Angedacht

24. März 2020
Kathrin Wiggermann; Foto: privat

von Pastorin Kathrin Wiggermann

Leben in einer besonderen Zeit

 Johannes hatte sich in die Wüste zurückgezogen. Die Wüste ist ein besonderer Ort. Es ist so still, dass man die Stille hören kann. Die äußere Abwechslung so rar, dass sie nicht vom Blick ins Innere abhält. Man findet zu sich selbst - relativ störungsfrei. Und man kann auch nicht vor sich selbst weglaufen. So eine Wüste ist weitläufig.

So fand Johannes in seiner Wüste Worte mächtiger als Waffen, bleibender als Eindrücke und lebendiger als wehende Fahnen.

Und deshalb sprach sich schnell unter seinen Gefolgsleuten herum, dass es sich lohne, diese Wüste aufzusuchen. Seine Worte seien stark und hätten eine reinigende Wirkung.

Die Sehnsucht nach klaren Worten war groß. Leute aus allen Gruppen und Schichten des Landes kamen. Sie bekannten ihre Sünden, ihre Fehler, gaben ihre Schuld zu. Denn in der Wüste gab es nichts und niemanden, der sie ihnen hätte abnehmen können. Man wird doch ganz schön auf sich selbst zurückgeworfen: Du bist verantwortlich, Mensch, sieh zu.

Doch empfing Johannes die Suchenden mit offenen Armen? Das sei ferne. Er schimpfte auf sie. Zweifelte, dass sie die Umkehr ernst meinten. Wellness-Spiritualität wirft er ihnen vor.

Johannes predigt eindringlich: Tut Buße: kehrt um von euren alten Lebenswegen! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Johannes tauft sie, wäscht ihr altes Leben mit Wasser ab. In jenem Fluss, der die Wüste vom täglichen Leben trennt. (Matthäus 3,1-12)

Doch gehen sie nicht aus der Wüste heraus, um dann so weiter zu machen wie bisher?

Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes. (Markus 1,14)

Und er sprach in seinen Predigten nicht ein Wort gegen Johannes. Im Gegenteil: Er wiederholte dessen Bußpredigt: Kehrt um von euren alten Wegen und vertraut dem Evangelium Gottes.

 

Wir leben gerade in einer sehr besonderen Zeit.

Und danach? Weiter so?

Kehrt um von euren alten Wegen und vertraut.

Mehr als diese Worte haben wir nicht.

Aber diese Worte sind mächtiger als Waffen,

bleibender als Eindrücke und

lebendiger als wehende Fahnen.

Sie sind das Evangelium Gottes.

Pastorin

Kathrin Wiggermann
Tel.: 05441 / 1038