Röm 10,9-10

27. September 2021

Lisa hat Corona-Blues. Der Lockdown geht erst seit zwei Wochen, aber alles kam so plötzlich und niemand weiß, wie es weitergeht. Sonntag, 9 Uhr – so früh steht sie sonst nicht auf. Außer, wenn sie zur Kirche geht. Aber nicht mal der Gottesdienst darf ja stattfinden! Wenigsten da hätte sie heute ihre Freundinnen treffen können – deswegen geht sie hin und weil sie sich auch dran gewöhnt hat.
Lisas Blick fällt auf die Konfi-Mappe auf dem Schreibtisch. Sie greift danach und blättert ziellos darin herum. Da sind noch die Texte vom Kreuzweg der Jugend, bei dem sie vor Corona mitgemacht hat. Stattgefunden hat der Gottesdienst dann auch nicht mehr, stattdessen haben sie alles als Film gedreht. Aber das war nicht so spannend. Ihr schießt ein Gedanke durch den Kopf. Wäre das zu peinlich? Egal, ihr ist langweilig, irgendwas muss sie ja schließlich machen.
Sie springt auf und läuft ins Wohnzimmer. In der Glasvitrine steht ihre Taufkerze. Die stellt sie vor den Fernseher und zündet sie an, als ihre Mutter einen Blick ins Zimmer wirft.
„Sagst du Papa und Oma und Opa Bescheid? Wir feiern Gottesdienst und fangen um zehn an, nicht zu spät kommen.“
Als die Familie kommt, spielt sie über ihr Handy ein Glockengeläut von Youtube ab. Sie kichert. Irgendwie ist das doch peinlich. Aber jetzt kommt sie aus der Nummer nicht mehr heraus. Und dann denkt sie gar nicht mehr so viel nach. Sie liest Texte vom Kreuzweg-Gottesdienst, eine der Lesungen, die ihr am besten gefällt, weil sie nicht ganz so traurig ist wie die anderen. Dann das Fürbittengebet, das sie zusammen in der Gruppe geschrieben haben. „Jetzt beten wir das Vaterunser. Dazu stehen wir auf.“ Während alle laut mitbeten, sieht sie aus dem Augenwinkel, dass ihre Mutter alles mit dem Handy filmt. Da wird sie rot, aber vor Stolz und nicht, weil sie es peinlich findet. „Amen. Fertig!“ „Nein, du musst uns noch segnen,“ ruft ihre Mutter. Lisa grinst. Sie weiß nicht, was sie sagen muss. Aber sie weiß, wie man dazu die Arme hebt. „Ich segne euch.“, sagt sie. Und dann pustet sie schnell die Kerze aus.

Diakonin

Frauke Laging
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