Lukas 17,5-6

13. September 2021

Eine klebrige kleine Kinderhand schiebt sich zwischen meine Finger. Schluchzen, Nase hochziehen, die tränennassen Fingerchen umfassen meine Hand und drücken sie. Wir sprechen nicht mehr; sie hat alles erzählt, was ihr auf der Seele brennt. In diesem Moment ist ihre Situation hoffnungslos, ihr Leben hat sich unumkehrbar verändert. Jemand fehlt, den ich nicht ersetzen kann. Ich kann nur mit ihr hier sein und nur noch heute; es ist der letzte Abend der Freizeit. Sie ist noch so klein und die Last ihrer Sorge scheint sie fast zu erdrücken. Resigniert sinkt ihr Kopf auf das Kissen, die schmutzigen Füßchen schieben sich unter die Bettdecke. „Willst du noch eine Geschichte hören?“, frage ich hilflos und sie nickt. In meinem Ringbuch mit den Tagesplänen, Teilnahmelisten und Programmübersichten steckt noch das Bilderbuch vom kleinen Senfkorn von der Andacht am Vormittag. Ich schlage es auf und wir schauen uns die Bilder an. Darin streiten sich die Samenkörner, wer von ihnen die Königin sei. Natürlich ist die Sonnenblume ganz weit vorne und das Senfkorn wird von allen gehänselt. „Wie groß ist ein Senfkorn?“, fragt sie mit einem letzten Schniefen. „Gib mir deine Hand,“ antworte ich und male mit meinem Kugelschreiber einen 1mm-großen Fleck in ihre Handfläche. „Das ist klein.“, sagt sie und schlägt das Bilderbuch auf meinem Schoß zu. „Ich will nicht nach Hause,“ flüstert sie., „ich schaffe das nicht.“ „Doch, du schaffst das.“, antworte ich mit fester Stimme. Ich glaube daran, denn nichts anderes ist für mich vorstellbar. Jeden Tag sprechen wir den Kindern zu, dass Gott sie beschützt und bei ihnen ist, jeden Tag beten wir und erzählen von Jesus. Auch darum glaube ich, trotz allen Unrechts, aller Zweifel; in diesem Moment glaube ich daran, dass Gott bei diesem Mädchen ist und jeden ihrer Schritte auf ihrem gerade hoffnungslosen Weg mitgeht. Ich lege die Hand auf ihren Kopf und sage: „Gott beschützt dich.“.
„Gott beschützt dich auch,“ sagt sie zu mir und ich spüre, ja, daran glaube ich. Und sie tut es auch.

Diakonin

Frauke Laging
Tel.: 05441 / 70 94 18