Angedacht

04. April 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Es geht gut aus!

Morgen feiern wir den Palmsonntag. Für viele von uns älteren Christen jährt sich damit unsere Konfirmation; an diesem Sonntag wurde in allen Kirchengemeinden Konfirmation gefeiert. Die Lokalitäten waren dadurch nicht überlastet. Gefeiert wurde ja in den meisten Familien zu Haus. Zu uns kam schon Tage vorher Tante Hertha, um das Festmenü zu bereiten, damit die vielen Gäste an der langen Tafel, die durch die ausgehängte Tür zwischen Stube und leergeräumtem Schlafzimmer gedeckt war, auch alle satt wurden.

Für Konfirmandinnen und Konfirmanden begann mit diesem Tag meist auch ein neuer Lebensabschnitt:

Die Schulzeit war zu Ende, für viele begann am 1. April mit dem Beginn einer Lehre das Berufsleben. Diese Zeiten sind längst vorüber – Kindheit und Schulzeit dauern heute länger.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche.

Dieser Sonntag führt uns hin zu dem mit Palmwedeln und Hosianna-Rufen gesäumten Weg Jesu auf einem Esel nach Jerusalem. Denn das Königtum Jesu ist eines des Friedens und der Gerechtigkeit, dem eine gewaltsame oder prunkvolle Zurschaustellung von Macht gänzlich fremd ist. Am Karfreitag erinnern wir uns dann, nachdem die Hosianna-Rufe umgeschlagen sind ins „Kreuzige ihn“, an den Tod Jesu am Kreuz von Golgatha. Dieses jähe Umschlagen der öffentlichen Meinung erinnert an die Bilder moderner Fankultur in Unterhaltung und Sport; auch dort kann Anhänglichkeit leicht ins Gegenteil umschlagen, wenn Erwartungen enttäuscht werden.

Die Karwoche mündet im Osterfest, an dem wir die Auferstehung Jesu feiern. Die Botschaft von Ostern, von Jesu Auferstehung lautet: Es geht gut aus! Das heißt im Klartext: Jesu Botschaft von Gottes Reich, in dem Lämmer und Löwen beieinander lagern werden, in dem Frieden und Gerechtigkeit und keine Schmerzen mehr sein werden, ist nicht tot zu kriegen! Die Hoffnung darauf ist stärker als alle weltliche Gewalt.

Daran werden wir in jedem Gottesdienst in unserer Moorkirche in Freistatt erinnert, wenn wir den Vers von Friedrich von Bodelschwingh an der Wand neben der Kanzel lesen: „Das Kreuz von Golgatha ist Heimat für Heimatlose“.

Mein Konfirmator Pastor Gisevius – einigen vielleicht noch bekannt aus seiner Zeit als Militärpfarrer in Diepholz – hat mir bei meiner Konfirmation am Psalmsonntag 1966 Verse aus dem 50. Kapitel des Jesaja-Buches zugesprochen: „Der Herr hat mich gerufen, dass ich höre, wie Jünger hören. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“ Dieser Vers hat mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens getragen. Manchmal, da habe ich mir gewünscht, der Herr möge etwas weniger oft rufen, aber letztlich hat er mir immer die nötigen Kräfte verliehen, die gestellten Aufgaben zu bewältigen – oder er hat mir dazu nötige Helfer und Begleiter an die Seite gestellt. Daher kann ich ihnen aus vollem Herzen sagen:

Die Botschaft von Ostern, die Botschaft Jesu stimmt und ist durch Erfahrungen belegt: Es geht gut aus!

Prädikant

Rainer Triller