Angedacht

01. April 2020
Pastor Stephan Winter; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Stephan Winter, St. Hülfe-Heede

Liebe Gemeindeglieder, liebe Bürgerinnen und Bürger in unserem Kirchenkreis.

Das Bedrückende dieser Corona-Epidemie ist in diesen Tagen überall zu erspüren. Sie ist begleitet von vielen Ängsten, Sorgen und Fragen. Eine der sehr schwierigen Fragen ist, nicht zu wissen, was uns die nächsten Wochen und Monate noch alles bringen werden. Wie lange wird sie noch dauern? Was wird noch alles kommen? Wir sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels. Spüren nur die Enge und die Fragen. Solche Situationen sind wir nicht gewöhnt. Und darum verunsichern sie uns ganz besonders.

Im Studium begegneten mir Schriften des sehr berühmt gewordenen Philosophen Gadamer. Gadamer wurde sehr alt, er starb 2002 im Alter von 102 Jahren. Am Ende seines Lebens ist ihm eine Sache sehr wichtig geworden. Er sagte: „Der einzige Satz, den ich ohne Einschränkung weiter verteidigen möchte ist, dass die Menschen nicht ohne Hoffnung leben können."

Ich glaube, dass ein wichtiger Schritt zum Umgang mit der schweren Situation ist, dass wir Hoffnung brauchen. Und dass wir ehrlich mit uns selbst sein müssen, woher wir sie erwarten. Auf was setzte ich meine Hoffnung? Kann das, worauf ich hoffe, auch wegbrechen?

Hoffnung ist einer der Grundpfeiler unseres Glaubens. Die Bibel sagt: Unser Glaube ist wie das Hinein-geboren werden in die Kraft der Hoffnung. Nicht, dass die Hoffnung unsere Gegenwart von jetzt auf gleich verändert. Aber sie lässt mich anders mit ihr umgehen. Sie ist eine die Gegenwart verändernde Kraft. Eine Kraft Gottes.

Denn zu hoffen bedeutet, sich von dem Zukünftigen wie von Gegenwärtigem bestimmen zu lassen. Glaube ist dabei die Fähigkeit, mit der unsichtbaren Realität so selbstverständlich zu leben wie mit einer sichtbaren, unmittelbar zugänglichen Wirklichkeit. Glauben bedeutet dabei, sich an das zu halten, was man nicht sieht, als würde man es sehen. Hoffnung ist die Fähigkeit, aus etwas noch Zukünftigem eine solche Motivation und Freude zu beziehen, wie es normalerweise nur im gegenwärtigen Erleben möglich ist.

Wir wissen nicht, wie lange diese Corona-Zeit noch dauern wird und was sie uns noch alles bringen wird. Aber in einem bin ich ganz gewiss: Einer behält das letzte Wort. Und er hat uns eine Hoffnung gegeben, die nicht tot zu kriegen ist. Die auch über unser Leben hier hinausragt. Wir haben eine Hoffnung, die größer ist, die tiefer in unsere Herzen hineinreichen kann und die begleitet ist von Gottes uns einhüllendem Frieden, seiner Liebe und seiner Gnade. Und darum heißt es im Römerbrief 5,5: Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Ich wünsche Ihnen, von dieser Hoffnung geleitet zu werden und so gestärkt zu werden, dass Sie motiviert und ermutigt in die Zukunft gehen können. Gott segne Sie und beschenke Sie mit seinem Frieden, der höher ist als all unser Verstehen. Gott segne Sie und stärke Sie.

Pastor

Stephan Winter