Angedacht

26. März 2020
Pastorin Kerstin Wackerbarth; Foto: Jantje Ehlers

von Pastorin Kerstin Wackerbarth, Ströhen

Das Lied eines bekannten Liedermachers (nicht nur von Kinderliedern) gehört bereits zu meiner frühen Kindheit: „Ich schaff‘ das schon. Ich schaff‘ das ganz alleine.“ Das Lied erzählt von dem Werdegang eines kleinen Mädchens bis ins junge Erwachsenenalter, das sich an verschiedenen Stellen ihres Lebens nicht hat unterkriegen lassen, sondern sich selbst gesagt hat: „Ich schaff‘ das. Ich schaff‘ das ganz alleine.“

„Du schaffst das schon.“ – Wenn Menschen um einen herum einem nicht mehr weiterhelfen können, eine anstehende Situation zu meistern, dann bleibt ihnen in ihrer Hilflosigkeit meistens nicht mehr vielmehr als der Satz: „Du schaffst das schon.“ Und es liegt dann an dem- oder derjenigen, der/dem dieser Satz zugesprochen wird, ob dieser als Ermutigung dient oder das Stresslimit noch anhebt, weil deutlich wird: Durch dies Nadelöhr musst du allein. Hier kann dir keiner mehr helfen.

 

„Wir schaffen das.“ – Seit der Flüchtlingskrise 2015 ein gebrandmarkter Satz. Dabei strahlt er zum einen Optimismus aus und zum anderen geht der Satz davon aus, dass nicht ich allein mich einer Herausforderung stellen muss, sondern wir eine Gemeinschaft sind, die sich dieser Herausforderung annimmt. Und ich meine, unser Land hat durchaus das Potenzial, das eine oder andere mehr auf die Beine zu stellen, doch mensch hört lieber auf die Skeptikerinnen und Skeptiker. Sich von seinen Emotionen leiten zu lassen scheint, irgendwie populärer als mit einem wachen, aufmerksamen Blick auf die Dinge zu schauen und sich an der einen oder anderen Stelle auf das Neue oder auch einfach ganz andere einzulassen.

Gott spricht zu Josua, der im Blick darauf, dass er die Nachfolge Mose antreten soll, verzagt: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ Es ist gut, wenn ich weiß, dass ich mich im Zweifelsfall auf mich, mein Gefühl oder auch meine Intuition verlassen kann, doch selbst in dieser Situation, in der ich mich auf mich selbst zurückgeworfen fühle, bin ich nicht allein, denn da ist einer, der mit mir geht, einer, der mir nicht von der Seite weicht, sondern mir zuspricht und mich ermutigt: „Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin bei dir, in allem, was du tust.“ Amen.

Pastorin

Kerstin Wackerbarth
Tel.: 05774 / 542