Angedacht

01. Mai 2020
Pastor Torben Schröder, Barnstorf; Foto: Jantje Ehlers

von Pastor Torben Schröder, Barnstorf

Tanz in den Mai!

„Und – wo tanzt du in den Mai?“ So lautet die übliche Frage vor dem beliebten Maifeiertag. Egal ob „Tanz in den Mai“, Bollerwagentour mit Freundinnen und Freunden, Grillfest oder doch Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen – in diesem Jahr ist alles abgesagt. Und so manch einer mag sich diesmal am „Tag der Arbeit“ gar nicht so entspannt zurücklehnen und die freie Zeit genießen, weil sein Arbeitsplatz bedroht ist.

„Ohne Arbeit fühle ich mich irgendwie wertlos“, so sagte es mir neulich ein junger Mann, der sich derzeit in Kurzarbeit befindet. Und ich kann das durchaus nachvollziehen: Die vielen wertvollen Kontakte unter Kolleginnen und Kollegen und auch die Anerkennung für das Geleistete, sie fehlen einem in diesen Tagen.

In den Herrnhuter Losungen lese ich an diesem Maifeiertag ein Bibelwort von Jesus, das meine Stimmung aufhellt: „Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht... Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? … Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.“ (Matthäus 6, 28ff).

Diese Worte erinnern uns daran, dass nicht alles, was wir zum Leben brauchen, hart erarbeitet werden muss. Die wichtigsten Dinge können wir uns immer wieder nur schenken lassen und dann weiter verschenken: Liebe, Anerkennung und Geborgenheit zum Beispiel. Darum lass dir sagen: Bei Gott bist du mehr als eine Nummer im System! Du hast einen unendlich großen Wert für ihn, auch ohne etwas zu leisten! Weil Gott uns liebt, ohne seine Zuneigung an eine Bedingung zu knüpfen. „Du bist sehr gut, weil ich dich sehr gut geschaffen habe!“, das ist Gottes Zeugnis für unser Leben. Dieses Bewusstsein wischt ganz sicher nicht alle Existenzängste vom Tisch. Aber es spricht uns eine Würde zu, die kein Mensch und auch keine Arbeit uns geben oder nehmen kann.

Tanzen ist ein starker Ausdruck der inneren Gefühle. Vielleicht haben Sie Lust, mit mir in den Mai zu tanzen – in diesem Jahr von zuhause aus. Legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf und dann kann es losgehen. Finden Sie in der Bewegung einen Ausdruck für Ihre ganz eigenen Gefühle. Und vielleicht kommt Ihnen dabei ja der Gedanke: Wie gut, dass ich mich damit von niemandem bewerten lassen muss. Mein Tanzen hat keinen Nutzen für andere. Aber einen großen Wert für mich selbst. Solche Dinge sollten wir häufiger tun!

Pastor

Torben Schröder
Tel.: 05442 / 913055