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„Bei uns herrscht eine guten Stimmung“

Hospizgruppen im Kirchenkreis freuen sich über neue, professionelle Adresse in Sulingen: Das Hospiz „Zugvogel“ hat eröffnet / Acht Plätze für Sterbende und ihre Angehörigen

KIRCHENKREIS/SULINGEN (mks). Eine große Entlastung für die Hospizgruppen im Kirchenkreis: Die ehren- und hauptamtlichen Helfer im Bereich der Sterbebegleitung haben ab sofort eine neue, professionelle Adresse für Austausch, Hilfe und Zusammenarbeit in der Region. In Sulingen hat das Hospiz „Zugvogel“ geöffnet. Geschäftsführerin ist Dr. Claudia Kemper, die seit langem in der Hospizarbeit des Kirchenkreises aktiv ist.

„Schon als wir 2013 den Palliativ-Stützpunkt gründeten, war klar, dass es neben dem ambulanten auch ein stationäres Angebot hier in der Region geben muss. Denn bei der alltäglichen Arbeit machten wir oft die Erfahrung: In manchen Fällen ist eine Palliativversorgung in den eigenen vier Wänden einfach nicht möglich“, sagt Claudia Kemper. „Wir freuen uns sehr, dass das, was vor fünf Jahren noch eine ‚fixe Idee‘ war, nun so schnell realisiert werden konnte.“

Innerhalb weniger Monate hatten Handwerker aus der Region die Vision nach den Plänen des Architekturbüros Himmelthür baulich umgesetzt. Erster Spatenstich auf dem Gelände an der Wiesenstraße in Sulingen Der Bau verlief reibungslos. Wir haben nicht nur den zeitlichen, sondern auch den finanziellen Rahmen eingehalten“, freut sich Kemper. Der Palliativ-Stützpunkt brachte 20 Prozent Eigenkapital in das 2,3 Millionen Euro teure Projekt ein, Zuschüsse gewährten der Landkreis Diepholz (300.000 Euro), der Landkreis Nienburg (100.000 Euro), die „Aktion Mensch“ (300.000 Euro) sowie die Klosterkammer Hannover (100.000 Euro). Darüber hinaus gingen zahlreiche Spenden von Vereinen, Organisationen und Privatpersonen ein.

Den Bedarf für ein stationäres Hospiz im Landkreis Diepholz hatten die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen festgestellt. Vergleichbare Einrichtungen sind zwischen 40 und 50 Kilometer entfernt. Der Standort Sulingen liegt mitten im „weißen Fleck“ der Hospiz-Landkarte. Nachfrage und Bedarf nehmen seit Jahren zu, „darum war es uns wichtig, hier ein regionales Angebot zu schaffen“, so Kemper. Das Einzugsgebiet umfasst die Landkreise Diepholz und Nienburg; Anfragen gibt es aber auch schon aus den Städten Bremen und Minden.

Gemäß der gesetzlichen Regelung ist das Hospiz eine rechtlich und organisatorisch eigenständige Einrichtung, in der Schwerstkranke aufgenommen werden können, mit absehbarem Lebensende finden hiereinen würdigen Lebens(Schutz)Raum. 

 Die Belegschaft bereitet sich schon seit Monaten auf ihre Aufgaben vor. „Wir haben ein wirklich engagiertes Team zusammenbekommen“, freut sich Geschäftsführerin Kemper: „Die Mit­arbeitenden haben sich ganz bewusst für die Hospiz-Arbeit und dieses Projekt entschieden - man merkt das ganz deutlich an ihrer Motivation und der guten Stimmung, die im Haus herrscht.“

Bis Oktober sollen alle 18 Vollzeitstellen besetzt sein. Und Einrichtungsleiterin Petra Brackmann ist optimistisch, dass das klappt: „Wir haben die Stellen bislang gar nicht ausschreiben müssen - es sind von Anfang an Menschen auf uns zugekommen, die Lust haben, in diesem Projekt mitzuarbeiten und es mitzugestalten.“ Neben Pflege- und Hauswirtschaftspersonal gehören medizinische Fachkräfte und Therapeuten zum Team, das die Bewohner und ihre Angehörigen begleitet. „Jeder mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Fähigkeiten“, sagt Petra Brackmann.

Das Hospiz soll ein Ort sein, an dem unheilbar Kranke rund um die Uhr Geborgenheit, Hilfe und Zuwendung finden. „Es geht schließlich um die Gestaltung der letzten Lebenszeit“, betont Claudia Kemper. Eine große Verantwortung, mit der nahe Angehörige wie Kinder und Enkel oft überfordert seien. Ihre Präsenz im „Zugvogel“ sei jedoch zu jeder Zeit erlaubt und erwünscht. Die geräumigen Bewohnerzimmer sind mit Schlafsofas eingerichtet, sodass Übernachtungsbesuche kein Problem sind. Die Patienten dürfen sogar ihre Haustiere mitbringen, wenn die Angehörigen ihre Versorgung gewährleisten. Alle Zimmer haben Zugang zu einem eigenen, teilweise überdachten Bereich im Freien. Die Türen sind so breit, dass man die Pflegebetten in den Garten schieben kann. „Wenn jemand mit einem Pferd vorbeikommen möchte - auf der Terrasse ist Platz!“, sagt Claudia Kemper und lacht.

Das Hospiz verfügt außerdem über eine mobile „Snoezelstation“, eine große, behindertengerechte Pflegebadewanne mit seitlichem Einstieg, Bewegungs- und Kreativangebote wie Yoga und Maltherapie und viele andere personelle, räumliche und technische Ausstattungen für eine individuelle, bedarfsgerechte Begleitung der Bewohner.

Herzstück des lichtdurchfluteten Gebäudes ist die offene Wohnküche. Köchin Melanie Hüsken kocht dort jeden Tag frisch. Die Vorlieben der Bewohner sind für sie das Maß aller Dinge, „und auch spontane Wünsche wie Spaghetti Bolognese oder Pommes außerhalb der gemeinsamen Mahlzeiten sind bei uns möglich.“

So haben die Planer des Hospizes auch bei der Einrichtung der Erkenntnis Rechnung getragen, dass die Küche der Raum im Haus ist, wo die wichtigsten Gespräche stattfinden. Ein monumentaler Massivholztisch lädt zu ausgedehnten Tafelrunden ein. Der erweiterte Tresen ermöglicht die Beteiligung der Bewohner beim Zubereiten der Mahlzeiten oder einen Klönschnack mit der Köchin mit Platz zum Abstellen der Kaffeetassen. Gemütliche Sessel und ein Fernseher sind ebenfalls vorhanden. „Wir wollen doch alle zusammen die Fußball-Weltmeisterschaftsspiele verfolgen!“, begründet Dr. Claudia Kemper. „Auch das gehört schließlich zum Leben.“
 

Acht Bewohnerzimmer stehen in dem insgesamt 800 Quadratmeter großen ebenerdigen Gebäude zur Verfügung. Zur Anlage gehört darüber hinaus ein großer Garten mit Rückzugs- und Begegnungsmöglichkeiten, Kräuterbeeten und Wasserspielen. Bei der Ausstattung haben die Verantwortlichen viel Wert auf Funktionalität gelegt, aber auch auf Ästhetik. Das Hospiz soll in allen Belangen ein Ort sein, an dem sich Bewohner und Angehörige wohlfühlen können.

Das hat sich schnell rumgesprochen: „Wir werden in der Region schon jetzt wahrgenommen. Schon seit Monaten gibt es Anfragen von Angehörigen, von Palliativ- und Onkologischen Stationen - das motiviert uns noch mehr“, sagt Petra Brackmann. „Das ganze Team freut sich schon seit Wochen auf den Start.“

Den Namen der Einrichtung, „Hospiz Zugvogel“, haben die Initiatoren mit Bedacht gewählt: „Wir wollen den uns anvertrauten Menschen liebevolle Wegbegleiter sein. Sie schützen, solange sie bei uns sind, und ihnen dabei helfen, dass sie loslassen können, wenn die Zeit gekommen ist. Dass sie wie ein Zugvogel bei uns Station machen können und dann, wenn der richtige Zeitpunkt für sie da ist, von der Natur gesteuert zu neuen Ufern aufbrechen.“

Martina Kurth-Schumacher

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