Angedacht

24. April 2020
St. Nicolai, Sulingen; Foto: Homepage Kirchengemeinde

von Dr. Ernst Funk, Prädikant in Sulingen

Der kommende Sonntag steht unter dem Wort Jesu: ICH BIN DER GUTE HIRTE. Uns alle bewegt die Sehnsucht nach Geborgenheit und guter Fürsorge.  Wie Jesus sein Wort umgesetzt hat, können wir aus folgendem erdachten Brief erahnen.  Andreas, der Bruder des Petrus, schreibt Wochen nach der Auferstehung Jesu an seine Frau Nana und die zwei Kinder in Tiberias am See Genezareth:

Meine liebe Nana, liebe Betti, lieber Jona. Seid herzlich gegrüßt,

Es ist so viel, was ich Euch mitteilen möchte. Ich will mich aber beschränken. Jesus hat mal gesagt: ICH bin der Gute Hirte.  Das kann ich voll bestätigen und will es Euch berichten. -  Als er mit uns durch die Lande gezogen ist, hat er sich besonders um die Kranken, sogar die Aussätzigen gekümmert.  Er hat nicht, wie es vorgeschrieben war, einen großen Bogen um sie gemacht.  Einige hat er sogar geheilt. – Ich hörte mal, was ein Schafhirt erzählt hatte: „Jeden Morgen, wenn die Schafe aus dem Gatter drängen, prüfe ich jedes einzelne, ob es ihm gut geht!“  Ich kann nur bezeugen: Genauso hat Jesus sich verhalten. – Große Aufregung gab es, als er einen verachteten Grenzbeamten aufforderte, sich ihm anzuschließen.  Einen Oberen dieser Geldeintreiber hat er sogar einmal zu Hause aufgesucht und ein Festmahl mitgemacht. Wir natürlich auch! – Nicht selten hat er uns in einsame Gegenden geführt. Dort hat er uns gezeigt, wie wir mit Gott reden, beten können.   Aufregend waren die Hinweise, wie Gott über uns Menschen denkt: Gott denke und fühle wie ein guter Hirte, der in seine Schafe - auch wenn sie hin und wieder eigensinnig sind - verliebt ist.

Jesus hatte uns liebevoll dreimal darauf hingewiesen, dass er schrecklich hingerichtet werde, danach aber in völlig anderer Art auferstehen werde. Wir haben das damals nicht glauben können und auch nicht wollen. ER hat einige Mal deshalb mit uns geschimpft!

Ihr wisst doch, dass ein Hirte bei seinen Schafen immer wieder die Klauen inspiziert und sorgsam reinigt. – Es war eine sehr berührende, beschämende Situation, als Jesus vor einem Abendessen vor uns kniete und uns die Füße gewaschen hat. Das werdet ihr kaum glauben, aber es war so. Wir in der Familie und unter den Jüngern waschen uns ja gerne mal gegenseitig die Köpfe – aber die Füße?!!

 

Ich werde das nie vergessen. Wahrhaftig, ein sehr fürsorglicher HIRTE war unser Herr und Meister. Er hat uns damit ins Stammbuch geschrieben, dass wir liebend für einander sorgen und nicht einer über den anderen bestimmen soll. 

Einmal sind wir durch eine weitläufige Steinwüste marschiert. Da hat er gesagt, dass der ein guter Hirte sei, der auch bereit sei, bei großer Gefahr für seine Schafe oder Ziegen sein Leben zu opfern.  Durch die plötzliche Verhaftung Jesu wurden wir schrecklich verwirrt. Wir waren am Ende. Messias sein und sich verhaften, ja ermorden lassen, das hatte gar nicht in unsere hoffnungsvolle Erwartung von ihm gepasst.

Aber so langsam lernen wir jetzt nach der Auferstehung verstehen, dass Jesus, unser Meister, Gott gegenüber die unverbrüchliche Treue geleistet hat, die kein Mensch aufbringen kann. ER sagte mir: „ Das musste so sein, damit meine Treue zum Willen Gottes auch Dir zu Gute gehalten werden kann. Ich habe deine Untreue und deine Aufsässigkeit gegen Gott mit meiner Treue ersetzt. So bist du voll und ganz richtig vor dem heiligen Gott, meinem VATER, der nun auch Dein VATER ist!“

Ist das nicht toll?  Es ist alles umgedreht. Ich bin schon Gottes Kind.  Ich muss es nicht erst mühsam erarbeiten. Jesus Christus hat in seinem Kreuzestod sein Leben für uns gegeben und hat sich damit als der wirklich GUTE HIRTE erwiesen. Ich kann einfach nicht mehr ohne diesen guten Hirten: keinen Tag und keine Nacht.