Angedacht

25. März 2020
Prädikant Rainer Triller; Foto: privat

von Prädikant Rainer Triller, Freistatt

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg! (Psalm 118, 15.16)                                           

 

Ich möchte mit zwei Problemanzeigen in Bezug auf den Text beginnen:

 

-              Mit der erhobenen Rechten eines Herrn haben wir in Deutschland ja so unsere Erfahrungen!

-              Wo vom Sieg die Rede ist, da gibt es immer auch die Niederlage.

Und wo es Sieger gibt, gibt es in aller Regel auch Verlierer.

 

Diese Problemanzeigen scheinen mir nötig, weil es in der Losung   gar nicht um Kriegerisches, nicht um Sieger und Besiegte, um Sieg oder Niederlage geht, sondern im Kern um die Gewissheit, von der wir als Christen leben.                                             

Dies möchte ich an einer kleinen Episode deutlich machen, die so gar nichts Kriegerisches, Kämpferisches zum Inhalt hat:

Es war ein Trauergottesdienst.

In die bedrückende, schweigende Situation hinein sang plötzlich ein kleines Mädchen: „Viel Glück und viel Segen auf all´ deinen Wegen“.

 

Dies Geburtstagslied hatte sie im Kindergarten gelernt; mit Freuden sang sie es nun hier und zu diesem Anlass und brachte damit genau auf den Punkt, worum im christlichen Glauben im Kern geht:

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!

„Die Rechte des Herrn“ – das ist keine Siegerpose, das ist die Hand Gottes, in der wir geborgen sind!

Das ist die liebende und segnende Hand Gottes, von der wir gerade gesungen haben:

„Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.“

Das also ist die Zusage Gottes an uns: Die Angst vor dem Bösen, vor dem Tod kann noch so groß sein, sie wird uns nicht niederdrücken!

Die Liebe Gottes ist stärker als alle Gewalten der Welt!

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes

Diese Zusage gilt auch gegen den Augenschein mancher Situationen, die uns hoffnungslos erscheinen mögen!

Und diese Zusage unseres Herrn, uns in seiner liebenden und bergenden Hand zu halten, gilt selbst noch für unseren letzten Weg auf Erden, den Weg ins Grab!

Wie sollte das schöner ausgedrückt werden als dadurch, dass ein Kind am Sarg eines Verstorbenen singt:

„Viel Glück und viel Segen auf all´ deinen Wegen!“

Amen.

Prädikant

Rainer Triller