Angedacht

30. April 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext:

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. (Psalm 73,1)

Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.

(1.Johannes 3,21-22)

Kaum jemand spricht heute noch davon: „reinen Herzens sein“. Dieser Ausdruck geht zurück auf Luthers Übersetzung von Matthäus 5, 8: Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Gemeint ist etwas Zentrales:

Viele Sprichwörter und Redewendungen weisen uns darauf hin, dass das Herz wichtig ist:

Etwas von Herzen lieben, herzensgut sein, etwas auf Herz und Nieren prüfen, sein Herz am rechten Fleck haben.

Natürlich wissen wir alle, dass unser Herz das Organ ist, das uns am Leben erhält; schlägt es nicht mehr, dann leben wir nicht mehr, dann sind wir tot. In der Bibel, wie im alten Orient überhaupt, steht das Herz für die Mitte des Menschen. Nicht das Gehirn, sondern das Herz ist zuständig für Gefühle, Gedanken, Absichten und das Gewissen.

Das Herz steht für die Fähigkeit des Menschen, zu lieben, gut zu handeln und Gott zu erfahren. Ein reines Herz ist ein Herz, das frei ist von Schadstoffen: Vom Haben-Wollen und vom Nicht-Gönnen-Können, vom Ängstlich-Sein und vom Misstrauisch-Werden.

Deshalb wohl betont der Prophet Jeremia: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein (Jeremia 31, 3).

Neugierig machen mich das Wort „dennoch“ im Losungsvers und die Formulierung „denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist“ im Lehrtext.

Beides deutet darauf hin, dass es nicht so einfach ist, ein reines Herz zu haben! Wir wissen alle, wie viele Situationen es gibt in unserem Leben, die es uns schwer machen, ein reines Herz zu haben. Da werde ich enttäuscht von jemanden, da hintergeht mich jemand. da zerbricht eine Beziehung. In solchen Zusammenhängen sprechen wir dann oft davon „Das hat mir das Herz gebrochen!“ Dann schlägt unser Herz zwar noch, wir sind noch am Leben – aber die Lebensfreude ist verlorengegangen, alles ist mühsam und schwer geworden.

Genau solche Momente unseres Lebens meint der Beter von Psalm 71, wenn er spricht:

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

Er erinnert uns daran, dass wir Menschen als Krone der Schöpfung von unsrem Herrn so gemacht sind, dass wir uns an etwas freuen können, dass wir zuversichtlich sein können, dass wir lieben und geliebt werden, dass wir Hoffnung haben dürfen auch in unsicheren Zeiten!

Daher darf ich jeden Tag neu um ein reines Herz bitten, das mich öffnet, zuversichtlich auf morgen schauen und mich auf andere Menschen zugehen lässt.