Angedacht

29. März 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Losung und Lehrtext für den heutigen Tag:

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142, 4)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis. (2. Korinther 1, 3-4)

 

In diesen Tagen ist das schwieriger als sonst mit dem Trösten: Zum Trösten gehört eigentlich körperliche Nähe, das in den Arm genommen werden!

Und gerade auf das – so empfehlen uns die Epidemiologen – sollen wir in diesen Tagen verzichten.

Wir sind damit in der gleichen Situation wie ein Kind, dem seine Erzieherin im Kindergarten erzählt hatte, wie Jesus Traurige tröstet und das nun sagt: „Aber der Herr Jesus nimmt mich nicht in den Arm und ich kann ihm keinen Kuss geben.“

Das ist wohl wahr.

Und das ist wohl auch er Grund dafür, dass es so viele ungetröstete Menschen gibt – auch in der Kirche.

Hinzu kommt, dass manche, die gern trösten wollen, nicht die richtigen Worte finden oder den Mut, auf einen traurigen Menschen zuzugehen.

Was geschieht aber, wenn jemand getröstet wird?

Eins müssen wir wissen: Das Leiden ist damit nicht einfach beseitigt!

Der Grund für die Trauer bleibt!

Auch Gott, auch unser Herr Jesus Christus nimmt das Leiden nicht weg.

Wir müssen es weiter tragen, nach einem Ausweg suchen.

Aber versprochen ist uns Christen, dass wir in unserer Trauer, in unserem Leid nicht allein gelassen sind.

Ein Theologe hat versucht, das so auszudrücken:

Gott nimmt das Leid nicht weg, aber er macht unseren Rücken stärker, es zu tragen.

Was aber können wir tun, wenn wir einen kleinen oder großen Menschen trösten wollen?

Das schlechteste sind wohl viele Worte und Reden.

Vielleicht können wir einfach zuhören, uns Zeit nehmen, nicht darauf drängen, mehr zu sagen.

Wir können mit ihm ein Stück Weg gehen, ihm das Gefühl geben, dass er reden darf, aber nicht muss.

Normalerweise können wir auch seine Hand halten, ihn behutsam in den Arm nehmen.

Dann könnte der Schmerz, das Leid gelindert sein, auch wenn die Wunde noch da ist.

Amen

Prädikant

Rainer Triller