Angedacht

30. Mai 2020

von Gemeindereferentin Cora Neumann, Sulingen

Haben Sie schon einmal etwas von guten „vibes“ gehört?

Unterwegs mit Jugendlichen im letzten Jahr, lächelte mir ein junges Mädchen in der Abschlussrunde unserer Kirchenfreizeit zufrieden ins Gesicht – mit den Worten: „Das hat echt Spaß gemacht. Das hätte ich nicht erwartet. Die Leute hier sind alle so chillig und überhaupt – hier sind voll die guten vibes. Können wir nicht noch bleiben?“ Zugegeben – „good vibes“ heißt schlicht übersetzt „gute Stimmung“. Da ist nichts besonders dran. Wir können sie überall finden: Im Supermarkt, wenn uns die Kassiererin freundlich bedient; in der Schule, wenn unser Lehrer mal ein Auge zudrückt mit den unfertigen Hausaufgaben; oder, bevor uns die Pandemie einholte – die gute Stimmung in Bars, Kneipen und Restaurants.

Dieses Mädchen meinte aber nicht einfach nur eine gute Stimmung. Für sie war es ganz konkret und besonders. Den von ihr genannten vibe übersetze ich für mich mit dem Geist Gottes. Es lagen Tage hinter uns, in denen wir gemeinsam gebetet und gesungen haben. Wir sind in Stille ins persönliche Nachdenken gekommen und haben Gespräche mit anderen geführt und nach Gemeinschaft mit Gott gesucht.

Dieses Wochenende an Pfingsten wird mir dieser vibe wieder ganz bewusst. Es liegen Wochen hinter uns alle, in denen wir einmal mehr ins Nachdenken gekommen sind. In denen wir uns eingeschränkt, oder anders gesagt: zurückgezogen haben. Viele haben sich mehr und mehr mit sich selbst und ihrem Leben auseinandergesetzt, haben einen Blick auf das Wesentliche im Leben werfen können. Anderen wiederum fehlte und fehlt immer noch das Durchatmen, weil sie in systemrelevante Berufe unterwegs sind.

Das diesjährige Pfingsten ist ein anderes Pfingstfest als in den Jahren zuvor. Wir halten uns weiterhin zurück, treffen uns weniger und so wirklich Stimmung will auch nicht aufkommen. Aber genau deshalb ist vielleicht in diesem Jahr das Pfingstfest ein besonderes Fest. Der Geist Gottes möchte uns einladen und auf seine Reise mitnehmen. Wir finden ihn nicht im Trubel und Lärm der Welt. Entdecken können wir ihn in der Stille, in Tugenden wie Toleranz und Rücksichtnahme und im friedlichen Miteinander. Wenn wir uns auf ihn einlassen, können wir ihn erahnen oder spüren – diesen vibe – den Geist Gottes: in Begegnungen mit Menschen, denen man ansieht, wie sehr sie mit Gott verbunden sind. Kennzeichen solcher Menschen ist die Liebe, die sie verschenken.