Angedacht

12. April 2020
Pastorin Ursula Schmidt-Lensch; Foto: privat

von Pastorin Ursula Schmidt-Lensch, Sprengel Osnabrück

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

an Karfreitag ist Jesus am Kreuz gestorben. Jesus war auf sein Leiden und auf sein Sterben vorbereitet. Im Markusevangelium lesen wir an mehreren Stellen, wie er den Jüngern sein Leiden, sein Sterben und auch die Auferstehung ankündigt. „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ Jesus hat also gewusst, dass es so kommen musste. Die Jünger konnten es nicht begreifen. Innerlich waren sie darauf nicht vorbereitet, dass es so kommen würde.

Und genauso wenig haben sie die Ankündigung der Auferstehung gehört. Eigentlich hätten sie ja nur zählen müssen: erster Tag Freitag, zweiter Tag Samstag, dritter Tag Sonntag. Und dann hätten sie freudig auf die Auferstehung warten können. Aber für sie war mit Karfreitag erst einmal alles vorbei: Jesus war tot! Jesus war gescheitert! Seine ganze Lehre war gescheitert!

Wie konnte es mit seiner Botschaft weitergehen. Doch es kam, wie Jesus es angekündigt hatte: Jesus ist wieder auferstanden. Jesus lebt! Er erscheint seinen Jüngern.

Lukas und auch Matthäus erzählen von den Frauen am leeren Grab und von Jesu Erscheinung bei den Jüngern.

In allen Erzählungen ist es so, dass Jesu Jünger, tief traurig sind über das, was geschehen ist. Dann erscheint ihnen der auferstandene Jesus. Doch sie erkennen ihn nicht sofort. Erst wenn er sich ganz „Jesus-typisch“ verhält, erkennen sie ihn. Und dann kommt endlich die große Erleichterung: Jesus lebt.

Der Evangelist Johannes erzählt uns noch die Geschichte vom ungläubigen Thomas:  Dieser kann die Berichte der anderen Jünger nicht glauben, denn er ist selbst nicht dabei gewesen. Erst als Jesus auch ihm persönlich erscheint, kann auch er glauben.

Wie können wir heute sicher sein, dass Jesus auferstanden ist?

Uns ist der Auferstandene nicht persönlich erschienen.

Gelingt es mir, Jesus selbst vertrauen, der es den Jüngern schon vorab erzählt, ja prophezeit hat? Und kann ich auch den Jüngern vertrauen, die es erlebt und weitererzählt haben bis in die heutige Zeit?

Manchmal nicht, gerade wenn es mir schlecht geht und ich die Grausamkeit der Zeit und der Welt betrachte. Und dann keimt doch wieder die Hoffnung auf und das zarte Pflänzchen des Glaubens, wenn ich die Erzählungen und die Glaubens-zeugnisse der Jünger und ihrer Nachfolger höre:

Gott hat die Welt nicht verlassen. Er ist ihr treu geblieben. Er ist in Jesus Christus durch den Tod hindurch gegangen und hat gezeigt, dass das nicht das Ende ist. Für ihn, für uns, für alle, die in Angst, Sorge und Krankheit leben müssen.

Und er bleibt bei uns in dieser Zeit, bei jeder und jedem von uns. Gut ist es, wenn wir das immer wieder zu hören und zu sehen bekommen, auch wenn es momentan für viele nicht in der direkten Ansprache von Angesicht zu Angesicht passieren kann.

Heute feiern wir gemeinsam, dass Jesus auferstanden ist, das ist gleichzeitig der innerste Kern unseres Bekenntnisses: Jesus lebt!

Gott segne Sie!

Amen.

Pastorin

Ursula Schmidt-Lensch
Lange Str. 28
49356 Diepholz
Tel.: 05441 / 544 8938