Angedacht

27. Juni 2020
Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Auf das Huhn gekommen

Seit etwa einem Jahr halten wir nun Hühner in unserem weitläufigen Pfarrgarten. Die Idee dazu kam eigentlich von unseren Kindern. Sie alle essen nicht nur am Sonntag gerne Eier und wollten ein Haustier haben. Und darum haben wir uns schließlich für häusliche Nutztiere in Freilandhaltung entschieden.

Dass Hühner am liebsten frei herumlaufen können wir an jedem Tag beobachten. Und die ins Nest gelegten Eier nehmen wir gerne an – nicht nur an Sonntagen. Aber auch die Beschreibung „häuslich“ passt. Denn ein Huhn weiß, wo es hingehört, wenn die Abenddämmerung einsetzt. Egal, wo unsere drei Maran-Hennen mit Namen „Messi“, „Cello“ und „Regina“ sich den Tag über getummelt haben, wenn es dunkel wird, sitzen sie wieder dicht aneinander geschmiegt auf ihrer Stange im sicheren Hühnerstall.

Dabei muss ich gelegentlich an Worte aus Psalm 84 denken: „Das Gefieder hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest (…) Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, mein König und Gott.“

Unseren gefiederten Freunden steht ein Garten von ca. 2000 Quadratmetern zur Verfügung. Wir Menschen haben uns inzwischen fast den gesamten Erdball erschlossen, um ihn zu beleben. Und Gott freut sich, wenn wir unsere Freiheit in Verantwortung vor der gesamten Schöpfung nutzen. Aber wenn es einmal finster in unserem Leben wird, wenn es uns dämmert: „Da kommt eine schwere Zeit auf mich zu!“, dann dürfen wir wissen, wohin wir gehören und bei wem wir sicher und geborgen sind – in Gottes Haus, an seiner Seite!

Wenn der Frühling naht, dann kann es sein, dass ein Huhn „gluckt“ und seine Eier ausbrüten möchte. Nun besitzen wir keinen Hahn und darum muss dieses Unterfangen fehlschlagen. Und doch hat mich die Treue unserer Henne Regina zu ihren Eiern verblüfft. Tagelang hockte sie an einem einsamen Ort auf ihnen herum, aß und trank kaum etwas und blieb sogar der Gemeinschaft der Kameradinnen fern. Nur um das im Ei vermutete, entstehende Leben zu schützen. Am Ende mussten wir unserer Regina die unbefruchteten Eier wegnehmen. Und doch habe ich keinen Zweifel daran, dass sie eine wunderbare Mamahenne abgeben würde.

Im Matthäusevangelium verwendet Jesus einmal diesen Vergleich und sagt über die Bewohner Jerusalems: „Wie oft habe ich euch versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel ...“ (Mt 23,37). Ich kann jetzt besser verstehen, was er damit meinte: Eine Henne würde wirklich alles für ihre Küken tun, selbst für die noch ungeschlüpften. So schützend und entschieden setzt sich auch Gott für seine Menschenkinder ein. Für diejenigen, die längst auf eigenen Beinen stehen und für die noch ungeborenen.

Es heißt im Volksmund: Hühner sind dumm. Aber das stimmt nicht: Manchmal haben sie uns sogar etwas über Gottes Liebe und Fürsorge zu sagen! 

Pastor

Torben Schröder
Tel.: 05442 / 913055