Angedacht

21. April 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. (Daniel 6,24)

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! (1. Korinther 16,13)

Welch glaubensstarken Verse!

Dabei zeigt sich Glaubensstärke von zwei Seiten:

Ein Bild in einer Kinderbibel: Daniel wird aus der Löwengrube gezogen und steht da, lächelnd und unverletzt. Kein Löwe hat ihm etwas angetan. Keine Angst hat seine Seele zerfressen. Ein beeindruckendes Bild.

Dieses Frei-Sein von Angst und Voll-Sein mit Vertrauen erinnert mich an meinen Freund Eberhard; er war durch ein nervenzerstörendes Virus, das in der Gefangenschaft nach dem Krieg in seinen Körper eingedrungen war, taubblind geworden. Nie habe ich ihn mutlos erlebt. Er trug keine Blindenbinde, bewegte sich in seiner nahen Wohnumgebung ohne Blindenstock allein durch die Straßen. Machte sich allein auf weite Reisen! „Ich kann doch sprechen und andere Menschen um Hilfe bitten, mehr brauche ich nicht!“

Er hat viele Menschen um Hilfe gebeten, die ihm dann auch gewährt wurde. Natürlich lief er auch manchmal gegen Hindernisse, stieß sich den Kopf – aber das entmutigte ihn nicht!

Von ihm habe ich Glauben gelernt, habe gelernt, Vertrauen zu Gott, zu anderen Menschen zu haben. Keine Angst zu haben, anderen Menschen, meinen eigenen Kräften zu vertrauen.

Das macht stark, das macht widerständig, heute würde das wohl mit einem neuen pädagogischen Begriff Resilienz benannt.

Das ist die eine – nach innen wirkende - Seite von Glaubensstärke! 

Aber es gibt noch eine andere – nach außen wirkende – Seite von Glaubensstärke:

Solche Glaubensstärke wirkt ansteckend, fasziniert andere Menschen, die sie wahrnehmen.

Das hat Paulus wohl im Blick, wenn er den Christen in der Gemeinde in Korinth rät:

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

Paulus fordert die Christen in Korinth zum Glauben auf, damit sie andere anstecken mit solchem Glauben! Bei genauem Hinschauen entpuppt sich das als Missionsbefehl!

Glaube – solcher Glaube, wie er aus Daniel spricht, wird uns von unserem Gott anvertraut und zugetraut.

Solcher Glaube kann nicht dauerhaft erworben, aber immer wieder neu angeeignet, erfahren werden.

In solchem Glauben wird aus dem Teufelskreis von Angst und Misstrauen ein Segenskreis von Kraft und Vertrauen. Eins darf allerdings nicht verschwiegen werden: Bequem sind sie nicht, Menschen, die solchen Glauben haben und leben!

Ich wünsche Ihnen und mir, dass Gott uns immer neu solchen Glauben schenkt!