Angedacht

22. März 2020
Claudia Rolke, Sulingen

von Gemeindereferentin Claudia Rolke, kath. Kirchengemeinde Sulingen

Jetzt leben wir schon eine Woche mit geschlossenen Schulen und einschneidenden Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Witze über das spanische Bier „Corona“ sind uns vergangen, dafür ärgern uns die egoistischen Hamsterkäufer. Manche Menschen haben „von jetzt auf gleich“ Existenzsorgen, manchen macht die Kinderbetreuung neben der Arbeit Not, manchen fällt vor lauter Zeit die Decke auf den Kopf.

Was gibt Mut? Was gibt Kraft?

Unsere Gottesdienste und Freitagsgebete sind landesweit abgesagt. In Sulingen, und sicher auch an anderen Orten, sind aber die Kirchen offen für das persönliche Gebet. In der Nikolaikirche gibt es täglich eine Sprechstunde (die Zeiten entnehmen Sie bitte dem Aushang an der Kirche), in der Kirche Mariä Heimsuchung sind die Telefonnummern des Seelsorgeteams angebracht. Auch wenn die Gottesdienste entfallen, die Seelsorge findet weiterhin statt.

Während ich dieses „Wort zum Sonntag“ schreibe kommt mir ein Text auf mein Handy: „Nicht alles ist abgesagt ... Sonne ist nicht abgesagt, Frühling ist nicht abgesagt, Liebe ist nicht abgesagt, Lesen ist nicht abgesagt, Musik ist nicht abgesagt, Phantasie ist nicht abgesagt, Freundlichkeit ist nicht abgesagt, Hoffnung ist nicht abgesagt, Beten ist nicht abgesagt.“

Der Text gefällt mir, weil er die Einladung zum Perspektivwechsel enthält. Ich bin eingeladen in diesen Zeiten der starken Veränderungen und Verunsicherungen wahrzunehmen, was es neben den Sorgen und Problemen auch noch gibt: Liebe, Phantasie, Frühling, Sonnenschein, ... Und ich darf mir einen Satz des Ignatius von Loyola (1491 – 1556) zu Eigen machen: Gottes Gegenwart ist in allen Dingen. Ich kann Gott suchen zum Beispiel im Sprechen, im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken, überhaupt in allem, was ich tue und was ich bin.

Manchmal fühlen wir uns in schweren Zeiten, als wären wir von allen guten Geistern verlassen. Aber von Gott werden wir nicht verlassen. Sein Wesen ist die Gegenwart, darum ist Gott im Hier und Jetzt zu finden. Es kann aber sein, dass Gott so nicht unseren Vorstellungen entspricht und wir darum denken, Gott hat uns verlassen. Wir werden Gott neu begegnen, wenn wir ihm erlauben, in unser derzeitiges Leben einzutreten und wenn wir bereit sind ihn in seiner Andersartigkeit zu entdecken. Dann, so hat er versprochen, wird er bei uns eintreten und mit uns Mahl halten (Offb 3, 20).

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen der ein oder andere Perspektivwechsel Mut und Kraft gibt, diese Zeit der Corona-Krise zu durchleben.