Angedacht

05. April 2020

von Nele Marie Hagen und Ingo Jaeger

Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.

Soziale Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben, isoliert leben, geschlossene Restaurants - in diesen Tagen fühle ich mich in meiner Freiheit irgendwie eingeschränkt. Aber ist das wirklich so? Paulus schreibt: "Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit" (2. Korinther 3,17).

Nele-Marie Hagen hat für die Evangelische Jugend Lemförde beim Jugendandachtspreis der Landeskirche teilgenommen und dabei den 3. Platz belegt. Ihre Gedanken fallen mir nun wieder ein, denn sie hat lange vor der Corona-Pandemie den Paulus-Vers folgendermaßen ausgelegt:

"Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ – Umgekehrt bedeutet dies doch, wo der Geist Gottes nicht ist, da ist keine Freiheit.

Keine Freiheit – Was genau heißt das? Keine Freiheit – Gefangen und eingesperrt sein?

Ich selbst fühle mich oft gefangen in mir. Es fällt mir schwer, mich aus meinen eigenen Zwängen zu lösen.

Ich möchte euch dazu eine kurze Geschichte erzählen: morgens stehe ich auf, tappe ins Bad, wasche mir das Gesicht, schaue in den Spiegel und gehe in Gedanken schon durch meinen Tag. Was habe ich heute in der Schule zu erledigen? Muss ich eine Präsentation halten? Oder vor der Klasse stehen? Wo geht es nachmittags hin? Habe ich wichtige Termine? Welche Erwartungen gibt es heute an mich? Wann und wo muss ich glänzen?

All diese Dinge gehen mir durch den Kopf und verursachen schon kurz nach dem Aufstehen einen inneren Druck, während ich zwischen einem roten T-Shirt und einer blauen Bluse entscheide. Völlig unwichtig eigentlich. In der Schule unterhalte ich mich mit einem Mädchen aus meinem Englischkurs. In meinem Kopf schwirrt der Gedanke, dass ich sie gerne besser kennenlernen würde, ich habe das Gefühl, dass wir uns wirklich gut verstehen, sage aber nichts.

Nachmittags lerne ich, mache Hausaufgaben bis ich abends zur Theatergruppe gehe. Ich entscheide mich wieder nur für eine kleine Rolle, da ich mich sorge nicht genauso gut spielen zu können, wie die anderen. Mehr traue ich mir selber nicht zu?!

Was denkst DU jetzt? Konntest du dich in dem einen oder anderen Beispiel wiederfinden?

Manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Wieso nehme ich nicht die gelbe Hose mit dem grüngeringelten Pullover und zeige, wer in mir steckt, und in welchen Farben ich strahlen kann? Wieso sage ich nicht, „Hey, du, ich find dich echt cool!“? Ich selbst würde mich doch auch über so einen Zuspruch freuen. Und bei der Theatergruppe geht es gar nicht darum, die Hauptrolle zu spielen, sondern einfach selbst auf mich zu vertrauen, dass ich, welche Aufgabe ich auch immer habe, diese so gut es eben geht, erledigen werde, und dass genau das ausreichen wird.

Gott gibt mir die Freiheit zu leben, er schenkt mir den Glauben und reicht mir seine Hand. Er gibt mir die Freiheit mich auf ihn einzulassen, ihm zu vertrauen und mich im Glauben fallen zu lassen. Mein Gottvertrauen gibt mir die Freiheit, Neues auszuprobieren und mich zu trauen. Ich habe die Möglichkeit mich selbst auszuprobieren. Nehme ich dieses Geschenk an, erfahre ich Hoffnung. Mit diesem Geschenk, welches mir die Welt ein Stückchen weiter öffnet. Gott gibt mir Glauben, Verständnis und Hoffnung, um diese zu teilen, anderen Menschen damit zu begegnen und ihnen meine stützende Hand zu reichen." 

Auch wenn ich den Text von Nele-Marie stark gekürzt habe, wird mir im Kern wieder deutlich: Ich bin frei!

Diakon

Ingo Jaeger
Lüderstr. 54
49356 Diepholz
Tel.: 05441-7588