13. November 2021

Im November ist es um 18 Uhr stockdunkel. Die Straßenlaternen verteilen ein fahles gelbes Licht und die Bäume werden kahl. Ich liebe diesen Monat, der die Welt manchmal nur wie durch ein Milchglasfenster schemenhaft erahnen lässt. Je älter ich werde, umso mehr finde ich Gefallen an abendlichen Spaziergängen. Ziellos, einfach so. Im Herbst mag ich es, mit den dichten Schuhen durch die Blätterhaufen zu schlurfen. Das ist fast so, wie im Sommer barfuß am Meer durch Priele zu waten. Der November regt zum gedanklichen Tiefgründeln an. Manche nennen das Schwermut. Mir gefällt diese Stimmung: mein eigenes Eingebundensein in die Zeit zu erspüren, mir dessen klar zu werden, dass mir meine Zeit geschenkt und ihr schon ein Punkt gesetzt ist. Ich ziehe ein vorläufiges Jahresresümee bei meinen blätterraschelnden Schritten. Noch nicht Erreichtes fällt mir ein und lockt mich zum Weitergehen. Ich liebe diese November-Unklarheit: wie und womit es wohl weitergeht, demnächst. Schön auch, dass ich weiß, wie diese blass-braune Verfärbung der Welt um mich her bald wieder zu einer sattfarbenen Buntheit wird. Auch ohne mein Zutun. Das macht mir weniger Schwermut und mehr einen leichten Sinn. Gott sei Dank.

Rüdiger Fäth, Diakon im Kirchenkreis