Das „Insel-Modell“

Groß genug, um stark zu sein. Klein genug, um nah zu bleiben.

Wie kann kirchliche Arbeit auch in Zukunft überall im Kirchenkreis gut gelingen? Mit dieser Frage hat sich die Hauptamtlichen-Runde beschäftigt. Auch die Arbeitsgruppen „Ressourcen“ und „Themenfelder“ haben Ideen und Vorschläge entwickelt. Aus all diesen Überlegungen hat die Steuerungsgruppe für den Zukunftsprozess einen Vorschlag erarbeitet: das „Insel-Modell“. Auf der Kirchenkreissynode im August 2026 wurde es als Diskussionsgrundlage vorgestellt.

Das „Insel-Modell“ soll diese Ziele miteinander verbinden:

  • Gemeinsam stärker werden: Viele Gemeinden werden es künftig zunehmend schwer haben, alle ihre Aufgaben allein zu bewältigen. Deshalb braucht es mehr Zusammenarbeit und größere Einheiten. Auch die wenigen Hauptamtlichen lassen sich so sinnvoller einsetzen. „Groß genug, um stark zu sein. Klein genug, um nah zu bleiben.“ Das machen gut organisierte, größere Einheiten und eine engere Zusammenarbeit möglich.
  • Nah bei den Menschen bleiben: Trotz größerer Einheiten müssen die Wege überschaubar sein, damit nicht unnötig Zeit auf der Straße verbracht wird. Die Gemeindemitglieder und auch die Gremien (wie zum Beispiel der Kirchenvorstand) müssen weiterhin einfach zusammenkommen können, damit genügend Zeit für persönliche Begegnungen bleibt und Kontakte gut gepflegt werden können.
  • Sich an kommunalen Grenzen orientieren: Wo es möglich ist, sollen die Grenzen der neuen Kirchengemeinden mit den Grenzen der politischen Gemeinden übereinstimmen.
  • Ehren- und Hauptamtliche entlasten: Kirchenvorstandsmitglieder und Mitarbeitende im Verkündigungsdienst sollen weniger Zeit mit Verwaltung verbringen müssen.
  • Aufgaben sinnvoll verteilen: Pastor*innen und Diakon*innen sollen im gesamten Kirchenkreis gerecht eingesetzt werden. Manche Aufgaben müssen direkt vor Ort bleiben, andere lassen sich besser für mehrere Gemeinden gemeinsam auf Kirchenkreisebene organisieren.
  • Flexibel bleiben: Wenn sich die Rahmenbedingungen weiter verändern, soll sich die neue Struktur möglichst einfach anpassen lassen.

Vier Inseln statt drei Regionen

Mehr über das „Insel-Modell" erfahren Sie hier - einfach und ausführlich erklärt in einem kurzen Film: https://youtu.be/b080o82Wjyc.

Das „Insel-Modell“ schlägt vor, im Kirchenkreis künftig in vier Kirchengemeinden zusammenzuarbeiten statt wie bisher in drei Regionen. Diese vier Gemeinden sollen ungefähr gleich groß sein – derzeit jeweils rund 10.000 Gemeindeglieder. In den 2030er-Jahren werden es voraussichtlich jeweils etwa 8.000 sein.

Im Modell heißen die vier Kirchengemeinden „Inseln“. Jede Insel hat einen eigenen Kirchenvorstand, zwei Pastor*innen, eine*n Gemeindemanager*in und ein gemeinsames Gemeindebüro mit verschiedenen Sekretär*innen. Gerade am Anfang kann es dabei auch noch mehrere Bürostandorte geben.

Weiterhin unverzichtbar sind die vielen Ehrenamtlichen, die das kirchliche Leben vor Ort gestalten. Ergänzend können Beiräte, Ausschüsse oder Beauftragte die Arbeit auf Ortsebene unterstützen.

Das Inselmodell im Film erklärt - klicken Sie hier: +

Gemeindemanager*innen verschaffen mehr Zeit für die Kernaufgaben

Die hauptamtlichen Gemeindemanager*innen sollen die Kirchenvorstände und Pastor*innen von ihren vielen Verwaltungsaufgaben entlasten. Dazu gehören beispielsweise die Vor- und Nachbereitung von Kirchenvorstandssitzungen, die Begleitung von Baumaßnahmen und Fragen der Gemeindeorganisation.

So gewinnen die Kirchenvorstände mehr Zeit für inhaltliche Fragen und die Pastor*innen mehr Freiraum für ihre eigentlichen pastoralen Aufgaben.

Die Inselpastor*innen übernehmen die klassischen pastoralen Aufgaben, etwa Gottesdienste und Seelsorge. Sie sind Mitglieder im jeweiligen Kirchenvorstand und halten den Kontakt zum Sozialraum. Gemeinsam mit den Kirchenvorstandsmitgliedern sind sie die Ansprechpersonen und Gesichter der Kirche vor Ort.
Die räumliche Nähe spielt dabei eine wichtige Rolle. Durch überschaubare Entfernungen innerhalb der Inseln können Beziehungen leichter aufgebaut und gepflegt werden.

Gemeinsam unterwegs und für alle da: Die Freischwimmer*innen

Die vier Inseln sollen eigenständig arbeiten können und zugleich untereinander eng verbunden bleiben. Dafür sind inselübergreifend vier Pfarrstellen und fünf Diakon*innenstellen vorgesehen. Die Mitarbeitenden auf diesen Stellen werden im Modell „Freischwimmer*innen“ genannt.

Die „freischwimmenden“ Pfarrpersonen unterstützen die Inselpastor*innen bei Gottesdiensten und Kasualien. Sie übernehmen außerdem kurzfristig Vertretungen, wenn eine Stelle vakant ist, jemand erkrankt oder Mitarbeitende an einer Fortbildung teilnehmen.
Gemeinsam mit den Diakon*innen kümmern sie sich um Aufgaben, die sich sinnvoll für mehrere Inseln bündeln lassen. Dazu gehören insbesondere die Kinder-, Jugend-, Familien- und Konfirmand*innenarbeit sowie Angebote für junge Erwachsene.

Auch die Kasualagentur „Ankerzeit“ ist für alle Inseln da. Darüber hinaus gibt es bereits Überlegungen zu weiteren Angeboten – für ältere Erwachsene, zur Senior*innenarbeit und zur religionspädagogischen Begleitung der Kindertagesstätten.

So können die Inseln ihre Eigenständigkeit bewahren und zugleich von gemeinsamen Angeboten, gegenseitiger Unterstützung und neuen Ideen profitieren.

Was ist langfristig finanzierbar?

Nach der derzeitigen finanziellen Prognose kann der Kirchenkreis in den 2030er-Jahren neben den Gemeindesekretär*innen und Küster*innen folgende Stellen finanzieren:

  • Vier Gemeindemanager*innen
  • Fünf Diakon*innenstellen
  • 13 Pfarrstellen: acht Inselpastor*innen, vier Freischwimmer*innen und eine Leitungsstelle

Schritt für Schritt in die Zukunft

Das Inselmodell soll nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, sondern Schritt für Schritt. Auch Pastor*innen, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, können ihre Stellen bis dahin weiter ausfüllen – in Zusammenarbeit mit den anderen Inselpastor*innen.

So soll eine Struktur entstehen, die auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet ist, die Arbeit vor Ort stärkt und zugleich Raum für Zusammenarbeit und neue Ideen schafft.