Angedacht

03. Mai 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?  (2.Samuel 2,26)

Zum Frieden hat euch Gott berufen.  (1.Korinther 7,15)

Wir feiern heute den Sonntag Jubilate.

Jubilate – „jauchzet Gott, alle Lande!“ So beginnt der Psalm 66 und liefert im Vers 1 die Gebrauchsanleitung dazu: Ein Psalmlied, vorzusingen.

Und schlägt im Vers 2 noch vor: Lobsinget zu Ehren seinem Namen; rühmet ihn herrlich!

Singen werden wir noch nicht können in Gottesdiensten an diesem Sonntag!

Aber die Hoffnung besteht, dass wir am nächsten Sonntag – er heißt Kantate, übersetzt heißt das: Singet – dann endlich wieder in unseren Kirchen im Gottesdienst mit Liedern und Chorälen unseren Gott loben dürfen, uns wieder in seinem Namen versammeln können.

Vielleicht erklingt auch in einigen Kirchen dann der wunderbare Choral von Felix Mendelssohn- Bartholdy.

Oder die Kantate von Johann Sebastian Bach: Jauchzet Gott in allen Landen.

Sie künden in jubelnden, hellen Tönen von der Botschaft des Psalm 66, von der Botschaft, die wir vor drei Sonntagen an Ostern in Erinnerung an Jesu Auferstehung nach seinem Tod am Kreuz von Golgatha gefeiert haben:

Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.

Christus hat uns Gottes Liebe offenbart.

durch diese Liebe können wir als neue Menschen leben.

Darum lobsingt zur Ehre seines Namens, rühmt ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Es passt gut, dass uns Losung und Lehrtext heute – am Sonntag Jubilate Anfang Mai – zum Frieden aufrufen!

Frieden auf Erden, das macht einen neuen Aufbruch nötig, stellt uns vor die schwere Aufgabe, ein Denken aufzugeben, das sich die Lösung von Konflikten oft nur als den Sieg des Stärkeren vorstellen kann.

Vielleicht schaffen wir es tatsächlich, das Alte zu verlassen und neu aufzubrechen auf den Weg von Gottes Liebe!

An den Traum von Frieden erinnern wir uns in jedem Jahr, wenn der Frühling die Natur nach dem Winter neu erwachen lässt, die Schneeglöckchen blühen, die Blätter sprießen, das Gras grün zu wachsen beginnt.

Die gleiche Hoffnung drückt Emanuel Geibel 1841 im Frühlingsgedicht "Der Mai ist gekommen" aus, das von Justus Wilhelm Lyra 1842 nach einer alten Volksweise vertont wurde; wir kennen es alle: Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die Weite, weite Welt.

Was hindert uns eigentlich, endlich aufzubrechen in die weite, weite Welt, zu einer friedlichen Welt ohne Krieg und Hass??

Lasst uns als Gottes Kinder allen Mut zusammennehmen und Frieden stiften, damit nicht weiter das Schwert ohne Ende fressen, damit nicht daraus am Ende nur Jammer kommen wird.

Dann ist endlich alles neu geworden!