Angedacht

23. Mai 2020
Pastor Klaus-Joachim Bachhofer, Kirchdorf; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Klaus-Joachim Bachhofer, Kirchdorf

Gottes weites Herz

Kein Fleisch. So war das damals in der Wüste, als ein ganzes Volk auf der Flucht war aus der Sklaverei in Ägypten. Aber obwohl die Menschen nun endlich frei waren, wurde die Stimmung immer schlechter, denn sie vermissten das Fleisch, auf das sie in der Wüste verzichten mussten. Viele begannen an Gott zu zweifeln und fragten sich: Wäre es nicht besser, wieder nach Ägypten in die Sklaverei umzukehren?

Als Leser dieser Geschichte denke ich: „Was? Ein Mangel an Fleisch löst eine derart tiefe Krise im alten Israel aus? Wie absurd!  Warum sollte Gott auf so ein banales Verlangen reagieren?“

Mose, ihrem Anführer, geht die Maulerei seiner Landsleute mächtig auf die Nerven - und er wendet sich im Gebet an Gott. Gott, kannst du helfen? „Ja“, sagt Gott zu Mose, „ich kann! Ich werde sie mit so viel Fleisch überhäufen, dass sie es nicht mehr sehen können!“

Ich denke: „So viel Fleisch, dass sie es nicht mehr sehen können? Ist Gott noch zu retten? Wir heute wissen doch, wohin das führt!“

Mose kommen Zweifel an der Antwort Gottes. Er fragt: „Wie willst du so viele Menschen mit Fleisch versorgen, mitten in der Wüste?“

Da spricht Gott für Mose die Frage aus, auf die letztlich jeder Zweifel hinausläuft: Kann er, oder kann er nicht? Ist die Bitte nicht zu unwichtig? Oder, in der bildhaften Sprache der Bibel: Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?

Natürlich hat Gott die nötige Größe und auch den nötigen Humor. Natürlich kann und will er helfen. Auch, wenn das Verlangen noch so trivial erscheint.

An Fleisch mangelt es uns in Deutschland nun wirklich nicht, aber an einem verantwortlichen Umgang mit Nahrungsmitteln und mit Fleisch im Besonderen. In Zeiten von Korona müssen auch wir auf manch Liebgewonnenes verzichten. Auch ich erlebe manchmal, wie mein Gottvertrauen unter dem Druck des Verzichts zerbröselt. Dann stehe ich mit Blick auf Gott vor derselben Frage: Kann er helfen oder kann er nicht? Dannn will ich mich daran erinnern, dass für Gott nichts zu trivial ist! Er begleitet uns mit liebevollem Verständnis und Humor durch die Durststrecken des Lebens. Dazu können auch Tage ohne Fleisch auf dem Teller gehören.

Pastor

Klaus-Joachim Bachhofer
Tel.: 04273 / 5807577