Angedacht

30. Juli 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Seid stille vor Gott dem HERRN, denn des HERRN Tag ist nahe. (Zefanja 1,7)

Mose hatte einst dem Volk Israel – bevor es sich auf den gefährlichen Weg durch die Wüste aus der Sklaverei in Ägypten machte – gesagt: „Der Herr wird für euch kämpfen, und ihr werdet stille sein!“

„… und ihr werdet stelle sein“: Gemeint hat Mose damit die staunende Stille, die Menschen überfällt, wenn sie Zeuge eines Wunders werden, wenn ihnen selbst etwas völlig Unerwartetes, nicht vorhersehbares geschieht. Dann fehlen uns die die Worte, dann bleibt nur noch Schweigen! Dann verschlägt es Menschen im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache!

Mose konnte so reden, weil er ja sicher war, dass die gesamte militärische Stärke Ägyptens nicht ausreichen würde, den Durchzug der Israeliten durch das Schilfmeer zu verhindern.

Nun – wir wissen aus der Bibel, dass das staunende Schweigen der Israeliten auf dem langen, beschwerlichen Weg ins gelobte Land durch die Wüste dann umschlug in Murren, ja, dass sie sich sogar zurücksehnten nach Ägypten. Wo sie sich doch kurz vorher noch unterdrückt fühlten, sich nach einem andren Leben gesehnt hatten.

Als der Prophet Zefanja Jahrhunderte später dann das „Seid stille vor Gott dem Herrn“ des Losungsverses spricht, stellt das keine gute Nachricht für das Volk Israel dar. Diesmal heißt es etwas anderes als damals, als Mose die Befreiung aus der Unterdrückung in Ägypten ankündigte!

Am „Tag des Herrn“ kämpft Gott diesmal nicht für sein Volk, tritt nicht für sein Volk ein, sondern er zieht seinen Schutz für sein Volk zurück! Und dennoch empfiehlt Zefanja dem Volk, stille zu sein. Spannende Zeiten waren das zu Zeiten Zefanjas: die religiöse und kulturelle Vielfalt war damals für viele so anziehend wie heute. In allem und jedem fanden die Menschen ein Körnchen Wahrheit. Der Glaube an Gott zählte nicht mehr. Die Menschen bauten sich ihre je eigenen Religionen aus verschiedenen Versatzstücken religiöser und esoterischer Strömungen. Soziale und moralische Regeln galten nicht mehr, was zwangsläufig zur Schwächung des Zusammenhalts der Gesellschaft führte.

Das von Zefanja angekündigte Unheil trat tatsächlich ein.

Erst nach dem babylonischen Exil kam es zur Erneuerung Israels und schließlich zur Geburt Jesu, des lange erwarteten und erhofften Heilandes. Den Lehrvers lässt der Evangelist Markus Jesus am Ende des Gleichnisses vom Sämann sprechen. Wir werden verwiesen auf das Hören von Gottes Wort:

Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Markus 4,9) Wir sind damit auf Geduld und Hoffnung verwiesen.

Ja – es gibt Hoffnung für unser Gemeinwesen, Hoffnung für unsere Welt, Gottes gute Schöpfung!

Aber es gibt keine Garantie dafür, dass alles bleibt, wie es ist, dass alles so wird, wie wir möchten!

Gottes Wege für uns und seine Schöpfung sind oft andere, als wir sie uns vorstellen können.

Aber in einem können wir gewiss sein: Gott sucht und findet uns, was immer geschieht!