   ein Gottesdienst von dem wir wissen, auch wenn wir räumlich getrennt sind, sind wir doch durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus miteinander verbunden

Übrigens, alle Gottesdienste, die sonntags gefeiert werden, werden mit Namen benannt.

Der heutige Sonntag trägt den lateinischen Namen: Miserikordias Domini.

Übersetzt heißt das so viel wie: Die Erde ist voll der Güte des Herrn.

Ich finde, das ist ein wunderbares Wort aus Psalm 33, Vers 5.

Ja, liebe Geschwister, ist es nicht so, bei all den täglichen Herausforderungen denen wir ausgesetzt sind und die uns so manche Zweifel und Unruhe ins Herz legen wollen, Gottes Güte ist größer. Gottes Liebe reicht weiter, Gottes Barmherzigkeit trägt uns durch.

Hat Gott nicht zu uns gesagt: Ich habe euch je und je geliebt, ich habe euch bei euren Namen gerufen, ihr seid mein? Ist das nicht wunderbare Güte Gottes, die die ganze Welt umspannt?

Denn eigentlich müsste Gott sich von uns abwenden, weil wir Menschen immer nur an uns selbst denken, immer wieder: ich, ich und noch mal ich.

Doch weil wir dem Allmächtigen Gott so wichtig sind, schenkt er uns immer wieder neu seine Zuwendung, seine Nähe und seine Güte. Ist das nicht wunderbar?

Ja, heute ist Sonntag. Ein Tag, um sich wieder neu der Gegenwart Gottes zu erinnern. Sonntags gehen Christinnen und Christen in die Kirche zum Singen, beten und hören auf Gottes Wort.

Aber: die Kirchen sind zu.

Aber Singen, beten und Gott loben kann man überall, ob in freier Natur, oder auf dem Balkon oder an offenen Fenstern.  Überall ist das in diesen Zeiten möglich und überall können wir die Güte und die Liebe Gottes erfahren und auch spüren.

Und immer dürfen wir gewiss sein, Gott ist uns in Jesus Christus ganz nah. Jesus breitet seine durchbohrten Hände aus und sagt zu uns: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Ich habe für euch gelitten, hab all eure Schuld mit ans Kreuz genommen aus lauter Liebe und ich bin bei euch bis ans Ende aller Tage, ich stehe zu euch, immer und überall.

Und so will uns auch dieser Sonntag neue Kraft geben für den Alltag, der von morgen an wieder kommt mit all den Herausforderungen in diesen Krisenzeiten. Denn wir alle wissen nicht, wie lange uns Menschen weltweit Covid 19 noch zu schaffen macht, aber wir Christinnen und Christen wissen und glauben, wir können niemals tiefer fallen als in Gottes liebende Hände. Das trägt durch.

Gott segne euch und gebe euch Kraft und Stärke für die neue Woche.

Bleiben Sie weiterhin behütet. Amen.

Pastor Stephan Winter; Foto: privat

25. April, Pastor Stephan Winter, St. Hülfe-Heede, Diepholz

Es gibt einen Impfstoff!

Was für eine tolle Nachricht wäre das! Unendlich viele Menschen würden jubeln, tief erleichtert aufatmen und mit neuem Mut in die Zukunft blicken. Wir würden wieder durchstarten können. Noch aber gibt es diesen Impfstoff gegen das Coronavirus leider nicht. Und wenn er irgendwann endlich da sein wird, dann wird es, bevor Menschen damit geimpft werden können, notwendig sein, dass dieser Impfstoff getestet und erprobt wird. Das findet unter aufwendigen und streng festgelegten Vorgaben statt, so dass es ein langer Weg ist, bis der Impfstoff für alle schließlich zugelassen wird. Aber es ist eine hoffnungsvolle Perspektive.

Das Osterfest, das wir vor 2 Wochen gefeiert haben, ist wie eine solche hoffnungsvolle Perspektive für unser gesamtes Leben. Denn wir feiern an Ostern, dass es gegen alle Hoffnungslosig- und Perspektivlosigkeit unseres Lebens einen Impfstoff gibt. Dieser Impfstoff ist Gottes Liebe, seine schöpferische Kraft, die stärker ist als der Tod und als alles, was uns im Leben niederdrückt. Wir feiern an Ostern: Der erste ist hindurch. Gott hat in Jesus seinen Impfstoff für uns sichtbar erfolgreich getestet und uns gezeigt: Seine Liebe und Kraft sind stärker als alles Lebenszermürbende und -zerstörende, auch stärker als der Tod. Jesus hat für uns den Impfstoff Gottes getestet, ist für uns durch den Tod gegangen, um von Gott wieder auferweckt zu werden und uns die Gewissheit zu geben: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Er selbst ist in seiner Liebe das Heilmittel, der Impfstoff. Und der Glaube daran gibt uns den Mut, uns ganz zuversichtlich auch den schwierigen Dingen des Lebens zu stellen, wenn es nicht weiter geht, wir Angst haben und uns große Sorgen machen. Wie jetzt in der Coronakrise.

Wir feiern an Ostern, dass es einen Impfstoff für die Perspektive unseres Lebens gibt. Es gibt seit Ostern keine hoffnungslosen Situationen und keine hoffnungslosen Menschen mehr, keine unheilbaren inneren Verletzungen und keine hoffnungslosen bitteren Erfahrungen. Auch dort, wo wir von lieben Menschen vielleicht Abschied nehmen müssen. Deshalb lasst uns tief erleichtert aufatmen und einstimmen in den Jubel von Ostern. Lasst uns mit neuem Mut in die Zukunft blicken und leben in der Gewissheit von der Paulus in Römer 8, 38 sagen kann: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

Kirche Sulingen; Foto: Kirchengemeinde Sulingen

24. April, Prädikant Dr. Ernst Funck, Sulingen

Der kommende Sonntag steht unter dem Wort Jesu: ICH BIN DER GUTE HIRTE. Uns alle bewegt die Sehnsucht nach Geborgenheit und guter Fürsorge.  Wie Jesus sein Wort umgesetzt hat, können wir aus folgendem erdachten Brief erahnen.  Andreas, der Bruder des Petrus, schreibt Wochen nach der Auferstehung Jesu an seine Frau Nana und die zwei Kinder in Tiberias am See Genezareth:

Meine liebe Nana, liebe Betti, lieber Jona. Seid herzlich gegrüßt,

Es ist so viel, was ich Euch mitteilen möchte. Ich will mich aber beschränken. Jesus hat mal gesagt: ICH bin der Gute Hirte.  Das kann ich voll bestätigen und will es Euch berichten. -  Als er mit uns durch die Lande gezogen ist, hat er sich besonders um die Kranken, sogar die Aussätzigen gekümmert.  Er hat nicht, wie es vorgeschrieben war, einen großen Bogen um sie gemacht.  Einige hat er sogar geheilt. – Ich hörte mal, was ein Schafhirt erzählt hatte: „Jeden Morgen, wenn die Schafe aus dem Gatter drängen, prüfe ich jedes einzelne, ob es ihm gut geht!“  Ich kann nur bezeugen: Genauso hat Jesus sich verhalten. – Große Aufregung gab es, als er einen verachteten Grenzbeamten aufforderte, sich ihm anzuschließen.  Einen Oberen dieser Geldeintreiber hat er sogar einmal zu Hause aufgesucht und ein Festmahl mitgemacht. Wir natürlich auch! – Nicht selten hat er uns in einsame Gegenden geführt. Dort hat er uns gezeigt, wie wir mit Gott reden, beten können.   Aufregend waren die Hinweise, wie Gott über uns Menschen denkt: Gott denke und fühle wie ein guter Hirte, der in seine Schafe - auch wenn sie hin und wieder eigensinnig sind - verliebt ist.

Jesus hatte uns liebevoll dreimal darauf hingewiesen, dass er schrecklich hingerichtet werde, danach aber in völlig anderer Art auferstehen werde. Wir haben das damals nicht glauben können und auch nicht wollen. ER hat einige Mal deshalb mit uns geschimpft!

Ihr wisst doch, dass ein Hirte bei seinen Schafen immer wieder die Klauen inspiziert und sorgsam reinigt. – Es war eine sehr berührende, beschämende Situation, als Jesus vor einem Abendessen vor uns kniete und uns die Füße gewaschen hat. Das werdet ihr kaum glauben, aber es war so. Wir in der Familie und unter den Jüngern waschen uns ja gerne mal gegenseitig die Köpfe – aber die Füße?!!

Ich werde das nie vergessen. Wahrhaftig, ein sehr fürsorglicher HIRTE war unser Herr und Meister. Er hat uns damit ins Stammbuch geschrieben, dass wir liebend für einander sorgen und nicht einer über den anderen bestimmen soll. 

Einmal sind wir durch eine weitläufige Steinwüste marschiert. Da hat er gesagt, dass der ein guter Hirte sei, der auch bereit sei, bei großer Gefahr für seine Schafe oder Ziegen sein Leben zu opfern.  Durch die plötzliche Verhaftung Jesu wurden wir schrecklich verwirrt. Wir waren am Ende. Messias sein und sich verhaften, ja ermorden lassen, das hatte gar nicht in unsere hoffnungsvolle Erwartung von ihm gepasst.

Aber so langsam lernen wir jetzt nach der Auferstehung verstehen, dass Jesus, unser Meister, Gott gegenüber die unverbrüchliche Treue geleistet hat, die kein Mensch aufbringen kann. ER sagte mir: „ Das musste so sein, damit meine Treue zum Willen Gottes auch Dir zu Gute gehalten werden kann. Ich habe deine Untreue und deine Aufsässigkeit gegen Gott mit meiner Treue ersetzt. So bist du voll und ganz richtig vor dem heiligen Gott, meinem VATER, der nun auch Dein VATER ist!“

Ist das nicht toll?  Es ist alles umgedreht. Ich bin schon Gottes Kind.  Ich muss es nicht erst mühsam erarbeiten. Jesus Christus hat in seinem Kreuzestod sein Leben für uns gegeben und hat sich damit als der wirklich GUTE HIRTE erwiesen. Ich kann einfach nicht mehr ohne diesen guten Hirten: keinen Tag und keine Nacht.

Reinhard Thies; Foto: privat

23. April, Pastor Reinhard Thies, Barenburg und Varrel

Gestern fand in Barenburg eine Beisetzung besonderer Art statt. Nur ein paar Zeugen waren dabei, als bei einem Psalmwort und dem Vaterunser die sterblichen Überreste längst Verstorbener erneut begraben wurden.

Bis vor ungefähr 150 Jahren befand sich – wie in vielen anderen Orten auch – der Friedhof neben der Kirche. Weil die Ortsdurchfahrt, die direkt an der Kirche entlangführt, zurzeit erneuert wird, wurden bei den Bauarbeiten viele Gebeine gefunden. Nun haben die Verstorbenen von damals einige Meter weiter unterm Rasen, aber wieder dicht bei der Kirche, erneut ihre Ruhe gefunden.

Wer waren diese Menschen? Außer dass sie wahrscheinlich in Barenburg gelebt haben, weiß ich nichts über sie. Was haben sie gedacht? Wie haben sie gelebt? Was war ihnen wichtig? Und was hätten sie wohl dazu gesagt, dass ihre letzte Ruhe gestört wird? Wäre ihnen das egal oder hätten sie gehofft, so berühmt zu werden wie der Ötzi?

Mir kam bei dieser Beisetzung die Frage in den Sinn, wo ich einmal meine letzte Ruhestätte finden werde. Wird es wirklich die letzte sein, oder muss vielleicht auch irgendwann nach langer Zeit wegen einer neuen Straße eine Umbettung erfolgen? Zumindest im Moment ist mir das noch ziemlich egal. Viel wichtiger ist mir, dass ich bei Gott geborgen bin. Heute, morgen und für alle Zeit. In Psalm 139 wird diese Hoffnung so ausgedrückt:

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“

Gott lässt mich nicht allein. Er ist jetzt bei mir, egal ob ich himmelhoch jauchze oder mich tiefe Dunkelheit umfängt. Und er bleibt bei mir, wenn ich meinen letzten Atemzug getan habe und andere mich zu meiner letzten Ruhestätte geleiten. Wie ich gelebt habe, wird irgendwann vergessen sein, ebenso was ich gedacht habe oder was mir wichtig war. Doch bei Gott bin ich nicht vergessen, auch nicht die Menschen, von denen wir in einer kleinen Zeremonie Abschied genommen haben.

Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

22. April, Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Was wir von einem Virus lernen können

Die Corona-Krise beschert uns ganz nebenbei einen Grundkurs in Statistik: Aktuell dreht sich alles um das Thema Reproduktionszahl: Diese sagt aus, wie viele Menschen ein mit dem Coronavirus Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Dabei gilt: Je niedriger der Wert ist, desto besser. Sinkt die Reproduktionszahl unter 1, geht mit der Zeit auch die Zahl der Erkrankten zurück und die Epidemie verliert ihre Wucht. Wie sehr wünschen wir alle uns das!

Doch vielleicht lässt sich unser neu gewonnenes Wissen über Reproduktionszahlen und exponentielles Wachstum ja auch für etwas Positives nutzen: Zum Beispiel für unsere Motivation, Gutes weiterzugeben!

Wie oft denke ich, wenn Menschen sich um mich herum schlecht behandeln oder streiten: Was hast du jetzt schon Gutes zu sagen, das die Situation entspannen würde? Oder ich höre von den vielen älteren Menschen, denen es in diesen Tagen an einer wertschätzenden Ansprache fehlt. Und wieder denke ich mir: Das sind zu viele, als dass ich sie alle erreichen könnte.

Doch das muss ich ja auch gar nicht: Denn auch bei der Weitergabe von positiven Worten oder Aufmerksamkeiten gibt es so etwas wie eine Reproduktionsrate: Wenn ich nur zwei Menschen etwas Gutes weitergebe durch ein Telefonat, eine „Ich-denk-an-dich-Karte“ oder durch ein aufmunterndes Lächeln, dann tragen diese beiden das Empfangene weiter und die Wirkung wird um ein Vielfaches potenziert: Die Altenpflegerin, die von einem Angehörigen hört, wie wichtig ihre Arbeit in diesen Wochen ist, gibt ihre Freude darüber an die Kollegen weiter. Und auch diese haben anschließend neue Motivation, Kraft und Geduld für die Menschen da zu sein, die in ihrem Fürsorgebereich sind.

Auch die Verbreitung von Gutem funktioniert auf diese Weise exponentiell. Und das sollten gerade wir Christen uns zu eigen machen – auch, aber nicht nur in Tagen einer Epidemie!

Gutes zu tun und mit anderen zu teilen vergesst nicht. (Hebräer 13,6)

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

21. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. (Daniel 6,24)

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! (1. Korinther 16,13)

Welch glaubensstarken Verse!

Dabei zeigt sich Glaubensstärke von zwei Seiten:

Ein Bild in einer Kinderbibel: Daniel wird aus der Löwengrube gezogen und steht da, lächelnd und unverletzt. Kein Löwe hat ihm etwas angetan. Keine Angst hat seine Seele zerfressen. Ein beeindruckendes Bild.

Dieses Frei-Sein von Angst und Voll-Sein mit Vertrauen erinnert mich an meinen Freund Eberhard; er war durch ein nervenzerstörendes Virus, das in der Gefangenschaft nach dem Krieg in seinen Körper eingedrungen war, taubblind geworden. Nie habe ich ihn mutlos erlebt. Er trug keine Blindenbinde, bewegte sich in seiner nahen Wohnumgebung ohne Blindenstock allein durch die Straßen. Machte sich allein auf weite Reisen! „Ich kann doch sprechen und andere Menschen um Hilfe bitten, mehr brauche ich nicht!“

Er hat viele Menschen um Hilfe gebeten, die ihm dann auch gewährt wurde. Natürlich lief er auch manchmal gegen Hindernisse, stieß sich den Kopf – aber das entmutigte ihn nicht!

Von ihm habe ich Glauben gelernt, habe gelernt, Vertrauen zu Gott, zu anderen Menschen zu haben. Keine Angst zu haben, anderen Menschen, meinen eigenen Kräften zu vertrauen.

Das macht stark, das macht widerständig, heute würde das wohl mit einem neuen pädagogischen Begriff Resilienz benannt.

Das ist die eine – nach innen wirkende - Seite von Glaubensstärke! 

Aber es gibt noch eine andere – nach außen wirkende – Seite von Glaubensstärke:

Solche Glaubensstärke wirkt ansteckend, fasziniert andere Menschen, die sie wahrnehmen.

Das hat Paulus wohl im Blick, wenn er den Christen in der Gemeinde in Korinth rät:

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

Paulus fordert die Christen in Korinth zum Glauben auf, damit sie andere anstecken mit solchem Glauben! Bei genauem Hinschauen entpuppt sich das als Missionsbefehl!

Glaube – solcher Glaube, wie er aus Daniel spricht, wird uns von unserem Gott anvertraut und zugetraut.

Solcher Glaube kann nicht dauerhaft erworben, aber immer wieder neu angeeignet, erfahren werden.

In solchem Glauben wird aus dem Teufelskreis von Angst und Misstrauen ein Segenskreis von Kraft und Vertrauen. Eins darf allerdings nicht verschwiegen werden: Bequem sind sie nicht, Menschen, die solchen Glauben haben und leben!

Ich wünsche Ihnen und mir, dass Gott uns immer neu solchen Glauben schenkt!

Diakon Manuel Ansperger; Foto: Jantje Ehlers

20. April, Diakon Manuel Ansperger, Projekt #startup

Der Herr segne dich!

Segen – etwas, das wir doch zu jeder Zeit brauchen, oder? Jeder und jede von uns möchte doch Glück und Schutz empfangen. Doch Segen ist nicht nur ein Wunsch für jemanden. Nein, sondern das tiefe Vertrauen darauf, dass Gott es mit uns gut meint.

Segen wird in jedem Gottesdienst verteilt – ganz am Schluss, als Zuspruch für die Wegbegleitung Gottes in unserem Alltag. Der Segen ist etwas von Gott Gegebenes und wird durch einen Menschen zugesprochen. Segen ist etwas, was wir Menschen nicht in der Hand haben, sondern Gott allein weiß, was segensreich ist.

Segen kann man spüren. Am Mittwoch, den Tag vor Gründonnerstag, erlebte ich Segen. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses in Augsburg – seine Vision ist es, dass es in Deutschland einen Ort gibt, an dem 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr gebetet wird – hat eine Gebetszeit ausgerufen und über die Videoplattform youtube live gestreamt. Über eine Millionen Menschen in Deutschland beteten gleichzeitig in verschiedensten Formen zu Gott. Auch ich war dabei – auf dem Sofa. Mich bewegte es sehr, dass da nun eine Millionen Menschen vor dem Handy/Fernseher saßen und gemeinsam beteten. Ich spürte, dass Gott uns Menschen nicht verlässt und sein Segen über die Welt ausgießt. Während des Livestreams wurde ein Song eingespielt, der den Segen vertont. Vielleicht berührt er dich auch. Höre einfach rein:

https://open.spotify.com/album/4AOsGR3ag7xeOnBmuX1ZC0?highlight=spotify:track:5n3QRrkW0YsqGlMxP0tUO1

Segen ist etwas, das jede und jeder empfangen kann und spüren kann. Es kribbelt dann am Körper. Vertraue darauf, dass Gott es mit dir gut meint und du für ihn ein unfassbar großes Geschenk bist. Vertraue darauf, dass Gott dich unendlich liebt und für dich da ist.

„Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden!“ (4. Mose 6, 24-26)

„Seine Gunst sei immer auf dir und auf tausend derer nach dir.
Auf den Kindern deiner Kinder und den Kindern ihrer Kinder!“
(aus „Der Herr segne dich“ von Markus Fackler und Veronika Lohmer)

Amen!

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

19. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel. (5.Mose 32,10)

Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.

(Lukas 12,32)

In unserem Leben gibt es immer wieder Übergange und Neuanfänge.

Übergänge in neue Lebensabschnitte; oft lässt sich oft gar nicht eindeutig sagen, ob das vorher schlechter oder besser war, ob das, was da kommen wird, zwingend besser oder schlechter sein wird.

Oder Neuanfänge zu unbekannten Zielen, zu denen es auch keine Vergleiche geben kann und wird.

Sicher ist nur: Mit jedem Übergang, mit jedem Neuanfang ändert sich etwas.

Und da wir nicht genau wissen, was kommen wird, macht uns das Angst.

Das erlebt das Volk Israel bei seinem Übergang über den Jordan nach vierzig Jahren Wüstenwanderung in das von Gott versprochene gelobte Land. Das ist ein Weg voller Verheißung.

Aber auch hier prägt die Angst vor dem, was da morgen noch kommen wird, die Stimmung. Und da tut dann jeder Zuspruch gut!

Christlicher Glaube verbindet wie das Volk Israel den Weg ins Leben, durch das Leben mit Gottes Segen: Nach der Geburt mit der Taufe, zum Erwachsenwerden mit der Konfirmation, den Beginn einer Ehe mit der Trauung, und am Ende des irdischen Lebens den Übergang zum ewigen Leben mit der Beerdigung.

Dem allen gemeinsam ist jeweils Gottes Zuspruch und das, was Mose seinem Volk mit auf den Weg gibt ins gelobte Land: „Gott behütet euch wie seinen Augapfel!“

Das ist sehr poetisch und meint: Jeder einzelne von uns ist für Gott so kostbar, als wäre er sein Augapfel!

Wie eine Liebeserklärung ist das! Sie sagt mir: So nah bin ich Gott, so sehr liebt mich Gott!

Unglaublich ist diese Liebe und diese Nähe und doch so wunderbar! Amen.

Pastorin Edith Steinmeyer, Foto: Jantje Ehlers

18. April, Pastorin Edith Steinmeyer, Wagenfeld

Mundschutz

Wie schützen wir andere Menschen und uns selbst vor Viren und Krankheiten?

Vor den Corona-Viren soll ein Mundschutz helfen. Zumindest kann ein einfacher Mundschutz verhindern, dass unsere "Tröpfchen" sich zu sehr verteilen. Vielleicht ist inzwischen schon entschieden, ob es eine Maskenpflicht gibt oder nicht. Ich gebe zu: Ich werde mich an eine Maske sehr gewöhnen müssen, aber wenn sie hilft, dass wir uns wieder mehr begegnen können, bin ich sofort dafür. 

Doch so ganz klar und eindeutig scheint das nicht zu sein, und der richtige Umgang mit diesen Masken muss eingeübt werden. "Prüft aber alles und das Gute behaltet" (1. Thess. 5,21) wird uns in der Bibel empfohlen. Das heißt, der Umgang mit dieser Pandemie muss sorgfältig abgewogen werden. Ich bin sehr dankbar, dass das in unserem Land geschieht, auch wenn ich mich bei manchen Vorsichtsmaßnahmen frage: Muss das wirklich sein? Für viele Menschen ist diese Corona-Krise schwer zu ertragen. Doch sie weckt auch sehr viel Hilfsbereitschaft und Kreativität. Einkaufsdienste, Wohnzimmerkonzerte, Grüße für Bewohner der Altenheime, Videoandachten, Zeit für Anrufe, Briefe, Spaziergänge und vieles mehr.

Leider weckt sie auch das Gegenteil ... und ich denke: Wo ist der Mundschutz? Wo ist der Mundschutz, der verhindert, dass Menschen ihren Hass wie Viren in die Welt pusten? Wo ist der Mundschutz, der verhindert, dass Egoismus ein- und ausgeatmet wird? Wo ist der Mundschutz, der verhindert, dass ich andere verletzte?

Als Mundschutz gibt es Atemschutzmasken in verschiedenen Klassen FFP1 - FFP3. Sie schützen vor lungengängigem Staub, Rauch und Flüssigkeitsnebel. Für uns alle mögen die einfachen, die selbstgenähten Masken genügen: Sie verhindern, dass unsere "Spucke" andere trifft. Sie machen uns vielleicht empfindsamer dafür, ob wir Gutes oder Schlechtes "übertragen". Anders gesagt: Ob wir Gott und unsere Mitmenschen lieben, wie uns selbst. Wer Liebe versprüht, darf den Mundschutz abnehmen. Wie würde denn ein liebevoller Kuss mit "Maske" schmecken? Gott stecke euch an - mit seiner Liebe.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

17. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der zugesagt hat, mir zu helfen. (Psalm 71, 3)

Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. (2. Timotheus 4, 18)

Nach einer langen Zeit fast unbegrenzter Möglichkeiten, lernen wir nun gerade schmerzhaft wieder, was es bedeutet, sich einschränken zu müssen. Nahrung und was nottut zum täglichen Leben, bekommen wir, dürfen wir einkaufen, wenn auch das Toilettenpapier aus mir unerfindlichen Gründen zwischendurch knapp war.

Seelische, geistliche Nahrung ist knapp in Zeiten geschlossener Kirchen. Kirchengemeinden, Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone und andere Menschen im Verkündigungsdienst haben viel Kraft, Mühen und Phantasie entwickelt, Gottes Wort, die frohe Botschaft, das Evangelium auch unter erschwerten Bedingungen weiterzusagen. Gute Erfahrungen ergaben sich daraus, manches wurde wiederentdeckt, was verschüttet war. Zum Beispiel das verabredete Singen von Abendliedern in kleinen Gruppen um 19.00 Uhr: da wurden die Verse von Matthias Claudius aus dem Jahre 1779 plötzlich hochaktuell, konnten gut nachempfunden werden.

Was hilft uns in Zeiten des Mangels, der Einschränkungen?

Christinnen und Christen haben darauf die Antwort von den 4 „Bs“ – Bibel, Bruderschaft (Gemeinschaft), Brotbrechen (Abendmahl), Beten.

Schmerzlich bewusst wurde mir und anderen in den letzten Wochen, dass Bibel und Beten ganz gut allein geht, aber Brotbrechen und (Schwestern- und) Bruderschaft einfach Gemeinschaft, körperliche Nähe, körperliches Beieinanderstehen erfordert.

Schmerzlich vermissen werden wir diese Gemeinschaft, wenn wir heute Morgen auf unserem Friedhof in Freistatt eine liebe Freundin beerdigen werden. Nur 10 Personen außer Pastorin und Organist dürfen dabei sein; in normalen Zeiten wäre unsere Kirche gefüllt gewesen bis auf den letzten Platz. Und fehlen werden der tröstende Händedruck, das in den Arm nehmen, wohl auch der Kaffeetrinken in großer Runde nach der Beerdigung; ein Ort der gemeinsamen Erinnerung an vergangene Zeiten.

„Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.“ Der Vers des Lehrtextes erinnert uns Christen kurz nach Ostern daran, dass wir hier auf Erden ohnehin keine bleibende Stadt haben, aber uns trösten lassen können mit dem, was im Hier und Jetzt schon möglich ist an Gemeinschaft und mit der Aussicht auf Gottes Himmlisches Reich, in dem wir uns einst wiederbegegnen werden und dort ewige Gemeinschaft haben werden. Amen.

Pastor Stephan Winter; Foto: privat

16. April, Pastor Stephan Winter, St. Hülfe-Heede, Diepholz

Liebe Leserin, lieber Leser,

was macht eine solche Pandemie mit unserem Glauben? Was bedeutet es, Jesus nachzufolgen in den Zeiten von Corona? Unser Vertrauen auf Gott bleibt ja nicht unberührt von der Unsicherheit und Angst und von dem konkreten Leid so vieler Menschen.

Diese Krise zeigt uns wie keine andere, dass unser Leben und unser Wirtschaftssystem zerbrechlicher sind als wir dachten. Wir haben wunderbare Fortschritte in Medizin, Technik und Wirtschaft gemacht. Diese haben uns zugleich aber auch ein trügerisches Gefühl von Sicherzeit gegeben.

Manche Politiker haben in diesen Wochen davon gesprochen, dass wir uns in einem Kampf befinden. Kämpfe sind oft ein langer schwerer Weg. Doch der Feind ist so unsichtbar. Und auch deshalb ist die Situation für viele auch so „unwirklich“. Was gibt uns Hoffnung in diesem Kampf?

Wir feiern in dieser Woche nach Ostern den Sieg im größten „Kampf der Weltgeschichte“. Wir feiern den Sieg Jesu im Kampf gegen den Tod und gegen alles, was sich uns lebensvernichtend in den Weg stellen will. Wir stecken noch mitten in diesem Kampf. Doch Ostern ruft uns zu: An unserer Seite kämpft nun ein unbesiegbarer Mitkämpfer: unser Herr. Er ist nicht mehr tot zu kriegen. Er kämpft mit uns gegen alle Widerstände, die uns begegnen. Er leidet an unserer Seite mit, tröstet und motiviert uns, nicht aufzugeben. Denn durch ihn haben wir die Gewissheit: der entscheidende Sieg ist schon errungen. Noch leiden und bangen wir, doch der Durchbruch ist schon da. Wir werden am Ziel ankommen, auch wenn wir nicht wissen, wie lange wir noch kämpfen werden. Aber unser Herr ist der Sieger. Am Ende trägt nicht das Virus den Sieg davon. Die Krone des Lebens trägt der Gekreuzigte und Auferstandene. Und in unserem Glauben schauen wir nicht auf uns selbst, sondern auf ihn und auf Gottes Treue. Und wir wissen: Wir sind geborgen in seiner Nähe, in seiner Liebe und eingehüllt in den Mantel seines Friedens. Er empfängt uns immer mit offenen Armen und in ihm sind wir in Freud und Leid geborgen.

Unser Glaube bewahrt uns nicht vor Leid. Doch im Glauben wissen wir: Gott zieht sich nicht zurück. Er hält uns, trägt uns und bringt uns durch diese schwere Zeit hindurch. In unserem Glauben schauen wir nicht auf uns selbst, sondern auf Gottes Treue. Bei ihm sind wir geborgen, an guten wie an bösen Tagen, in Freud und Leid. Er empfängt uns immer mit offenen Armen.

In dieser Gewissheit, lasst uns kämpfen, gemeinsam, „den guten Kampf des Glaubens“ von dem 1. Timotheus 6, 12 spricht. Und dabei auf unseren Herrn schauen, der unsere untrügbare Sicherheit ist und der bleibt bis in Ewigkeit.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

15. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt, (5. Mose, 2, 7)

Paulus schreibt: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: In großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben ,und doch alles haben. (2. Korinther 6, 4.10)

Manchmal denke ich, dass denen, die Losungen ziehen, von Gott die Hände geführt werden. Dass unser Herrgott schon weiß, wessen wir bedürfen, bevor wir selbst es bemerken. Der Losungsvers aus dem Alten Testament erinnert uns heute noch einmal an Ostern. An dieses Gründungsfest der Christenheit, an die Erfahrung der Frauen am leeren Grab, an die Erfahrung der Emmaus-Jünger, dass die liebevolle Verbindung mit Gott, mit unserem Herrn Jesus Christus nicht abreißt, nicht totzukriegen ist.

Damit erinnert der Vers uns zugleich an Karfreitag, als selbst Jesus sich so verlassen fühlt, dass er nur noch schreien konnte: Herr, warum hast du mich verlassen??

Mir ist es jedenfalls oft so gegangen, dass ich in Momenten tiefer Verzweiflung erst danach gemerkt habe, wie behütet ich doch trotz aller Bedrängnis gewesen bin. Da konnte ich dann nachvollziehen, was John Lennons berühmter Satz, man müsse das Leben vorwärts leben, aber könne es eigentlich immer erst rückwärts verstehen, bedeutet. Oft vergessen wir diese Erfahrungen des Behütet-, des Getragen - Seins nach Momenten der Not und der Verzweiflung  allzu schnell und vergessen darüber das Danken!

Das ist das eine, und das andere ist, dass wir auch die gemachte Erfahrung sehr schnell wieder vergessen, manchmal wohl auch verdrängen!

Wir vergessen oft, wovon wir im Lied EKG Nr. 317 „Lobet den Herrn“ im Vers 3 schon so oft gesungen haben: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet“.

Ich bin daher skeptisch, ob die Verse des Lehrtextes von Paulus auf uns Christen immer zutreffen.

Zu oft habe ich mich, habe ich Mitchristen in Bedrängnissen, in Nöten in Ängsten erlebt, in denen wir nicht geduldig, nicht fröhlich waren, in denen wir nicht viele reich gemacht haben, in denen wir meinten, zu wenig abbekommen zu haben vom großen Kuchen der Wohltaten.

Der Lehrtext von Paulus ist vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit mir selbst und anderen Christen eher als Missionsbefehl an uns alle zu verstehen, die Botschaft von Ostern, vom Sieg des Lebens über den Tod, vom Sieg der Hoffnung über die Verzweiflung, vom Sieg des frohen Mutes über die Traurigkeit uns immer wieder neu zu erzählen und die Osterbotschaft hinauszutragen in alle Welt.

Ich bin sicher, das schaffen wir als die Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die armen, aber die doch viele reich machen.

Denn wir wissen doch: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Kirche Sulingen; Foto: Kirchengemeinde Sulingen

14. April, Lektorin Marion Müller, Sulingen

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

So haben wir Christen uns normalerweise am Ostermorgen begrüßt und auch in die Arme genommen.

Leider war das an diesen Ostertagen eben nicht normal. Überall in unserm Land.

Auch zur Abendmahlsfeier an Gründonnerstag war es so. Es war nicht möglich sich am Tisch des Herrn zu versammeln um Brot und Wein miteinander zu teilen.

Und trotzdem kamen die Ostertage. Und überall war der Jubelruf zu hören wenn auch nur von Balkon zu Balkon oder von Fenster zu Fenster:  Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Diese Erfahrung gilt, gerade in der Zeit in der wir jetzt sind. Denn immer noch ist keine Normalität wieder zu uns gekommen. Immer noch gilt was uns in den letzten Wochen nicht immer leichtgefallen ist.  Gerade für mich als Oma war es nicht so einfach ohne die Enkel zu Ostern und ohne Karfreitag und Ostergottesdienste in den Kirchen. Sicher ist das jenem von uns so gegangen. Aber auch das haben wir verkraftet.

Und nun hat uns der Alltag mit all seinen Herausforderungen wieder. Noch immer bleiben viele Geschäfte geschlossen und so mach einer kann seiner Arbeit nicht nachgehen. Für viele geht es ums nackte Überleben.

Fällt es da nicht doch schwer in den Jubelruf einzustimmen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden?

Als ich mir für diese Andacht Gedanken gemacht habe, ist mir ein altes Kirchenlied in den Sinn gekommen: Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ. Vor vielen Jahren haben wir es als unser Hauskreislied gesungen. In der dritten Strophe heißt es da: Du gingst oh Jesu unser Haupt durch Leiden Himmelan, Und führest jeden, der da glaubt mit dir die gleiche Bahn. Und zum Schluss: Führ uns durch deines Todes Tor samt deiner Sach zum Licht empor. Zum Licht empor, durch deines Todes Tor.

An Ostern hat unser Herr Jesus den Tod überwunden. An Ostern hat Jesus Christus aus Dunkel Hell gemacht Durch die Auferstehung Jesu Christi am Ostermorgen ist auch für uns und alle Christen weltweit der Tod überwunden. Aber wir wissen, auch Ostern gibt es nicht ohne Karfreitag. Auferstehung nicht ohne vorheriges Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz von Golgatha.

Seit Ostern gilt, und vielleicht stimmen Sie jetzt mit ein in das Lied:

Jesus lebt mit ihm auch ich, Tod wo sind nun deine Stachel.  Das Leben hat gesiegt. Jesus hat gesiegt. Und das gilt für alle Christen dieser Welt. Der Himmel ist offen, das Licht ist da.

Das kann uns froh machen bei all den Widrigkeiten, die uns momentan den Mut nehmen wollen.

Bei allen Ängsten die uns schlaflos machen wollen.

Jesus ist auferstanden und lebt und Sie und ich auch. Und so können wir getrost unseren Alltag bewältigen in den sicherlich nicht leichten Gegebenheiten, die auf uns mit jedem neuen Tag zukommen. Jesus Christus ist an unserer Seite und wenn wir nicht mehr tragen können, trägt er uns durch alles hindurch.

Bleiben Sie weiter behütet. Amen.

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

13. April, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Der vierte Tag

Gestern haben wir die Auferstehung gefeiert. Heute ist der Tag danach.

Es ist Montag. Schön, dass wir diese großen Feste wie Weihnachten, Pfingsten und Ostern immer mit zwei freien Tagen begehen dürfen. Das macht gute Laune. Wenn dann noch das Wetter mitspielt…

Jedenfalls hat man so, vor allem in diesem Jahr, ein bisschen Zeit zum Nachdenken: Auferstehung – geht das?

Zweifel. Das erste, was an Ostern ganz laut wird, ist der Zweifel. Die vielen Argumente dagegen. Historiker und Archäologen finden keinen Beweis. Nicht anders die ersten Jünger: Sie trauten ihren Augen nicht. Ist das vielleicht ein Beweis, dass sie ihren Augen nicht trauten, sondern Worten eines Dritten?

Josef von Arimathäa hatte am Freitag all die Hoffnung der Jünger begraben und einen dicken Stein vor das Grab gewälzt. Aus und vorbei ihre Hoffnung auf einen Neubeginn ihres Lebens in Freiheit und Gerechtigkeit. Traurig gingen zwei der Jünger weg von Jerusalem, dem Ort der Tränen, dem Machtzentrum der hohen Herren. Ihr Herz war schwer.

Unterwegs schloss sich ihnen ein dritter Mann an, fragte nach ihrem Kummer, übernahm das Wort und erklärte ihnen, was Sache war. Warum sie das denn nicht verstanden hätten: Es musste doch alles so kommen. Die Katastrophe, der Kreuzestod Jesu, war unaufhaltsam auf sie zugekommen. Die Propheten, die Schriften – gemeinsam durchliefen sie noch einmal die Heilsgeschichte – all dem konnte man doch entnehmen, dass alles so kommen musste.

Konnten diese Worte sie trösten?

Sie erreichten das Dorf Emmaus. Das Ziel der beiden Jünger.

„Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden.“

Der dritte Mann blieb, setzte sich mit ihnen zu Tisch. Er nahm das Brot, sprach den Segen, teilte es und gab es ihnen. In diesem Moment wurden den Jüngern die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn.

Und er verschwand aus ihrer Mitte.

„Brannte nicht unser Herz, als wir mit ihm gingen?“

Und vielleicht haben sie weitergedacht: Warum haben wir ihn nicht sofort erkannt?

Die Auferstehung liegt jenseits der Grenze des Todes. In Jesus Christus lässt Gott uns einmal hinter diese Grenze schauen, ohne dass wir dadurch eine gesicherte Datengrundlage zur Erforschung neuer Naturphänomene bekommen würden. Aber diese Grenzüberschreitung bewirkt Unerhörtes. Nicht, dass wir dem Tod dadurch ausweichen könnten.

Vielmehr haben wir der Todesangst etwas entgegenzusetzen: Hoffnung. Der Tod ist nicht das Letzte, sondern eben nur eine Grenze. Wir malen uns die Wirklichkeit hinter der Grenze nicht detailliert aus, aber wir hoffen auf eine Wirklichkeit, in der der Mensch bei Gott seine gesamte Geschichte wiederfindet.

In einer Zeit, in der eine Pandemie als unaufhaltsame Katastrophe auf uns zurollt und unser Leben bedroht, ist das eine heilsame Perspektive. Der Ernstfall des Sterbens ist immer Teil unseres Lebens, doch nie gedanklich so nah wie im Moment. Der Glaube an die Auferstehung allerdings bereitet den Menschen auf den Ernstfall vor und begegnet der Angst mit Hoffnung.

Christus spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,18) Und für uns im 21. Jahrhundert könnte er weitersprechen: Wenn ihr auch zweifelt, schließt euch den vielen Zeugen an, die davon erzählen, dass ich ihnen begegnet bin und ihr Leben zum Guten verändert habe.

Heute ist erst Tag vier. Es braucht einfach Zeit, bis einem die Augen geöffnet werden.

Pastorin Ursula Schmidt-Lensch; Foto: privat

12. April, Pastorin Ursula Schmidt-Lensch, Sprengellektorendienst

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

an Karfreitag ist Jesus am Kreuz gestorben. Jesus war auf sein Leiden und auf sein Sterben vorbereitet. Im Markusevangelium lesen wir an mehreren Stellen, wie er den Jüngern sein Leiden, sein Sterben und auch die Auferstehung ankündigt. „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ Jesus hat also gewusst, dass es so kommen musste. Die Jünger konnten es nicht begreifen. Innerlich waren sie darauf nicht vorbereitet, dass es so kommen würde.

Und genauso wenig haben sie die Ankündigung der Auferstehung gehört. Eigentlich hätten sie ja nur zählen müssen: erster Tag Freitag, zweiter Tag Samstag, dritter Tag Sonntag. Und dann hätten sie freudig auf die Auferstehung warten können. Aber für sie war mit Karfreitag erst einmal alles vorbei: Jesus war tot! Jesus war gescheitert! Seine ganze Lehre war gescheitert!

Wie konnte es mit seiner Botschaft weitergehen. Doch es kam, wie Jesus es angekündigt hatte: Jesus ist wieder auferstanden. Jesus lebt! Er erscheint seinen Jüngern.

Lukas und auch Matthäus erzählen von den Frauen am leeren Grab und von Jesu Erscheinung bei den Jüngern.

In allen Erzählungen ist es so, dass Jesu Jünger, tief traurig sind über das, was geschehen ist. Dann erscheint ihnen der auferstandene Jesus. Doch sie erkennen ihn nicht sofort. Erst wenn er sich ganz „Jesus-typisch“ verhält, erkennen sie ihn. Und dann kommt endlich die große Erleichterung: Jesus lebt.

Der Evangelist Johannes erzählt uns noch die Geschichte vom ungläubigen Thomas:  Dieser kann die Berichte der anderen Jünger nicht glauben, denn er ist selbst nicht dabei gewesen. Erst als Jesus auch ihm persönlich erscheint, kann auch er glauben.

Wie können wir heute sicher sein, dass Jesus auferstanden ist?

Uns ist der Auferstandene nicht persönlich erschienen.

Gelingt es mir, Jesus selbst vertrauen, der es den Jüngern schon vorab erzählt, ja prophezeit hat? Und kann ich auch den Jüngern vertrauen, die es erlebt und weitererzählt haben bis in die heutige Zeit?

Manchmal nicht, gerade wenn es mir schlecht geht und ich die Grausamkeit der Zeit und der Welt betrachte. Und dann keimt doch wieder die Hoffnung auf und das zarte Pflänzchen des Glaubens, wenn ich die Erzählungen und die Glaubens-zeugnisse der Jünger und ihrer Nachfolger höre:

Gott hat die Welt nicht verlassen. Er ist ihr treu geblieben. Er ist in Jesus Christus durch den Tod hindurch gegangen und hat gezeigt, dass das nicht das Ende ist. Für ihn, für uns, für alle, die in Angst, Sorge und Krankheit leben müssen.

Und er bleibt bei uns in dieser Zeit, bei jeder und jedem von uns. Gut ist es, wenn wir das immer wieder zu hören und zu sehen bekommen, auch wenn es momentan für viele nicht in der direkten Ansprache von Angesicht zu Angesicht passieren kann.

Heute feiern wir gemeinsam, dass Jesus auferstanden ist, das ist gleichzeitig der innerste Kern unseres Bekenntnisses: Jesus lebt!

Gott segne Sie!

Amen.

Pastor Eckhart Schätzel, Foto: Jantje Ehlers

11. April, Pastor Eckhart Schätzel, Lemförde

 „infiziert mit Hoffnung“

Ostern feiern, das ist in diesem Jahr echt eine Herausforderung! Dass Enkel und Großeltern sich gemeinsam zum Ostereier-Suchen im Garten treffen, das geht nur dann, wenn sie in einer Hausgemeinschaft leben. Alle Osterfeuer sind genauso abgesagt wie die festlichen Ostergottesdienste in den Kirchen. Viele Menschen reagieren richtig kreativ darauf und verabreden sich zum Osterfrühstück mit ihren Lieben per Skype. Viele Christen haben sich für die Aktion #OsternvomBalkon verabredet, morgen um 10.15 Uhr nach dem ZDF - Fernsehgottesdienst: gemeinsam das Osterlied „Christ ist erstanden“ (Evang. Gesangbuch Nr. 99) singen oder mit einem Instrument spielen; eine wunderbare Idee!

Ich freue mich sehr über so ein lebendiges Osterfest. Denn ich bin davon überzeugt: der Osterglaube will uns aus der lähmenden Erstarrung dieser Tage befreien. Zur Erschütterung beim Hören der Zahlen von Todesopfern der Corona-Pandemie in allen Ländern - zur Nüchternheit beim Erleben der Diskussionen über die Verfügbarkeit von Atemschutzmasken – zu diesem Szenario der verschärften Passionszeit tritt die völlig andere Wirklichkeit von Ostern hinzu:

Maria Magdalena geht früh am Morgen zum Grab Jesu (Joh. 20,11-18). Sie beugt sich hinein und sieht dort zwei Gestalten in weißen Kleidern sitzen. Aber Jesus, den sie sucht, findet sie nicht. Schließlich sieht sie einen Mann, den sie für den Gärtner hält. „Hast Du meinen Toten weggetragen?“ fragt sie den Mann. Erst als er ihr antwortet und „Maria!“ zu ihr sagt, dann merkt sie, dass es Jesus ist. Jetzt kann Maria sehen: Jesus ist da. Jesus lebt! Das wirkliche Leben, von dem Jesus immer geredet hat, es ist ja da; jetzt in diesem Moment! Beim Beten, beim Hören der Ostergeschichten und beim Singen der Osterlieder können wir spüren, wie sich das anfühlt, angesteckt zu werden mit Lebendigkeit und infiziert zu sein mit der Hoffnung, die von Gott kommt.

Ich grüße Sie mit einem Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer, das mich in diesem Ausnahme-Frühjahr stärkt:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,

Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage

soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im Voraus,

damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. 

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,

sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet. Amen.“

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

10. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Der dritte Tag

Weggerannt sind sie, die engsten Freunde und Vertrauten in der Nacht, als Jesus verhaftet wurde. Keiner ist zurückgekommen zum sterbenden Jesus am Kreuz. Fast alle packte die Angst. Nur weg von hier! Nicht mit dabei sein, wenn sie Jesus gefangen nehmen! Nicht mit hineingezogen werden, womöglich selbst in Gefahr geraten!

Ob sich da noch einer ein Herz gefasst hat und den Weg nach Golgatha hinaufgegangen ist?

Ob sich einer diesen entsetzlichen Anblick zugemutet hat im grellen Mittagslicht: Jesus hängt am Kreuz, das Gesicht schmerzverzehrt und gezeichnet von Schlägen und Misshandlungen und blass, die Augen tief in den Höhlen, Hände und Füße von den Nägeln durchbohrt.

Ist das Gottes Sohn? Warum lässt er das mit sich machen? Warum lässt Gott das mit seinem Sohn machen?

Diesen Anblick, diese Fragen müssen die Freunde an diesem Tag, müssen wir als Christen immer wieder aushalten. Diese Fragen stellen unseren Glauben immer wieder in Frage.

Diesen Weg hat Gott gewählt, um uns zu zeigen, dass er in aller Angst, in allem Schmerz, in aller Verzweiflung  – wie bei seinem Sohn – so auch bei uns bleiben wird. Er will all dem, was unser Leben bedroht, nicht das letzte Wort lassen! Nicht einmal dem Tod! Das war am ersten Karfreitag noch nicht zu sehen.

Das lässt sich nur glauben, weil in drei Tagen die Sonne aufgehen wird über einem leeren Grab.

Wann wird das Leben wieder weitergehen? Wer gehofft hatte, die Einschränkungen durch das Corona-Virus würde zu Ostern aufgehoben, sieht sich getäuscht. Unbeirrt öffnet zwar der Frühling Knospe um Knospe, doch die Türen der Kirchen bleiben ebenso geschlossen wie die Türen der Häuser. Wie können wir unter den gegebenen Umständen von der Auferstehung sprechen? Das ist eine grundsätzliche Frage, sie stellt sich nicht nur in Krisenzeiten. Die Toten laufen ja nicht einfach frei herum, um es mit den provozierenden Worten eines Buchtitels zu sagen.

Die Auferstehung lässt sich auch nicht in einem Kalender eintragen, denn sie ereignet sich nicht nach drei Tagen, sondern „am dritten Tag“! Der dritte Tag ist nicht ein historisches, sondern ein theologisches Datum.

Aufgerufen wird ein Wort des Propheten Hosea: Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf und wir leben vor seinem Angesicht. Der „dritte Tag“ ist Gottes Tag! An ihm ist alles anders und von Grund auf neu, nicht erwartbar, ein erstes Mal. Für die Begegnung mit dem auferstandenen Christus gibt es kein Rezept, kein Datum und keine spirituelle Anleitung. Die neue Wirklichkeit ereignet sich nach den Erzählungen im Neuen Testament immer am ersten Tag der Woche und früh am Morgen. Und immer ereignet sie sich in der Gegenwart von Frauen.

Keiner kann sagen, wann das Virus besiegt sein wird. Der Tag wird kommen, da Straßencafésund auch Kirchen wieder offen sind und nicht leer. Die Begegnung mit dem Auferstandenen hängt daran nicht!

Der „dritte Tag“ ist heute!

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

9. April, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Was Gott uns schenkt

Hmmm, es riecht nach Frühling draußen. Es blüht so schön. Jetzt, da ich hier sitze und diese Worte schreibe, bilden sich gelbe und weiße Blüten gegen den strahlend blauen Himmel ab. Und ich kann den Frühling hören. Vögel zwitschern, Wespen summen. Eine hat sich gerade durch das Fenster in mein Arbeitszimmer verirrt. Schön, dass es so still ist, dass man das Leben hören kann. Es ist die stille Woche. Die Karwoche. Normalerweise die Woche der Osterhektik. Einkaufen, Feiertage planen, Besuche organisieren. Nicht wenige fliehen in den Urlaub oder genießen den Frühling einfach fernab vom Alltag.

Dieses Jahr nun mal anders. Niemand kann weg, einkaufen geht nur in bestimmten Läden. Und es ist relativ still. Man kann das Leben hören und – weil das Wetter gerade so schön ist – auf der Haut spüren.

Hunger. Haben Sie auch Hunger? Dann sind Sie hier richtig. Es gibt Brot und Wein. Es ist nämlich Gründonnerstag. Der Altar ist weiß gedeckt wie an Ostern. Wir greifen vor. Denn an diesem Tag können wir uns das göttliche Heil auf der Zunge zergehen lassen.

„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset; das ist mein Leib.“ (Matthäus 26,26)

Ohne Worte fragen seine Jünger sich: Was gibt er da?

Jesus teilt aus. Mit beiden Händen teilt und verschenkt er. Einfaches Brot. Darin eingebacken ein Ritual, das uns schmecken und spüren lässt: Gott ist nah. Gott ist in dir. Jesus geht, das Brot bleibt. Wir haben etwas in der Hand, das wir schmecken und spüren können. Jesus stillt Hunger über seine Zeit hinaus: Wer ihn so in sich aufnimmt, wird frei: geistlich unabhängig von der Bindung an Leistung und Können.

„Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26, 27-28)

Ohne Worte fragen seine Jünger sich: Was ist da drin?

Jesus schenkt aus. Es gibt nur einen Kelch. Daraus muss jeder trinken, der dabei ist. Sonst spürt er nicht, wie die Flüssigkeit kühlend durch Mund und Speiseröhre fließt. Hinterher ein warmes Gefühl. Angenehm. Lecker. So schmeckt Lebensfreude. Blut? Ist Lebenssaft. Jesus geht, der Kelch bleibt.

Wir haben etwas, um unseren Durst zu löschen. Der Kelch sprudelt wie eine nie versiegende Quelle in das Leben. Vergeben und vergessen, was war und mich von Gott trennte. Er nimmt wieder Raum in mir.

Was gibt er da? Was ist da drin?

„Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.“ (Psalm 111,4)

Die Vögel zwitschern, die offenen Blüten recken sich nach der Sonne.

Doch es wird Nacht werden. Gut, dass wir uns noch einmal gestärkt haben. Wir schmecken und spüren, wie freundlich der Herr ist. So halten wir den Karfreitag aus.

Reinhard Thies; Foto: privat

8. April, Pastor Reinhard Thies, Barenburg und Varrel

Neulich auf der Fahrt nach Hause hatte ich einen Lkw vor mir, einen Güllewagen. Nicht ungewöhnlich bei den vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen in unserem Kirchenkreis. Aber schon bei etwas größerem Abstand konnte ich erkennen, dass ein Fisch, das alte Erkennungszeichen für Christen, hinten auf dem Lkw aufgeklebt war. Als wir dann an der nächsten Kreuzung warten mussten, las ich, was auf dem Fisch stand, und war doch sehr erstaunt. „Gott segne Dich auf all Deinen Wegen.“ Zum Glück war mein Handy nicht weit und ich konnte von diesem Lkw gleich ein Foto machen.

Ein Güllewagen mit einem christlichen Segensgruß? Eine sehr seltsame Kombination. Ist das nicht sehr unpassend?

Aber dann hatte ich den Eindruck, er passt sehr gut in diese Zeit. Viel „Mist“ macht uns zurzeit zu schaffen. Das Coronavirus bringt alles durcheinander und verursacht viel Leid. Die Krankheit selbst, aber auch die vielen Folgen, die sich aus der Abschottung ergeben. Das Fernsehen und die Zeitungen sind voll von Berichten, wie Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld zu kämpfen haben. Alle warten darauf, dass das wieder ein Ende hat.

„Gott segne Dich auf all Deinen Wegen.“ Dieser Satz auf dem Lkw hat mich darauf hingewiesen, dass Gott auch in diesen schwierigen Zeiten bei mir ist. Ich erlebe es, wie er uns Kraft schenkt und viele neue Ideen in Gang bringt, wie wir uns gegenseitig stärken und beistehen können. Auch von solchen Aktionen und Hilfen gibt es viele Berichte in den Medien. Hilfe in der Nachbarschaft, Unterstützung beim Einkaufen und kreative Projekte in den Kirchengemeinden. Ein besonders schönes Erlebnis hatten meine Frau und ich vor ein paar Tagen, als beim abendlichen Blasen bzw. Singen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“ auf einmal mehrere Nachbarn auf die Straße traten und kräftig mit einstimmten. Eine neue Art der Verbundenheit, die uns sehr berührte.

Gott ist nicht nur in der Kirche bei mir, sondern auch im Alltag. Er begleitet uns mitten in unserem Leben, in den kleinen Sorgen und den leidvollen Erfahrungen dieser Zeit. Ich vertraue darauf, dass Gott uns aus den Belastungen etwas Gutes zukommen lassen kann. Ich hoffe, dass aus der „Gülle“ ein „Dünger“ wird, der uns weiter wachsen lässt, uns miteinander verbindet über alles Trennende hinweg. Gott segne Dich auf all Deinen Wegen.

Pastor Michael Steinmeyer; Foto: Jantje Ehlers

7. April, Pastor Michael Steinmeyer, Wagenfeld

„Es geht um Leben und Tod!“ Unter den vielen Worten, die im Moment zu hören und zu lesen sind, wahrscheinlich eins von den dramatischsten. Und dann lese ich im Matthäusevangelium, Kapitel 12, dass Jesus sagt: „Am Tag des Gerichts werden die Menschen Rechenschaft ablegen müssen für jedes sinnlos daher gesagte Wort!“ Und frage mich: Ist das so ein sinnlos daher gesagtes Wort oder ist es ein hilfreiches, ein notwendiges Wort, wenn es jetzt so oft heißt: „Es geht um Leben und Tod“?

Es kommt drauf an. Es kommt darauf an, ob diejenigen, die das sagen, sich bewusst sind: Wir sehen jetzt deutlicher als sonst, dass es Menschen gibt, für die es um Leben und Tod geht. Und wenn ich Pech habe, kann ich morgen oder nächste Woche einer von ihnen sein. Aber Menschen, für die es um Leben und Tod geht, gibt es immer und überall. Nur wer das nicht vergisst, darf das in der aktuellen Situation öfter und mahnender sagen als sonst: „Es geht um Leben und Tod!“

Um Leben und Tod geht es zum Beispiel für die Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern – zusammengepfercht und unter miserablen hygienischen Bedingungen „lebend“. Und jetzt kommt noch das Coronavirus hinzu und bedroht diese Menschen ebenso wie Sie und mich. Sicherheitsabstand? Regelmäßiges Händewaschen? Beides nicht möglich, wenn zehn-mal so viele Menschen in einem Camp leben wie eigentlich geplant. Und weder Griechenland noch Deutschland noch die EU – vor ein paar Jahren übrigens mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – bekommt es hin, diese Menschen aus den Lagern herauszuholen und angemessen unterzubringen.

Um Leben und Tod geht es für das Klima. Also für die Bewohnbarkeit des Planeten Erde. Also für uns alle. Da ist es tatsächlich völlig sinnlos und schädlich, wenn Leserbriefschreiber und Zeitungskommentatoren die Gelegenheit nutzen, über die jungen Leute von „Fridays for Future“ herzuziehen. Ich dagegen hoffe, dass wir aus der gegenwärtigen Krise eine Lehre mit-nehmen: Wirksame Maßnahmen zum Schutz des Klimas kosten uns weniger an Geld und an persönlichen Freiheiten als der Kampf gegen das Coronavirus.

Zwei Beispiele von vielen, um zu zeigen: Menschen, für die es um Leben und Tod geht, gibt es immer und überall. Nur wer das nicht vergisst, darf in der aktuellen Situation öfter und mahnender sagen als sonst: „Es geht um Leben und Tod!“

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

6. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext

Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre. (Hosea 8,12)

Jesus spricht: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. (Johannes 18,37)

„Guck mich bitte richtig an, wenn du mit mir sprichst“, sagt die Mutter zu ihrem Sohn, der gerade von einer Jugendfreizeit zurückgekommen ist. Er erzählt, dass es gar nicht so schön war und er nie wieder auf so eine Freizeit fahren möchte.

„Das hat mir dein Bruder aber ganz anders berichtet. Ihm hat es sehr gut gefallen“, sagt die Mutter.

„Wem soll ich denn nun glauben?“

Bei der Wahrheit, beim Glauben geht es offensichtlich nicht nur um das, was jemand sagt, sondern auch darum, wer es sagt. In einer Zeit, in der es viele Wahrheiten gibt, und in der ja auch nahezu jeder seine Wahrheiten verbreiten kann – sei es nun über die Presse oder über die neuen Medien im Internet – ist es gar nicht so einfach von Wahrheit zu sprechen, geschweige denn Wahrheit zu erkennen.

Wenn Wahrheit gefragt ist, geht es meistens nicht nur um reine Tatsachen wie „Das Gras auf der Wiese ist grün!“, sondern es geht immer auch um den Menschen, der das sagt.

So ist es auch mit der Wahrheit, die Jesus uns sagt.

Wenn wir seine Stimme hören, seine Worte lesen, dann können wir sicher sein, dass wir keine Falschmeldungen hören oder lesen! Sondern bei ihm ist die eine, die entscheidende Wahrheit zu erleben: Das, was gesagt oder aufgeschrieben ist, stimmt mit der Wirklichkeit überein, kann in ihr erfahren werden. Person und Aussage, Person und Wahrheit passen zusammen. Der Mensch, der etwas sagt, handelt auch so wie er sagt.

Bei Jesus war das so! Deshalb glaubten und glauben ihm viele, folgen ihm nach, richten ihr Leben an ihm aus.

In seiner Nachfolge stehen wir jeden Tag neu vor der Aufgabe, es ihm nachzutun; darauf zu schauen, dass unser Reden und Handeln nicht auseinanderfallen.

Dabei haben wir es einfach: Wir müssen nur – wie der ersten Jünger – mit ihm gehen und ihm folgen; dann folgen wir keiner Falschmeldung, sondern bleiben in der Wahrheit.

Bleiben Sie behütet und bewahrt!

5. April, Nele Marie Hagen und Diakon Ingo Jaeger, Lemförde

Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.

Soziale Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben, isoliert leben, geschlossene Restaurants - in diesen Tagen fühle ich mich in meiner Freiheit irgendwie eingeschränkt. Aber ist das wirklich so? Paulus schreibt: "Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit" (2. Korinther 3,17).

Nele-Marie Hagen hat für die Evangelische Jugend Lemförde beim Jugendandachtspreis der Landeskirche teilgenommen und dabei den 3. Platz belegt. Ihre Gedanken fallen mir nun wieder ein, denn sie hat lange vor der Corona-Pandemie den Paulus-Vers folgendermaßen ausgelegt:

"Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ – Umgekehrt bedeutet dies doch, wo der Geist Gottes nicht ist, da ist keine Freiheit.

Keine Freiheit – Was genau heißt das? Keine Freiheit – Gefangen und eingesperrt sein?

Ich selbst fühle mich oft gefangen in mir. Es fällt mir schwer, mich aus meinen eigenen Zwängen zu lösen.

Ich möchte euch dazu eine kurze Geschichte erzählen: morgens stehe ich auf, tappe ins Bad, wasche mir das Gesicht, schaue in den Spiegel und gehe in Gedanken schon durch meinen Tag. Was habe ich heute in der Schule zu erledigen? Muss ich eine Präsentation halten? Oder vor der Klasse stehen? Wo geht es nachmittags hin? Habe ich wichtige Termine? Welche Erwartungen gibt es heute an mich? Wann und wo muss ich glänzen?

All diese Dinge gehen mir durch den Kopf und verursachen schon kurz nach dem Aufstehen einen inneren Druck, während ich zwischen einem roten T-Shirt und einer blauen Bluse entscheide. Völlig unwichtig eigentlich. In der Schule unterhalte ich mich mit einem Mädchen aus meinem Englischkurs. In meinem Kopf schwirrt der Gedanke, dass ich sie gerne besser kennenlernen würde, ich habe das Gefühl, dass wir uns wirklich gut verstehen, sage aber nichts.

Nachmittags lerne ich, mache Hausaufgaben bis ich abends zur Theatergruppe gehe. Ich entscheide mich wieder nur für eine kleine Rolle, da ich mich sorge nicht genauso gut spielen zu können, wie die anderen. Mehr traue ich mir selber nicht zu?!

Was denkst DU jetzt? Konntest du dich in dem einen oder anderen Beispiel wiederfinden?

Manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Wieso nehme ich nicht die gelbe Hose mit dem grüngeringelten Pullover und zeige, wer in mir steckt, und in welchen Farben ich strahlen kann? Wieso sage ich nicht, „Hey, du, ich find dich echt cool!“? Ich selbst würde mich doch auch über so einen Zuspruch freuen. Und bei der Theatergruppe geht es gar nicht darum, die Hauptrolle zu spielen, sondern einfach selbst auf mich zu vertrauen, dass ich, welche Aufgabe ich auch immer habe, diese so gut es eben geht, erledigen werde, und dass genau das ausreichen wird.

Gott gibt mir die Freiheit zu leben, er schenkt mir den Glauben und reicht mir seine Hand. Er gibt mir die Freiheit mich auf ihn einzulassen, ihm zu vertrauen und mich im Glauben fallen zu lassen. Mein Gottvertrauen gibt mir die Freiheit, Neues auszuprobieren und mich zu trauen. Ich habe die Möglichkeit mich selbst auszuprobieren. Nehme ich dieses Geschenk an, erfahre ich Hoffnung. Mit diesem Geschenk, welches mir die Welt ein Stückchen weiter öffnet. Gott gibt mir Glauben, Verständnis und Hoffnung, um diese zu teilen, anderen Menschen damit zu begegnen und ihnen meine stützende Hand zu reichen." 

Auch wenn ich den Text von Nele-Marie stark gekürzt habe, wird mir im Kern wieder deutlich: Ich bin frei!

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

4. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Es geht gut aus!

Morgen feiern wir den Palmsonntag. Für viele von uns älteren Christen jährt sich damit unsere Konfirmation; an diesem Sonntag wurde in allen Kirchengemeinden Konfirmation gefeiert. Die Lokalitäten waren dadurch nicht überlastet. Gefeiert wurde ja in den meisten Familien zu Haus. Zu uns kam schon Tage vorher Tante Hertha, um das Festmenü zu bereiten, damit die vielen Gäste an der langen Tafel, die durch die ausgehängte Tür zwischen Stube und leergeräumtem Schlafzimmer gedeckt war, auch alle satt wurden.

Für Konfirmandinnen und Konfirmanden begann mit diesem Tag meist auch ein neuer Lebensabschnitt:

Die Schulzeit war zu Ende, für viele begann am 1. April mit dem Beginn einer Lehre das Berufsleben. Diese Zeiten sind längst vorüber – Kindheit und Schulzeit dauern heute länger.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche.

Dieser Sonntag führt uns hin zu dem mit Palmwedeln und Hosianna-Rufen gesäumten Weg Jesu auf einem Esel nach Jerusalem. Denn das Königtum Jesu ist eines des Friedens und der Gerechtigkeit, dem eine gewaltsame oder prunkvolle Zurschaustellung von Macht gänzlich fremd ist. Am Karfreitag erinnern wir uns dann, nachdem die Hosianna-Rufe umgeschlagen sind ins „Kreuzige ihn“, an den Tod Jesu am Kreuz von Golgatha. Dieses jähe Umschlagen der öffentlichen Meinung erinnert an die Bilder moderner Fankultur in Unterhaltung und Sport; auch dort kann Anhänglichkeit leicht ins Gegenteil umschlagen, wenn Erwartungen enttäuscht werden.

Die Karwoche mündet im Osterfest, an dem wir die Auferstehung Jesu feiern. Die Botschaft von Ostern, von Jesu Auferstehung lautet: Es geht gut aus! Das heißt im Klartext: Jesu Botschaft von Gottes Reich, in dem Lämmer und Löwen beieinander lagern werden, in dem Frieden und Gerechtigkeit und keine Schmerzen mehr sein werden, ist nicht tot zu kriegen! Die Hoffnung darauf ist stärker als alle weltliche Gewalt.

Daran werden wir in jedem Gottesdienst in unserer Moorkirche in Freistatt erinnert, wenn wir den Vers von Friedrich von Bodelschwingh an der Wand neben der Kanzel lesen: „Das Kreuz von Golgatha ist Heimat für Heimatlose“.

Mein Konfirmator Pastor Gisevius – einigen vielleicht noch bekannt aus seiner Zeit als Militärpfarrer in Diepholz – hat mir bei meiner Konfirmation am Psalmsonntag 1966 Verse aus dem 50. Kapitel des Jesaja-Buches zugesprochen: „Der Herr hat mich gerufen, dass ich höre, wie Jünger hören. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“ Dieser Vers hat mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens getragen. Manchmal, da habe ich mir gewünscht, der Herr möge etwas weniger oft rufen, aber letztlich hat er mir immer die nötigen Kräfte verliehen, die gestellten Aufgaben zu bewältigen – oder er hat mir dazu nötige Helfer und Begleiter an die Seite gestellt. Daher kann ich ihnen aus vollem Herzen sagen:

Die Botschaft von Ostern, die Botschaft Jesu stimmt und ist durch Erfahrungen belegt: Es geht gut aus!

Kirche Sulingen; Foto: Kirchengemeinde Sulingen

3. April, Prädikant Dr. Ernst Funck, Sulingen

Am Palmsonntag löst Gott ein altes Versprechen ein     

Von Jericho bis Jerusalem – Judas und Jakobus mit Jesus unterwegs

Gerade haben Judas und Jakobus mit Jesus die Stadt Jericho verlassen, da sagt Judas: „Mann, Jakobus, das war ein Braten gestern Abend bei Zachäus! Hast du gesehen, wie weich und gefällig er Jesus gegenüber war? – Mensch, so wird es weitergehen. Die Großen, Reichen und besonders die Halsabschneider werden kuschen vor Jesus!“

„Jaaa.  Allerdings hat Jesus sich damit bei unseren religiösen Führen ganz schön stinkig gemacht,“ erwidert Jakobus.

Da hören die beiden lautes Rufen, erst undeutlich, dann klarer: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich unser“ und nochmal schreien die zwei Blinden: „Herr Jesus, Du Sohn Davids erbarme dich unser!“

„Du Jakobus,“ ruft Judas, „Jesus bleibt tatsächlich stehen und rührt ihre Augen an. – Sie stehen auf, hüpfen herum: Sie können offensichtlich IHN und uns sehen. Die sind ja ganz aus dem Häuschen! – Sag mal, wie kommen sie eigentlich darauf, Jesus mit dem Titel Sohn Davids an zu rufen?“ 

„Soweit ich weiß“ antwortet Jakobus, „ist Sohn Davids eine andere Bezeichnung für Messias. Sie glauben also, dass Jesus der lang ersehnte heilbringende König ist. Vor 1000 Jahren hat David, der in einem Palast wohnte, Gott auch einen Palast bauen wollen.  Gott aber hat strikt abgelehnt.  ER, Gott wolle dem David ein Haus und einen Sohn schenken.  Dessen Reich sollte dann ohne Ende in Frieden bestehen.  So steht es im 2. Buch Samuel in Kapitel 7.“

Judas knurrt: „Ja, ja, das meine ich zu kennen. Ich erwarte mit allen Sinnen, dass Jesus bald seine Macht als Messias zeigt. Er soll doch endlich das Gottesreich in Israel proklamieren. Dann wird den Römern das Lachen vergehen.“

„Und unseren selbstgefälligen Gesetzeswächtern ebenso, hoffe ich,“ bemerkt Jakobus. „Aber ich werde einfach ein komisches Gefühl nicht los. Unser Meister ist in den letzten Wochen so niedergeschlagen. Mehrmals hat er von Haft, Folter und Demütigung gesprochen, die ihm bevorstehen sollen.“

Judas ist nachdenklich: „Ich glaube, er ist einfach überarbeitet. Er schläft ja kaum noch. Höchstwahrscheinlich ist er selbst in äußerster Hochspannung.“

Sie sind inzwischen vor Bethanien angelangt.

Jesus spricht sie an: „Judas, Jakobus, geht bitte mal ins Dorf. Dort findet ihr einen jungen Esel angebunden. Den bringt mir her. Wenn ihr sagt, dass ich euch schicke, geht das klar“.

„Was will er denn mit einem Esel?“ fragt Judas auf dem Weg ins Dorf. 

Als Jesus sich dann auf den Esel setzt, ist Judas sicher: „Siehst Du, er ist einfach müde.“

„Nee, ich denke, Jesus macht wahr, was der Prophet Sacharja gesagt hat: Siehe, dein König kommt auf einem Eselsfohlen, Sacharja 9,9 – Halleluja, Jesus ist unser König!“, ruft Jakobus spontan.

Judas fällt mit vielen andern in diese Huldigung ein. Schließlich skandieren alle mit zunehmender Lautstärke: „Hosianna, dem Sohn Davids, gelobt sei Jesus von Nazareth, der Messias!“ 

Dem Judas platzt vor Freude fast die Brust. „Jetzt ist der Korken gesprungen. Jerusalem ist in Sicht. Dahinein geht es jetzt. Er wird die Macht ergreifen – und wir sind dabei. Hurra, endlich!“

„Schön wär´s, aber ich bin immer noch skeptisch,“ meint Jakobus. „Siehst Du: Jesus stoppt. – Er weint! – Jesus, der Messias, weint! – Er beklagt, dass sein geliebtes Volk seinen Auftrag nicht kapiert! – Ich erinnere mich: Jesus hat mehrmals betont, dass sein Reich keine weltliche Struktur haben werde. Denk mal dran:  Er hat nie aufgewiegelt. Als sie ihn nach dem Brotwunder zum König krönen wollten, hat er sich sogar lange versteckt. Den Gescheiterten und Kranken hat er ein liebevolles JA von Gott zugesprochen. Weißt Du noch, wie er erfolgreich den Tod aus dem Mädchen des Jairus gejagt hat?  Wie er den Sturm auf dem See gestoppt und die bösen Geister das Fürchten gelehrt hat?  Du, Judas, ich denke, sein Reich hat wirklich andere Qualitäten und Reichweiten als die Macht unserer Priester und des Kaisers in Rom. Hörst Du mir eigentlich noch zu, du bist ja ganz außer dir?“

„Ja, ich höre, aber ich kann Dir nicht recht folgen. Der Sohn Davids soll doch Israel erlösen und das geht jetzt doch los!“

„Ja, aber denk mal an Jesaja 53.  Da heißt es, dass der verheißene Retter hingerichtet, sogar geschlachtet werden wird. Durch seinen Gehorsam Gott gegenüber soll er unsere Aufsässigkeit ausgleichen. Soll Israel vielleicht auf diese Weise erlöst werden?“

„Hör auf“ schreit Judas, „das wäre ja eine Katastrophe für unser Volk. Seit Jahren warten wir darauf, frei zu werden von der Fremdherrschaft. Wir erhoffen, dass Jesus die Katze jetzt aus dem Sack lässt und hier reinen Tisch macht.“

„Ja das hoffe ich auch: Aber ER hat wohl seine Weise!“ entgegnet Jakobus. „Ich fürchte, es wird ganz anders laufen, als wir es erhoffen.“

Inzwischen sind die Beiden schon mit der lobenden Menge bis zum Tempel gekommen. Eine Kinderschar empfängt Jesus mit dem Ruf:

„Hosianna, gelobt sei Jesus der Sohn Davids! Gelobt sei unser Gott, der sein Versprechen an David heute erfüllt!“

Judas, Jakobus und die ganze Christenheit stimmt an Palmsonntag mit ein:        

„Gelobt sei unser Gott, der sein Versprechen heute erfüllt!“  

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

2. April, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext für Donnerstag, den 2. April 2020:

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. (Psalm 71,17)

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

Für Simeon hat sich das Warten erfüllt. Er hat die Tage des von Gott versprochenen Retters, des Heilands noch erlebt. Sein Leben ragte noch hinein in die neue Zeit. Seine Sehnsucht ist gestillt. Simeon kann das Kind Jesus noch auf den Arm nehmen. Das Kind, das gegen die Gewalt der Mächtigen den Anspruch auf Frieden und Gerechtigkeit für alle erheben und leben wird.

Gott braucht solchen weiten Blick des Alters und die unbeirrbare Hoffnung des Glaubens. Auf Simeons Arm beginnt mit Jesus das Reich Gottes. Und so kann er ruhig als ein von Gott Geliebter sterben, dessen Hoffnungen, dessen Sehnsucht nach dem Beginn von Gottes Reich sich in seinem Leben noch erfüllt haben.

Wie ungleich schwerer haben wir heutigen es damit, solche Hoffnung auf Gottes Reich durchzuhalten

gegen die Mächte der Welt, im täglichen Getriebe unseres Lebens, das doch geprägt ist von den Anforderungen, die von der Schule, im Beruf, in der Familie, in unserem nahen und fernen Umfeld

an uns gestellt werden. Und doch erleben wir sie immer wieder, diese Momente, in denen ein Kind getröstet wird, in denen Menschen nach tiefen Enttäuschungen sich wiederaufrichten, weil sie in den Arm genommen werden, weil jemand zu ihnen sagt: Du, ich mag dich du!

Weil nach einer großen Dummheit oder einem großen Fehler jemand zu ihnen sagt: Du, ich glaube an dich!

Ich trau dir zu, dass du es beim nächsten Mal besser machst!

Das sind dann die Momente, in denen auch heute Gottes Reich beginnt!

Wenn wir diese Momente denn wahrnehmen und sie mit unsrer Hoffnung auf Gottes Reich zusammenbringen.

Wenn uns das gelingt, dann werden auch wir wie der Beter von Psalm 71 sagen können:

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Pastor Stephan Winter; Foto: privat

1. April, Pastor Stephan Winter, St. Hülfe-Heede, Diepholz

Liebe Gemeindeglieder, liebe Bürgerinnen und Bürger in unserem Kirchenkreis.

Das Bedrückende dieser Corona-Epidemie ist in diesen Tagen überall zu erspüren. Sie ist begleitet von vielen Ängsten, Sorgen und Fragen. Eine der sehr schwierigen Fragen ist, nicht zu wissen, was uns die nächsten Wochen und Monate noch alles bringen werden. Wie lange wird sie noch dauern? Was wird noch alles kommen? Wir sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels. Spüren nur die Enge und die Fragen. Solche Situationen sind wir nicht gewöhnt. Und darum verunsichern sie uns ganz besonders.

Im Studium begegneten mir Schriften des sehr berühmt gewordenen Philosophen Gadamer. Gadamer wurde sehr alt, er starb 2002 im Alter von 102 Jahren. Am Ende seines Lebens ist ihm eine Sache sehr wichtig geworden. Er sagte: „Der einzige Satz, den ich ohne Einschränkung weiter verteidigen möchte ist, dass die Menschen nicht ohne Hoffnung leben können."

Ich glaube, dass ein wichtiger Schritt zum Umgang mit der schweren Situation ist, dass wir Hoffnung brauchen. Und dass wir ehrlich mit uns selbst sein müssen, woher wir sie erwarten. Auf was setzte ich meine Hoffnung? Kann das, worauf ich hoffe, auch wegbrechen?

Hoffnung ist einer der Grundpfeiler unseres Glaubens. Die Bibel sagt: Unser Glaube ist wie das Hinein-geboren werden in die Kraft der Hoffnung. Nicht, dass die Hoffnung unsere Gegenwart von jetzt auf gleich verändert. Aber sie lässt mich anders mit ihr umgehen. Sie ist eine die Gegenwart verändernde Kraft. Eine Kraft Gottes.

Denn zu hoffen bedeutet, sich von dem Zukünftigen wie von Gegenwärtigem bestimmen zu lassen. Glaube ist dabei die Fähigkeit, mit der unsichtbaren Realität so selbstverständlich zu leben wie mit einer sichtbaren, unmittelbar zugänglichen Wirklichkeit. Glauben bedeutet dabei, sich an das zu halten, was man nicht sieht, als würde man es sehen. Hoffnung ist die Fähigkeit, aus etwas noch Zukünftigem eine solche Motivation und Freude zu beziehen, wie es normalerweise nur im gegenwärtigen Erleben möglich ist.

 

Wir wissen nicht, wie lange diese Corona-Zeit noch dauern wird und was sie uns noch alles bringen wird. Aber in einem bin ich ganz gewiss: Einer behält das letzte Wort. Und er hat uns eine Hoffnung gegeben, die nicht tot zu kriegen ist. Die auch über unser Leben hier hinausragt. Wir haben eine Hoffnung, die größer ist, die tiefer in unsere Herzen hineinreichen kann und die begleitet ist von Gottes uns einhüllendem Frieden, seiner Liebe und seiner Gnade. Und darum heißt es im Römerbrief 5,5: Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Ich wünsche Ihnen, von dieser Hoffnung geleitet zu werden und so gestärkt zu werden, dass Sie motiviert und ermutigt in die Zukunft gehen können. Gott segne Sie und beschenke Sie mit seinem Frieden, der höher ist als all unser Verstehen. Gott segne Sie und stärke Sie.

Kirche Sulingen; Foto: Kirchengemeinde Sulingen

31. März, Lektorin Marion Müller, Sulingen

Stellen Sie sich in dieser so schwierigen Zeit nicht auch oft die Frage:

Wie lange müssen wir noch aushalten, stillhalten.

Wann können wir wieder zusammen gehen, mit Freunden, den Nachbarn, den Bekannten.

Müssen wir noch weiterhin im Abseits bleiben?

Werden es noch mehr Tage, Wochen, Monate oder doch nur noch Stunden und Sekunden sein?

Ich frage mich, ob es wohl stimmt was man singt: Hinterm Horizont geht alles weiter.

Ist das so? Geht es weiter hinter dem Horizont? Gerade in einer Zeit, in der wir jetzt sind? Wo viele nicht wissen, was wird werden, wie soll ich das alles begreifen, verstehen.

Und da stellt sich mir dann schon die Frage:

Werden wir erfahren, ob es weiter geht hinter dem Horizont?

Ob es dahinter Leben gibt?

Und ob es sich lohnt darauf zu hoffen?

Da sind sicher viele Fragen, die sich jeder einzelne stellt.

Beantworten kann ich sie nicht, die Fragen, die gestellt werden.

Aber glauben will ich das, was man mir gesagt hat.

Es geht weiter hinterm Horizont…

Es gibt Leben dahinter.

Jetzt können wir es noch nicht sehen.

Wir dürfen glauben, dass da Einer ist, der den Horizont öffnet, wenn es an der Zeit ist.

Darum ist es gut, den Blick zum Horizont zu richten. Entweder vom Balkon aus oder nur aus dem Fenster. Manch einer kann sogar jetzt noch in seinen kleinen Garen gehen und den Blick nach oben erheben.

Hat nicht Jesus gesagt: Erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist da?

Das will ich glauben, gerade jetzt in einer Zeit, wo manch einer an Gott zweifelt und meint, Gott wäre ganz weit weg.

Seien wir mutig, es geht weiter und es wird wieder besser. Haben wir doch einfach Vertrauen, in den der gesagt hat; Ich habe dich je und je geliebt, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Das gilt. Heute, morgen und an jedem neuen Tag.

Ich wünsche Ihnen von Herzen den Blick nach oben zu richten, schauen Sie den Horizont an und freuen Sie sich auf den, der Ihnen entgegenkommt.

Bleiben Sie behütet.

Amen

Pastor Michael Steinmeyer; Foto: Jantje Ehlers

30. März, Pastor Michael Steinmeyer, Wagenfeld

Wenn ich in diesen Tagen die Zeitung aufschlage, scheint es dort nur ein Thema zu geben: Das Coronavirus. Auf den hinteren Seiten aber finde ich dann manchmal Dinge, die mich ebenso wenig ruhen lassen.

Da lese ich neulich zum Beispiel, dass in Indien vier Männer hingerichtet worden sind. Gehängt, weil sie vor ein paar Jahren eine junge Frau brutal vergewaltigt und ermordet haben. Ein abscheuliches Verbrechen, zweifellos. Die Mutter des Opfers spricht jetzt von einem „Sieg der Gerechtigkeit“. Nun steht es mir nicht zu, über die Gefühle einer trauernden Mutter zu urteilen. Unsere Lokalzeitung allerdings schreibt unter einem Bild feiernder Menschen ebenfalls, diese feierten den Sieg der Gerechtigkeit.

Ohne Anführungszeichen. Muss ich jetzt annehmen, dass unsere Lokalzeitung sich diese Sicht der Dinge zu eigen macht?

Dann allerdings muss ich widersprechen. Denn wenn Menschen getötet werden, kann ich darin keinen Sieg der Gerechtigkeit erkennen. Sondern einen Sieg der Unmenschlichkeit.

Wir müssen im Moment mit großen Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit leben. Warum akzeptieren wir das? Weil wir verhindern wollen, dass das Personal auf einer Intensivstation entscheiden muss: Wer wird gerettet und wer muss sterben? Wir spüren: Die Entscheidung über Leben und Tod ist zu groß für Menschen.

Die Bibel erzählt dazu eine Geschichte: Jesus hält sich im Vorhof des Tempels in Jerusalem auf. Da bringen Männer eine Frau zu ihm. Sie ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden. Wie immer wir darüber denken – für die Menschen damals ist das ein ebenso abscheuliches Verbrechen wie Mord und Vergewaltigung. Diese Männer, fromm und rechtschaffen, haben das geltende Recht auf ihrer Seite: Die Frau muss gesteinigt werden. Trotzdem fragen sie Jesus nach seiner Meinung. Wahrscheinlich hoffen sie, dass er sich in Widersprüche verwickelt. Jesus lässt sich Zeit mit der Antwort. Er denkt nach und sagt dann: „Wer von euch ohne Schuld ist, soll den ersten Stein auf sie werfen.“ Da lassen die frommen und rechtschaffenen Männer die Steine fallen und gehen. Sie lassen sich von Jesus daran erinnern: Niemand von uns hat eine völlig weiße Weste. Darum steht es uns nicht zu, über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden.

Weil Jesus uns daran erinnert, kann es für mich als Christenmenschen nur ein unbedingtes Nein zur Todesstrafe geben. Ohne jedes Wenn und Aber.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

29. März, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext für den heutigen Tag:

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142, 4)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis. (2. Korinther 1, 3-4)

In diesen Tagen ist das schwieriger als sonst mit dem Trösten: Zum Trösten gehört eigentlich körperliche Nähe, das in den Arm genommen werden!

Und gerade auf das – so empfehlen uns die Epidemiologen – sollen wir in diesen Tagen verzichten.

Wir sind damit in der gleichen Situation wie ein Kind, dem seine Erzieherin im Kindergarten erzählt hatte, wie Jesus Traurige tröstet und das nun sagt: „Aber der Herr Jesus nimmt mich nicht in den Arm und ich kann ihm keinen Kuss geben.“

Das ist wohl wahr.

Und das ist wohl auch er Grund dafür, dass es so viele ungetröstete Menschen gibt – auch in der Kirche.

Hinzu kommt, dass manche, die gern trösten wollen, nicht die richtigen Worte finden oder den Mut, auf einen traurigen Menschen zuzugehen.

Was geschieht aber, wenn jemand getröstet wird?

Eins müssen wir wissen: Das Leiden ist damit nicht einfach beseitigt!

Der Grund für die Trauer bleibt!

Auch Gott, auch unser Herr Jesus Christus nimmt das Leiden nicht weg.

Wir müssen es weiter tragen, nach einem Ausweg suchen.

Aber versprochen ist uns Christen, dass wir in unserer Trauer, in unserem Leid nicht allein gelassen sind.

Ein Theologe hat versucht, das so auszudrücken:

Gott nimmt das Leid nicht weg, aber er macht unseren Rücken stärker, es zu tragen.

Was aber können wir tun, wenn wir einen kleinen oder großen Menschen trösten wollen?

Das schlechteste sind wohl viele Worte und Reden.

Vielleicht können wir einfach zuhören, uns Zeit nehmen, nicht darauf drängen, mehr zu sagen.

Wir können mit ihm ein Stück Weg gehen, ihm das Gefühl geben, dass er reden darf, aber nicht muss.

Normalerweise können wir auch seine Hand halten, ihn behutsam in den Arm nehmen.

Dann könnte der Schmerz, das Leid gelindert sein, auch wenn die Wunde noch da ist.

Amen

Reinhard Thies; Foto: privat

28. März, Pastor Reinhard Thies, Barenburg und Varrel

Auf der Suche nach guten Nachrichten

„Das macht mich ganz krank. Im Fernsehen die ständigen Berichte über das Coronavirus. Auch die Zeitungen sind voll davon. Täglich verschlechtern sich die Zahlen. Man hört nichts anderes mehr. Gibt es keine guten Nachrichten?“ So die bange Frage einer Frau, mit der ich vor ein paar Tagen am Telefon sprach.

Dieses sorgenvolle Gefühl haben zurzeit viele. Die Unsicherheit, wie lange das so weiter gehen soll, ohne die lebenswichtigen sozialen Kontakte. Die Angst von alleinstehenden Menschen, die keinen haben, der sich um sie kümmert. Oder die Sorge, wie das mit dem Einkommen ist, wenn die Firma nichts mehr verdient. Überall hört man schlechte Nachrichten.

Wo bleiben die guten Nachrichten? Nachrichten, die wieder Mut geben und Zuversicht. Nachrichten, die einen nicht verzweifeln lassen, sondern Hoffnung schenken?

Ich denke, man muss schon etwas genauer hinschauen, wenn man sie entdecken will. Im Fernsehen sehe ich, wie abends um 18.00 Uhr in der Nachbarschaft gesungen wird. Jeder in seinem Garten oder auf dem Balkon, aber doch gemeinsam. Die Politik rauft sich zusammen und beschließt, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die finanziellen Sorgen um die Existenz abzumildern. Im Radio wird dazu aufgerufen, Menschen in der Nachbarschaft zu helfen und zum Beispiel Einkäufe zu übernehmen. Die Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bereiten sich gut vor, um jeden bedürftigen Menschen aufnehmen zu können. Und die Menschen halten Abstand, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Sie halten Abstand und rücken damit näher zusammen.

Trotz der schwierigen Zeit höre ich viele gute Nachrichten. Das Fremdwort für „Gute Nachricht“ ist „euangelion“. Die Evangelien in der Bibel, ja die Bibel insgesamt ist eine gute Nachricht. Sie weist darauf hin, dass Gott uns Menschen nicht allein lässt und den Kontakt zu uns sucht. Er gibt uns Kraft und Trost, gerade in dieser schwierigen Zeit.

Weil die Kirchen geschlossen sind, suchen viele Gemeinden nach neuen Möglichkeiten, diese gute Nachricht weiterzugeben, unter anderem über das Internet. Auf der Homepage des Kirchenkreises finden sich jeden Tag Gebete und kleine Andachten. Auch das Telefon kommt wieder vermehrt zum Einsatz. Und selbst im Hofladen eines Bauernhofs liegen in einer Papiertüte kleine Andachten der ortsansässigen Pastorin aus. Ein Blatt Papier mit einer guten Nachricht.

Gute Nachrichten! Ich wünsche Ihnen viele davon in dieser Zeit. Gott segne Sie und behüte Sie.

Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

27. März, Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Please stay at home!

Zeiten besonderer Herausforderungen sind oft auch Zeiten, in denen Menschen zueinander finden und sich solidarisieren. Das wird auch in diesen Tagen spürbar, wenn Nachbarn sich von Balkon zu Balkon „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder bereit sind, Einkäufe füreinander zu übernehmen.

Schlechte Zeiten wecken eben oft auch Gutes in uns Menschen – Gott sei Dank!

Doch wo Menschen sich solidarisch miteinander fühlen, da kommt es manchmal leider auch nicht ohne ein Feindbild aus. Und auch das ist gerade besonders in den neuen Medien zu beobachten: Menschen werden persönlich dafür angefeindet und an den Pranger gestellt, weil sie immer noch reisen, auf der Straße unterwegs sind oder mit Bargeld bezahlen. „Stay the fuck at home“ ist unter jungen Leuten gerade ein ganz beliebter hashtag. Ich erspare mir die Übersetzung.

So wichtig Aufklärung und die gegenseitige Erinnerung sind, zuhause zu bleiben und Sozialkontakte möglichst zu meiden – sie werden nur auf wache Ohren stoßen, wenn sie von Herzen kommen und zum Herzen gesprochen werden. Niemand ändert sich gerne, wenn er runter gemacht wird.

Wer aber Liebe und Fürsorge durch die Ermahnung des Gegenübers hindurch spürt, der ist vielleicht bereit, seine gerade unangebrachten Gewohnheiten zu überdenken. An dieser Einsicht sollte es besonders uns Christen nicht fehlen. Schließlich heißt es im Römerbrief im 2. Kapitel: „Wisst ihr nicht, dass euch Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Und der brasilianische Armenbischof Helder Camara hat einmal in einem Gebet geschrieben „Herr, lehre mich ein „Nein“ zu sagen, das nach „Ja“ schmeckt!“

Ich möchte mir mit diesen zwei Sätzen im Gepäck folgendes vornehmen: Sei deutlich in der Sache, aber immer freundlich in der Ansprache! Machen Sie mit? Ich glaube, dann werden wir viele Menschen für eine gute und notwendige Sache gewinnen!

Pastorin Kerstin Wackerbarth; Foto: Jantje Ehlers

26. März, Pastorin Kerstin Wackerbarth, Ströhen

Das Lied eines bekannten Liedermachers (nicht nur von Kinderliedern) gehört bereits zu meiner frühen Kindheit: „Ich schaff‘ das schon. Ich schaff‘ das ganz alleine.“ Das Lied erzählt von dem Werdegang eines kleinen Mädchens bis ins junge Erwachsenenalter, das sich an verschiedenen Stellen ihres Lebens nicht hat unterkriegen lassen, sondern sich selbst gesagt hat: „Ich schaff‘ das. Ich schaff‘ das ganz alleine.“

„Du schaffst das schon.“ – Wenn Menschen um einen herum einem nicht mehr weiterhelfen können, eine anstehende Situation zu meistern, dann bleibt ihnen in ihrer Hilflosigkeit meistens nicht mehr vielmehr als der Satz: „Du schaffst das schon.“ Und es liegt dann an dem- oder derjenigen, der/dem dieser Satz zugesprochen wird, ob dieser als Ermutigung dient oder das Stresslimit noch anhebt, weil deutlich wird: Durch dies Nadelöhr musst du allein. Hier kann dir keiner mehr helfen.

„Wir schaffen das.“ – Seit der Flüchtlingskrise 2015 ein gebrandmarkter Satz. Dabei strahlt er zum einen Optimismus aus und zum anderen geht der Satz davon aus, dass nicht ich allein mich einer Herausforderung stellen muss, sondern wir eine Gemeinschaft sind, die sich dieser Herausforderung annimmt. Und ich meine, unser Land hat durchaus das Potenzial, das eine oder andere mehr auf die Beine zu stellen, doch mensch hört lieber auf die Skeptikerinnen und Skeptiker. Sich von seinen Emotionen leiten zu lassen scheint, irgendwie populärer als mit einem wachen, aufmerksamen Blick auf die Dinge zu schauen und sich an der einen oder anderen Stelle auf das Neue oder auch einfach ganz andere einzulassen.

Gott spricht zu Josua, der im Blick darauf, dass er die Nachfolge Mose antreten soll, verzagt: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ Es ist gut, wenn ich weiß, dass ich mich im Zweifelsfall auf mich, mein Gefühl oder auch meine Intuition verlassen kann, doch selbst in dieser Situation, in der ich mich auf mich selbst zurückgeworfen fühle, bin ich nicht allein, denn da ist einer, der mit mir geht, einer, der mir nicht von der Seite weicht, sondern mir zuspricht und mich ermutigt: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin bei dir, in allem, was du tust.“ Amen.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

25. März, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg! (Psalm 118,15.16)                                

Ich möchte mit zwei Problemanzeigen in Bezug auf den Text beginnen:

-              Mit der erhobenen Rechten eines Herrn haben wir in Deutschland ja so unsere Erfahrungen!

-              Wo vom Sieg die Rede ist, da gibt es immer auch die Niederlage.

Und wo es Sieger gibt, gibt es in aller Regel auch Verlierer.

Diese Problemanzeigen scheinen mir nötig, weil es in der Losung   gar nicht um Kriegerisches, nicht um Sieger und Besiegte, um Sieg oder Niederlage geht, sondern im Kern um die Gewissheit, von der wir als Christen leben.                                 

Dies möchte ich an einer kleinen Episode deutlich machen, die so gar nichts Kriegerisches, Kämpferisches zum Inhalt hat:

Es war ein Trauergottesdienst.

In die bedrückende, schweigende Situation hinein sang plötzlich ein kleines Mädchen: „Viel Glück und viel Segen auf all´ deinen Wegen“.

Dies Geburtstagslied hatte sie im Kindergarten gelernt; mit Freuden sang sie es nun hier und zu diesem Anlass und brachte damit genau auf den Punkt, worum im christlichen Glauben im Kern geht:

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!

„Die Rechte des Herrn“ – das ist keine Siegerpose, das ist die Hand Gottes, in der wir geborgen sind!

Das ist die liebende und segnende Hand Gottes, von der wir gerade gesungen haben:

„Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.“

Das also ist die Zusage Gottes an uns: Die Angst vor dem Bösen, vor dem Tod kann noch so groß sein, sie wird uns nicht niederdrücken!

Die Liebe Gottes ist stärker als alle Gewalten der Welt!

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes

Diese Zusage gilt auch gegen den Augenschein mancher Situationen, die uns hoffnungslos erscheinen mögen!

Und diese Zusage unseres Herrn, uns in seiner liebenden und bergenden Hand zu halten, gilt selbst noch für unseren letzten Weg auf Erden, den Weg ins Grab!

Wie sollte das schöner ausgedrückt werden als dadurch, dass ein Kind am Sarg eines Verstorbenen singt:

„Viel Glück und viel Segen auf all´ deinen Wegen!“

Amen.

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

24. März, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Leben in einer besonderen Zeit

Johannes hatte sich in die Wüste zurückgezogen. Die Wüste ist ein besonderer Ort. Es ist so still, dass man die Stille hören kann. Die äußere Abwechslung so rar, dass sie nicht vom Blick ins Innere abhält. Man findet zu sich selbst - relativ störungsfrei. Und man kann auch nicht vor sich selbst weglaufen. So eine Wüste ist weitläufig.

So fand Johannes in seiner Wüste Worte mächtiger als Waffen, bleibender als Eindrücke und lebendiger als wehende Fahnen.

Und deshalb sprach sich schnell unter seinen Gefolgsleuten herum, dass es sich lohne, diese Wüste aufzusuchen. Seine Worte seien stark und hätten eine reinigende Wirkung.

Die Sehnsucht nach klaren Worten war groß. Leute aus allen Gruppen und Schichten des Landes kamen. Sie bekannten ihre Sünden, ihre Fehler, gaben ihre Schuld zu. Denn in der Wüste gab es nichts und niemanden, der sie ihnen hätte abnehmen können. Man wird doch ganz schön auf sich selbst zurückgeworfen: Du bist verantwortlich, Mensch, sieh zu.

Doch empfing Johannes die Suchenden mit offenen Armen? Das sei ferne. Er schimpfte auf sie. Zweifelte, dass sie die Umkehr ernst meinten. Wellness-Spiritualität wirft er ihnen vor.

Johannes predigt eindringlich: Tut Buße: kehrt um von euren alten Lebenswegen! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Johannes tauft sie, wäscht ihr altes Leben mit Wasser ab. In jenem Fluss, der die Wüste vom täglichen Leben trennt. (Matthäus 3,1-12)

 

Doch gehen sie nicht aus der Wüste heraus, um dann so weiter zu machen wie bisher?

Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes. (Markus 1,14)

Und er sprach in seinen Predigten nicht ein Wort gegen Johannes. Im Gegenteil: Er wiederholte dessen Bußpredigt: Kehrt um von euren alten Wegen und vertraut dem Evangelium Gottes.

Wir leben gerade in einer sehr besonderen Zeit.

Und danach? Weiter so?

Kehrt um von euren alten Wegen und vertraut.

Mehr als diese Worte haben wir nicht.

Aber diese Worte sind mächtiger als Waffen,

bleibender als Eindrücke und

lebendiger als wehende Fahnen.

Sie sind das Evangelium Gottes.

Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

23. März, Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext für Montag, den 23.03.2020

HERR, du bist's allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.

Nehemia 9,6

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14,17

Der Frühling kommt:

Die Sonne scheint öfter und wärmt!

Aus scheinbar toter Erde sprießen grüne Spitzen, Schneeglöckchen, Märzenbecher.

An scheinbar toten Zweigen springen Knospen auf!

Jede Blüte, jedes sind ein kleines Wunder!

Und wir wissen ja:

Aus Blüten werden Früchte, die uns ernähren, die unser Herz erfreuen.

Sie zeigen uns: Gott sorgt für uns immer wieder auf wunderbare Weise!

Nehmen wir das eigentlich immer wieder wahr, wie großartig alles in der Natur durch ihn abläuft!

Oder sind wir manchmal auch böse mit ihm, weil seine Wege mit uns und seiner Schöpfung anders sind, als wir uns das vorgestellt haben??

Manchmal vertrauen wir mehr der Wissenschaft, Maschinen, dem Geld, der Wirtschaft, die berechenbarer scheinen.

Wie Götter vertrauen wir manchmal Menschen, die über beeindruckende Fähigkeiten verfügen.

Da geht kann der Blick für Gottes Handeln leicht verloren gehen!

Im Lehrtext aus der Apostelgeschichte werden wir eindrücklich darauf hingewiesen, dass es Gottes Wirken ist, das uns Menschen immer wieder zu neuem Leben führt!

Dass Gott seine Menschen ernährt und ihnen Gutes tut!

Dir, Gott, gebührt die Ehre!

Öffne uns durch die aufbrechende Natur wieder die Augen für dein vielfältiges Wirken in dieser Welt und in allen Dingen!

Amen.

Claudia Rolke, Sulingen

22. März, Gemeindereferentin Claudia Rolke, Sulingen

Corona-Krise!

Jetzt leben wir schon eine Woche mit geschlossenen Schulen und einschneidenden Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Witze über das spanische Bier „Corona“ sind uns vergangen, dafür ärgern uns die egoistischen Hamsterkäufer. Manche Menschen haben „von jetzt auf gleich“ Existenzsorgen, manchen macht die Kinderbetreuung neben der Arbeit Not, manchen fällt vor lauter Zeit die Decke auf den Kopf.

Was gibt Mut? Was gibt Kraft?

Unsere Gottesdienste und Freitagsgebete sind landesweit abgesagt. In Sulingen, und sicher auch an anderen Orten, sind aber die Kirchen offen für das persönliche Gebet. In der Nikolaikirche gibt es täglich eine Sprechstunde (die Zeiten entnehmen Sie bitte dem Aushang an der Kirche), in der Kirche Mariä Heimsuchung sind die Telefonnummern des Seelsorgeteams angebracht. Auch wenn die Gottesdienste entfallen, die Seelsorge findet weiterhin statt.

Während ich dieses „Wort zum Sonntag“ schreibe kommt mir ein Text auf mein Handy: „Nicht alles ist abgesagt ... Sonne ist nicht abgesagt, Frühling ist nicht abgesagt, Liebe ist nicht abgesagt, Lesen ist nicht abgesagt, Musik ist nicht abgesagt, Phantasie ist nicht abgesagt, Freundlichkeit ist nicht abgesagt, Hoffnung ist nicht abgesagt, Beten ist nicht abgesagt.“

Der Text gefällt mir, weil er die Einladung zum Perspektivwechsel enthält. Ich bin eingeladen in diesen Zeiten der starken Veränderungen und Verunsicherungen wahrzunehmen, was es neben den Sorgen und Problemen auch noch gibt: Liebe, Phantasie, Frühling, Sonnenschein, ... Und ich darf mir einen Satz des Ignatius von Loyola (1491 – 1556) zu Eigen machen: Gottes Gegenwart ist in allen Dingen. Ich kann Gott suchen zum Beispiel im Sprechen, im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken, überhaupt in allem, was ich tue und was ich bin.

Manchmal fühlen wir uns in schweren Zeiten, als wären wir von allen guten Geistern verlassen. Aber von Gott werden wir nicht verlassen. Sein Wesen ist die Gegenwart, darum ist Gott im Hier und Jetzt zu finden. Es kann aber sein, dass Gott so nicht unseren Vorstellungen entspricht und wir darum denken, Gott hat uns verlassen. Wir werden Gott neu begegnen, wenn wir ihm erlauben, in unser derzeitiges Leben einzutreten und wenn wir bereit sind ihn in seiner Andersartigkeit zu entdecken. Dann, so hat er versprochen, wird er bei uns eintreten und mit uns Mahl halten (Offb 3, 20).

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen der ein oder andere Perspektivwechsel Mut und Kraft gibt, diese Zeit der Corona-Krise zu durchleben.

Diakon Manuel Ansperger; Foto: Jantje Ehlers

21. März, Diakon Manuel Ansperger, Projekt #startup

„Vertraut mir! Ich mach das schon!“ – Jesus steigt mit seinen Jüngern in ein Boot, weitere Boote und unterschiedlichen Menschen sind dabei. Plötzlich wird es sehr stürmisch und das Wasser schwappt in die Boote. Und Jesus? Der schläft. Seine Jünger? Sie sind aufgeregt: „Was für ein Sturm! Das überleben wir niemals!“

Ich kenne auch solche Stürme - wenn nichts mehr ist wie es war - wenn alles durcheinandergewirbelt wird - wenn nichts mehr läuft – nicht nur zu Corona-Zeiten. Mein bester Freund ist plötzlich nicht mehr da; ich habe Streit mit meiner Familie oder mit Freunden; oder ich habe Probleme bei der Arbeit. Es passieren Dinge in unserem Leben, die ich nicht mehr in der Hand habe, bei denen ich plötzlich keinen Halt mehr habe und mich nur noch verkriechen möchte.

Jede und jeder kennt diese Situationen. Ein Glück ist da jemand, der da seelenruhig auf einem schönen, weichen Kissen schläft. Vielleicht träumt er auch gerade. Dieser Jesus. Seine Jünger wecken ihn und bringen ihm die Gefahren und Sorgen, die sie gerade haben. Und was macht er? Er stellt sich hin und bedroht den Sturm. Alles ist ruhig.

Ruhig werden, das erfahre ich beim Gebet. Ich bete zu Gott und klage ihm mein Leid. Er, der alles Leben in der Hand hält, schenkt mir eine innere Ruhe und sagt einfach zu mir: „Vertrau mir, ich mach das schon!“.

Pastorin Kerstin Wackerbarth; Foto: Jantje Ehlers

20. März, Pastorin Kerstin Wackerbarth, Ströhen

We shall overcome

Yes, we believe, we will live in peace – someday.

Eines schönen Tages, daran halten wir fest, wird Frieden sein zwischen den Generationen, den Religionen, den Völkern, Rassen und Nationen.

Aufgewachsen in einem Pastorenhaushalt entschloss er sich den Weg einzuschlagen, den schon sein Vater und sein Großvater eingeschlagen hatten. Er wollte Prediger werden.

Martin Luther King hatte viel gelesen von Gottes Geist und Wesen und je länger er sich mit der „Materie“ auseinandersetzte, desto weniger kam er wieder davon los. Er hatte die befreiende Botschaft Gottes für sich entdeckt. Diese wollte er weitertragen und wie die Propheten in ihrer Situation damals die Botschaft Gottes den Menschen brachten, seiner Zeit die Botschaft Gottes bringen: Wir sind Gottes geliebte Geschöpfe und Kinder! Egal, welchen Alters, welchen Geschlechts und welcher Hautfarbe – Vor Gott sind alle Menschen gleich! Er kennt uns und ruft uns bei unserem Namen, in seine Nachfolge.

Und Martin Luther King entwickelt eine Vision „Gerechtigkeit“ auch hier bei uns. Ein Stück Gottes Reich auf Erden – schon jetzt! Martin Luther King war bereit, sich einzusetzen mit „Haut und Haar“ für seine Vision. Auf seinem Weg begegneten ihm viele, die sagten, wer eine Vision habe, sollte zum Arzt gehen.

Marin Luther King – er ging nicht zum Arzt, aber auf die Straße, ins Gefängnis und kam mit seinem „Traum“ bis nach Europa – Berlin, Oslo. Er kann andere für seinen Traum von Gerechtigkeit gewinnen und entwickelt für sich und für die, die sich seiner Bewegung anschlossen, eine Erklärung zur Selbstverpflichtung und die Kernbotschaft dieser Selbstverpflichtung lautet: „Ich verpflichte mich, im Geist der Liebe zu gehen, denn Gott ist die Liebe.“ Dem Geist der Liebe entspringt Kings Prinzip der Gewaltlosigkeit und so lautet eine weitere Verpflichtung: „Ich verpflichte mich, auf Gewalt der Faust, der Zunge und des Herzens zu verzichten.“ Auf Gewalt verzichten, auch wenn ich gerade Gewalt erfahre/erfahren habe. Die Gewalt schon im Keim ersticken, schon wenn sie sich in mein Herz schleichen will und so der Liebe Gottes Raum geben, weil Gottes Liebe strömt und fließt – unaufhaltsam und geduldig.

Auch King verlor bei Zeiten innerlich die Geduld, doch dann ließ er sich erinnern: Gott bleibt dabei und lädt ein, seinem Weg der Liebe zu folgen.

Vor Gott sind alle Menschen gleich wertvoll und bedeutsam. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, soziale Ausstattung – egal. Ungerechtigkeiten anzusprechen, anstatt hinunterzuschlucken erfordert Mut.

Dieser Mut aber speist sich aus dem Geist der Freiheit, der wiederum aus dem Geist der Liebe, die Gott ist, seine Kraft zieht. Wer oder was also ist Gott? Gott ist Richtung und gibt Orientierung und lädt ein zu tun, was dem Leben dient.

Diakon Rüdiger Fäth; Foto: Diakonisches Werk Diepholz - Syke-Hoya

19. März, Diakon Rüdiger Fäth

Die Quarantäne und der weite Raum
„Sind wir bereit?“ titelte das bekannteste deutsche Nachrichtenmagazin in seiner letzten Ausgabe. „Wie berechtigt ist die Angst?“ war das Thema einer Polit-Talkrunde nach dem Tatort des letzten Sonntags. Beides hätte sich vor nicht mal einem Monat mit gleichem Wortlaut noch auf das umfassende Flüchtlingsthema beziehen lassen. Tat es diesmal aber nicht.
Wo sind die alles bewegenden Themen von gerade mal vorgestern eigentlich geblieben, im Heute und Jetzt? Ist Syrien befriedet? Hat das  SeaWatch-Programm der Kirche nachhaltig geholfen, gibt es allseits nun „Sichere Häfen? Ist das Ertrinken im Mittelmehr gestoppt? Haben wir gelernt, dass unsere Überfremdungsfantasien letztlich doch nur rassistischen Ursprungs sind? Ist die berechtigte Existenzangst von osteuropäischen und anderen Wirtschaftsflüchtlingen und Arbeitsmigranten behoben? Zu allen diesen Fragen gehört leider ein deutliches NEIN.
Ein ebenso deutliches JA verdienen allerdings die Vorsorgemaßnahmen gegen eine Beschleunigung des exponentiellen Anstiegs unvermeidlicher COVID-19 Infektionen. Ich erlebe das als ein Dilemma, in dem ich mich gefangen fühle. Es macht mir Angst, dass ich inzwischen die Strategie der Abkapselung, der zunehmenden Vereinzelung durch immer striktere Quarantäne-Forderungen nicht nur nachvollziehbar finde, sondern sie auch selbst propagiere. Zum Beispiel durch Schließung der Übernachtungsstelle in Diepholz bis auf Weiteres, oder das vorübergehende Einstellen meiner offenen sozialen Sprechstunden im Diakonischen Werk. Ich befürchte, der Verzicht auf fast alle Sozialkontakte zerhackt uns mit der Zeit das Gefühl für notwendige Solidarität. Viele unter uns, die aus ihrem Leben die Lehre gezogen haben, sich selbst die Nächsten zu sein, erleben das als Aufwind und Bestätigung. Der Blick über den Tellerrand droht sich auch mir zunehmend zu verschleiern.
„Die Welt geht allerorts zunehmend den Bach `runter,“ beklagt sich ein Freund. „Als Vorsorge verkaufte Quarantäne schränkt unser aller Lebendigsein ein. Und was macht die Kirche?“ schimpft er, „Nichts als mal wieder nur Worte!“ Ich weiß nicht mal, was ich machen kann, um dieser Zwickmühle aus erforderlichem Selbstschutz, notwendiger Achtsamkeit für Andere sowie globaler Verantwortung zu entkommen. Noch weniger habe ich ein Rezept für das Verhalten „der Kirche“. Es stimmt, Kirche hat wieder mal viele Worte parat. Widerworte wären diesmal wirklich angesagt. Worte, die der allgemeinen Resignation widersprechen. Worte, die Hoffnung geben, die sich querlegen zur eigenen Nabelschau und den Blick wieder schärfen über den Tellerrand hinaus.
Als ein solches biblisches Widerwort gilt mir ein Vers aus Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ wird da von Gott behauptet. Was für ein Paradox in Zeiten von Corona und Quarantäne! So ist der Mensch gemeint: mit weitem Aktions- und Spielraum, mit freizügiger Mobilität zum Überbrücken von Distanzen. Hoffnung auf Überwindung macht das. Denn dieser Psalm formuliert Erfahrungswissen. Bei, durch und mit Gott ist Freizügigkeit da. Und das gilt nicht nur für mich in dieser aktuellen Zeit von Angst und Bedrängnis. Das gilt auch für die von uns weit weg gelegenden Elends- und Notgeschichten von vorgestern. Denn die werden wohl leider auch „nach Corona“ längst noch nicht erledigt sein. Und so weitet sich das Widerwort vom Impuls zur Hoffnung zu einer Aufforderung: tut was füreinander, kommt wieder in Bewegung, ihr werdet es können, denn dafür stellt Gott eure Füße auf weiten Raum.
Bleiben Sie gesund!

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

18. März, Pastorin Kathrin Wiggermann, St. Michaelis, Diepholz

Loslassen

Ein super Leben.

Mittelalt und schon alles erreicht: Frau, Haus, Kind, Auto. Sorgenfreies Einkommen durch Arbeit, die Spaß macht. Einfach traumhaft.

In ein paar Wochen geht es nach Dänemark. Zwei Wochen. Ferienhaus am Strand. Ob das schöner sein kann als der Last-Minute-Trip auf die Malediven letztens?

Egal, man muss alles mal ausprobieren. „Kumpel, was geht?“

Alles geht. Und das ist ein Traum.

So könnte das Leben ewig weitergehen. Am besten gesund. Und glücklich: die Ehe, die Schulkarriere des Kindes, das schöne Haus. Mensch, das wäre einfach toll.

Irgendetwas sagt ihm, dass in seiner Lebensberechnung noch etwas fehlt. Es ist ein vages, unbeschreibliches Gefühl, aber daran könnte er noch arbeiten. Vielleicht sollte er sich mal einen Vortrag über Lebensweisheit und Achtsamkeit gönnen. Dadurch kann man sein Lebensglück bestimmt noch optimieren und längerfristig erhalten. Schließlich ist auch in Sachen „glückliches Leben“ Nachhaltigkeit das oberste Gebot. Es sollte möglichst ewig andauern, sein schönes Leben.

Aus dem Vortrag wird schließlich ein Dialog. Ungefähr so:

„Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“

Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: „Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen.“ (Mk 10,17.21.22)

Der mit dem super Leben aber sprach: „Jesus, ich bat dich, mir zu sagen, was ich tun, nicht, was ich lassen soll.“

 

Oh Gott, das ist die schwerste aller Übungen:

Loslassen,

selbst auf das Loslassenwollen verzichten,

kein Wort mehr denken,

keinen Wunsch wünschen,

nur warten

und sich das Leben schenken lassen.

Einen recht schönen Vortrag über das Geschenk des Lebens hält jener Lehrer in

Matthäus 6, 25-34.

Es gibt Tage, an denen diese Worte einfach guttun.