Angedacht

02. April 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext für Donnerstag, den 2. April 2020:

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. (Psalm 71,17)

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

Für Simeon hat sich das Warten erfüllt. Er hat die Tage des von Gott versprochenen Retters, des Heilands noch erlebt. Sein Leben ragte noch hinein in die neue Zeit. Seine Sehnsucht ist gestillt. Simeon kann das Kind Jesus noch auf den Arm nehmen. Das Kind, das gegen die Gewalt der Mächtigen den Anspruch auf Frieden und Gerechtigkeit für alle erheben und leben wird.

Gott braucht solchen weiten Blick des Alters und die unbeirrbare Hoffnung des Glaubens. Auf Simeons Arm beginnt mit Jesus das Reich Gottes. Und so kann er ruhig als ein von Gott Geliebter sterben, dessen Hoffnungen, dessen Sehnsucht nach dem Beginn von Gottes Reich sich in seinem Leben noch erfüllt haben.

Wie ungleich schwerer haben wir heutigen es damit, solche Hoffnung auf Gottes Reich durchzuhalten

gegen die Mächte der Welt, im täglichen Getriebe unseres Lebens, das doch geprägt ist von den Anforderungen, die von der Schule, im Beruf, in der Familie, in unserem nahen und fernen Umfeld

an uns gestellt werden. Und doch erleben wir sie immer wieder, diese Momente, in denen ein Kind getröstet wird, in denen Menschen nach tiefen Enttäuschungen sich wiederaufrichten, weil sie in den Arm genommen werden, weil jemand zu ihnen sagt: Du, ich mag dich du!

Weil nach einer großen Dummheit oder einem großen Fehler jemand zu ihnen sagt: Du, ich glaube an dich!

Ich trau dir zu, dass du es beim nächsten Mal besser machst!

Das sind dann die Momente, in denen auch heute Gottes Reich beginnt!

Wenn wir diese Momente denn wahrnehmen und sie mit unsrer Hoffnung auf Gottes Reich zusammenbringen.

Wenn uns das gelingt, dann werden auch wir wie der Beter von Psalm 71 sagen können:

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Prädikant

Rainer Triller