Angedacht

18. März 2020
Kathrin Wiggermann; Foto: privat

von Pastorin Kathrin Wiggermann

Loslassen

Ein super Leben.

Mittelalt und schon alles erreicht: Frau, Haus, Kind, Auto. Sorgenfreies Einkommen durch Arbeit, die Spaß macht. Einfach traumhaft.

In ein paar Wochen geht es nach Dänemark. Zwei Wochen. Ferienhaus am Strand. Ob das schöner sein kann als der Last-Minute-Trip auf die Malediven letztens?

Egal, man muss alles mal ausprobieren. „Kumpel, was geht?“

Alles geht. Und das ist ein Traum.

So könnte das Leben ewig weitergehen. Am besten gesund. Und glücklich: die Ehe, die Schulkarriere des Kindes, das schöne Haus. Mensch, das wäre einfach toll.

Irgendetwas sagt ihm, dass in seiner Lebensberechnung noch etwas fehlt. Es ist ein vages, unbeschreibliches Gefühl, aber daran könnte er noch arbeiten. Vielleicht sollte er sich mal einen Vortrag über Lebensweisheit und Achtsamkeit gönnen. Dadurch kann man sein Lebensglück bestimmt noch optimieren und längerfristig erhalten. Schließlich ist auch in Sachen „glückliches Leben“ Nachhaltigkeit das oberste Gebot. Es sollte möglichst ewig andauern, sein schönes Leben.

Aus dem Vortrag wird schließlich ein Dialog. Ungefähr so:

„Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“

Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: „Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen.“ (Mk 10,17.21.22)

Der mit dem super Leben aber sprach: „Jesus, ich bat dich, mir zu sagen, was ich tun, nicht, was ich lassen soll.“

 

Oh Gott, das ist die schwerste aller Übungen:

Loslassen,

selbst auf das Loslassenwollen verzichten,

kein Wort mehr denken,

keinen Wunsch wünschen,

nur warten

und sich das Leben schenken lassen.

Einen recht schönen Vortrag über das Geschenk des Lebens hält jener Lehrer in

Matthäus 6, 25-34.

Es gibt Tage, an denen diese Worte einfach guttun.

Pastorin

Kathrin Wiggermann
Tel.: 05441 / 1038