Angedacht

17. April 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der zugesagt hat, mir zu helfen. (Psalm 71, 3)

Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. (2. Timotheus 4, 18)

Nach einer langen Zeit fast unbegrenzter Möglichkeiten, lernen wir nun gerade schmerzhaft wieder, was es bedeutet, sich einschränken zu müssen. Nahrung und was nottut zum täglichen Leben, bekommen wir, dürfen wir einkaufen, wenn auch das Toilettenpapier aus mir unerfindlichen Gründen zwischendurch knapp war.

Seelische, geistliche Nahrung ist knapp in Zeiten geschlossener Kirchen. Kirchengemeinden, Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone und andere Menschen im Verkündigungsdienst haben viel Kraft, Mühen und Phantasie entwickelt, Gottes Wort, die frohe Botschaft, das Evangelium auch unter erschwerten Bedingungen weiterzusagen. Gute Erfahrungen ergaben sich daraus, manches wurde wiederentdeckt, was verschüttet war. Zum Beispiel das verabredete Singen von Abendliedern in kleinen Gruppen um 19.00 Uhr: da wurden die Verse von Matthias Claudius aus dem Jahre 1779 plötzlich hochaktuell, konnten gut nachempfunden werden.

Was hilft uns in Zeiten des Mangels, der Einschränkungen?

Christinnen und Christen haben darauf die Antwort von den 4 „Bs“ – Bibel, Bruderschaft (Gemeinschaft), Brotbrechen (Abendmahl), Beten.

Schmerzlich bewusst wurde mir und anderen in den letzten Wochen, dass Bibel und Beten ganz gut allein geht, aber Brotbrechen und (Schwestern- und) Bruderschaft einfach Gemeinschaft, körperliche Nähe, körperliches Beieinanderstehen erfordert.

Schmerzlich vermissen werden wir diese Gemeinschaft, wenn wir heute Morgen auf unserem Friedhof in Freistatt eine liebe Freundin beerdigen werden. Nur 10 Personen außer Pastorin und Organist dürfen dabei sein; in normalen Zeiten wäre unsere Kirche gefüllt gewesen bis auf den letzten Platz. Und fehlen werden der tröstende Händedruck, das in den Arm nehmen, wohl auch der Kaffeetrinken in großer Runde nach der Beerdigung; ein Ort der gemeinsamen Erinnerung an vergangene Zeiten.

„Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.“ Der Vers des Lehrtextes erinnert uns Christen kurz nach Ostern daran, dass wir hier auf Erden ohnehin keine bleibende Stadt haben, aber uns trösten lassen können mit dem, was im Hier und Jetzt schon möglich ist an Gemeinschaft und mit der Aussicht auf Gottes Himmlisches Reich, in dem wir uns einst wiederbegegnen werden und dort ewige Gemeinschaft haben werden. Amen.