Angedacht

04. Juni 2020
Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Unter Gottes Regenbogen

Seit nun einer knappen Woche toben wütende Demonstrationen in den USA. Der Grund: Ein farbiger Familienvater war bei einer Polizeikontrolle brutal getötet worden. Und wir wissen: Diese Eskalation von Gewalt ist kein Einzelfall: Eine der häufigsten Todesursachen für junge schwarze Männer in den USA ist es, von der Polizei getötet zu werden. Diese Fakten stimmen mich traurig und sie machen mich wütend, obwohl ich in einem privilegierten Land aufwachse und keiner „Risikogruppe“ für Gewalt angehöre. Wie muss es dann erst den Angehörigen den mit 46 Jahren getöteten George Floyd gehen? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Szenenwechsel: Meine zehnjährige Tochter liest ihren vierjährigen Bruder aus der Kinderbibel vor. Es geht um die Geschichte von der Arche Noah. Der Vierjährige fragt: „Warum hat Gott denn gesagt, dass von allen Tierarten zwei mit in die Arche dürfen, aber von den Menschen nicht? Warum sind nicht auch Chinesen, Afrikaner und Brasilianer mitgefahren?“ Die große Schwester antwortet: „Wahrscheinlich, weil sie sich nicht vertragen hätten!“

Ich höre die Unterhaltung aus einiger Entfernung mit an und denke: Ganz Unrecht hat sie nicht! Denn Diskriminierung wegen Hautfarbe, Herkunft oder Religion ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Woher diese Wut auf den Fremden in unserer Mitte kommt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Angst vor Geltungsverlust oder das „Sündenbockphänomen“ gelten als beliebte Erklärungsmuster. Doch wie kann das Ganze enden? Wie kommen wir dahin, dass Martin Luther Kings „I have a dream“ nicht nur ein Traum bleibt und dass Michael Jacksons „no matter if your black or white“ nicht nur ein guter Song bleibt?

Ich muss erneut an die Geschichte von der Arche Noah denken. Ganz am Ende nach der verheerenden Sintflut steht ein großer Regenbogen am Firmament. Und mit ihm das Versprechen Gottes: Nie mehr soll die Wut Überhand gewinnen über meine Liebe zu den Menschenkindern! Etwas spitzfindig könnte man sagen: Gott lernt, seine eigene Frustration und Wut über all das menschliche Versagen nicht in Rache umzuwandeln. Und ich frage mich: Können wir das vielleicht auch von Gott lernen: Nicht mit Ausgrenzung und Gewalt zu reagieren, wenn wir uns bedroht und ungerecht behandelt fühlen, sondern mit Vergebungsbereitschaft und Großherzigkeit?

Im Lehrtext für diesen Tag heißt es: So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit … bereit für das Evangelium des Friedens (Epheser 6, 14f). Damit ist eigentlich alles gesagt: Wo Menschen noch immer wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihres Glaubens diskriminiert werden, da heißt es fest zusammen zu stehen und für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten. Und dabei kann Wut sogar ein wichtiger Antrieb sein, sich nicht mit den gegebenen Umständen abzufinden. Aber unser Ziel soll dabei der Frieden sein. Denn nur er vermag es dem Teufelskreis aus Angst, Gewalt und Rache in die Speichen zu greifen. So viel steht fest: Unter Gottes Regenbogen ist Platz für alle Menschen!

Pastor

Torben Schröder
Tel.: 05442 / 913055