Angedacht

08. Mai 2020
Elke Haarnagel; Foto: Jantje Ehlers

von Pastorin Elke Haarnagel, Wetschen

Vielleicht haben Sie den Beitrag im Fernsehen auch gesehen: die Kindertagesstätten öffnen schrittweise. Kinder werden in kleinen Gruppen betreut und müssen einiges lernen, was wichtig ist in Coronazeiten. Das Händewaschen gehört dazu. In dieser Kindertagesstätte wird beim Händewaschen zwei Mal "Alle meine Entchen gesungen". Das dauert dann 30 Sekunden, so lange sollen wir und natürlich auch die Kinder die Hände waschen. Das ist leicht zu lernen und wohl auch jeder und jedem einsichtig: auf diese Weise schützen wir uns selbst und auch die Gesundheit anderer Menschen. Und wir haben ja Wasser und Seife, können dies anwenden. Ganz anders ist die Situation von Menschen in ärmeren Ländern dieser Erde, wo zu aller Not das Fehlen von Wasser diesen wirksamen Schutz gegen die neue gefährliche Krankheit unmöglich macht.

Also waschen wir seit Mitte März mit großer Ausdauer und Häufigkeit unsere Hände. An einem Tag kommt da ganz schön was zusammen: nach dem Einkauf, nach der Arbeit, wenn wir unterwegs waren...! Da ich sehr gerne singe, kommt mir das eine oder andere Lied in den Sinn und über die Lippen: mal aktuelle Hits, mal unsere vertrauten christlichen Gesänge. So wird das ständige Händewaschen eine willkommene Pause. Eine kleine Unterbrechung unseres Alltags, der sich ständig ändert und wo wir heute nicht wissen, welche Informationen und neue Regelungen morgen wichtig und zu beachten sind.

Das Händewaschen bleibt und wird uns bleiben und dabei auch diese Momente des Atemholens, des zu sich Findens. Wen wundert es, dass mir beim Händewaschen das Vaterunser über die Lippen kommt: diese vertrauten Worte, in die ich mich einfach hineinfallen lassen kann. Ohne die aktuellen Fragen und Gedanken weiter zu bewegen, spreche ich ganz selbstverständlich dieses Gebet, mit dem ich zu Gott liebevoll "Vater" sagen kann und weiß, er ist Tag und Nacht mein verlässliches, mir zugetanes Gegenüber. Das tut gut gerade jetzt, wo ich nahe Angehörige und gute Freunde selten oder gar nicht sehen kann.

Probieren Sie es einfach für sich aus! Vielleicht beim Hände waschen, vielleicht nach einer anderen Tätigkeit oder an einem anderen Ort als zuhause. Wie praktisch: das Vaterunser haben wir immer bei uns. Und wenn die Kirchenglocken läuten können wir wissen, jetzt beten unzählige Menschen mit uns gemeinsam: ob in einer Kirche oder zuhause, ob auf der Arbeit oder bei einem Spaziergang. Spürbare christliche Gemeinschaft an ganz unterschiedlichen Orten unseres Lebens, wunderbare und glückliche Augenblicke in diesen so bewegten Zeiten.

Und wir können sicher sein: unser treuer und liebevoller Gott wird zu uns stehen. Er wird uns neue, gute Wege finden lassen auch in allen Sorgen und großen Nöten! Etwas Ausdauer wird dazu gehören, bis wir erkennen, auf welche Weise Gott in all unseren Fragen und Unsicherheiten für uns sorgt. Auch etwas Zeit wird es brauchen, dass wir herausfinden, was Gottes Hilfe in diesen Zeiten für uns und andere sein kann. Aber diese Zeit haben wir ja: in den 30 Sekunden am Waschbecken mehrfach am Tag und beim zuhause bleiben ebenso!  Übrigens: der Refrain von "We are the champions" oder zwei Strophen von "Danke für diesen guten Morgen" passen genau in die 30 Sekunden Händewaschen. Sie haben die Wahl! Amen!

Pastorin

Elke Haarnagel
Tel.: 05446/1772