Angedacht

27. März 2020
Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Please stay at home!

Zeiten besonderer Herausforderungen sind oft auch Zeiten, in denen Menschen zueinander finden und sich solidarisieren. Das wird auch in diesen Tagen spürbar, wenn Nachbarn sich von Balkon zu Balkon „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder bereit sind, Einkäufe füreinander zu übernehmen.

Schlechte Zeiten wecken eben oft auch Gutes in uns Menschen – Gott sei Dank!

Doch wo Menschen sich solidarisch miteinander fühlen, da kommt es manchmal leider auch nicht ohne ein Feindbild aus. Und auch das ist gerade besonders in den neuen Medien zu beobachten: Menschen werden persönlich dafür angefeindet und an den Pranger gestellt, weil sie immer noch reisen, auf der Straße unterwegs sind oder mit Bargeld bezahlen. „Stay the fuck at home“ ist unter jungen Leuten gerade ein ganz beliebter hashtag. Ich erspare mir die Übersetzung. 

So wichtig Aufklärung und die gegenseitige Erinnerung sind, zuhause zu bleiben und Sozialkontakte möglichst zu meiden – sie werden nur auf wache Ohren stoßen, wenn sie von Herzen kommen und zum Herzen gesprochen werden. Niemand ändert sich gerne, wenn er runter gemacht wird.

Wer aber Liebe und Fürsorge durch die Ermahnung des Gegenübers hindurch spürt, der ist vielleicht bereit, seine gerade unangebrachten Gewohnheiten zu überdenken. An dieser Einsicht sollte es besonders uns Christen nicht fehlen. Schließlich heißt es im Römerbrief im 2. Kapitel: „Wisst ihr nicht, dass euch Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Und der brasilianische Armenbischof Helder Camara hat einmal in einem Gebet geschrieben „Herr, lehre mich ein „Nein“ zu sagen, das nach „Ja“ schmeckt!“

Ich möchte mir mit diesen zwei Sätzen im Gepäck folgendes vornehmen: Sei deutlich in der Sache, aber immer freundlich in der Ansprache! Machen Sie mit? Ich glaube, dann werden wir viele Menschen für eine gute und notwendige Sache gewinnen!

Pastor

Torben Schröder
Tel.: 05442 / 913055