Was ist das „Insel-Modell“?
Der Vorschlag sieht vor, die Gemeinden des Kirchenkreises künftig in vier größere Einheiten – die sogenannten Inseln – zusammenzufassen. Jede Insel soll eine eigene Kirchengemeinde mit einem Kirchenvorstand bilden. Die Ortsgemeinden und ihre gewachsenen Beziehungen sollen dabei nicht einfach verschwinden. Kirchen, Gemeindehäuser, Ansprechpersonen und Angebote vor Ort sollen, wo es möglich und sinnvoll ist, erhalten bleiben.
Jede Insel soll von zwei fest zugeordneten Pastor*innen betreut werden. Hinzu kommen ein*e Gemeindemanager*in und ein gemeinsames Gemeindebüro. Ergänzend gibt es Mitarbeiter*innen, die inselübergreifend arbeiten und dort unterstützen, wo sie gebraucht werden – die sogenannten „Freischwimmer“.
Sind vier Inseln nicht zu klein gedacht? Prof. Dr. Christoph Goos (Professor für Öffentliches Recht, Juristischer Vizepräsident im Landeskirchenamt und Experte für kirchliche Veränderungsprozesse) empfiehlt beispielsweise Gemeinden mit 10.000 bis 15.000 Mitgliedern oder mehr.
Prof. Dr. Goos hat als Referent bei unserer letzten Kirchenkreissynode darauf hingewiesen, dass größere Einheiten multiprofessionelle Teams ermöglichen und Aufgaben besser verteilen können. Das ist ein wichtiger Gedanke für den Zukunftsprozess.
Zwei sehr große Einheiten würden im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz allerdings auch große Entfernungen und zusätzliche Wege mit sich bringen. Es könnte schwieriger werden, die Verbindung zwischen den einzelnen Orten, den Menschen vor Ort und dem Kirchenvorstand zu halten.
Vier Inseln sollen deshalb einen Mittelweg ermöglichen: Sie sind groß genug, um Aufgaben sinnvoll zu bündeln, und überschaubar genug, damit Beziehungen und örtliche Besonderheiten nicht aus dem Blick geraten. Sollte sich die Situation langfristig deutlich verschlechtern, könnte auch eine weitere Zusammenlegung geprüft werden.
Schafft sich die Kirche auf dem Land mit dem „Insel-Modell“ nicht selbst ab?
Im Gegenteil: Der Zukunftsprozess soll dazu beitragen, dass kirchliches Leben auch unter veränderten Bedingungen möglich bleibt. Wenn weniger Menschen und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, müssen Aufgaben und Zuständigkeiten so organisiert werden, dass die vorhandenen Ressourcen gut eingesetzt werden können.
Die Insel-Pastor*innen und die inselübergreifend arbeitenden „Freischwimmer“-Pastor*innen und -Diakon*innen sollen gemeinsam dafür sorgen, dass unterschiedliche Menschen und Lebensphasen im Blick bleiben. Das „Insel-Modell“ ist ein Vorschlag, um Kirche vor Ort verlässlich, vielfältig und zukunftsfähig zu gestalten – nicht, um sie abzuschaffen.
Warum sollen nicht alle Pastor*innen fest einer Insel zugeordnet werden?
Nicht alle Pastor*innen arbeiten auf dieselbe Weise. Manche möchten vor allem in einer Gemeinde präsent sein, andere bringen besondere Fähigkeiten mit oder arbeiten gern über Gemeindegrenzen hinweg. Das „Insel-Modell“ soll beides ermöglichen.
Die sogenannten „Freischwimmer*innen“ übernehmen Aufgaben, die nicht auf jeder Insel einzeln angeboten werden können. Sie unterstützen beispielsweise in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, mit Konfirmand*innen, jungen Erwachsenen, älteren Menschen oder in der religionspädagogischen Arbeit mit Kitas. Außerdem übernehmen sie Gottesdienste, Kasualien und Vertretungen und können bei Krankheit, Fortbildung oder unbesetzten Stellen schnell einspringen.
Ohne diese zusätzlichen Kräfte müssten die Pastor*innen der Inseln solche Aufgaben untereinander auffangen. Das könnte zu einer hohen Belastung führen.
Unterschiedliche Aufgabenprofile können außerdem den Beruf attraktiver machen und besser zu den jeweiligen Interessen und Stärken von Mitarbeitenden passen.
Auch die Gremienarbeit spielt eine Rolle: Insel-Pastor*innen gehören von Amts wegen dem jeweiligen Kirchenvorstand an. Mehr fest zugeordnete Pfarrpersonen würden daher auch mehr Sitzungszeit und Abstimmungsaufwand bedeuten.
Welche Aufgaben übernehmen die Gemeindemanager*innen? Werden die Gemeindesekretär*innen etwa dadurch ersetzt?
Nein. Gemeindemanager*innen sollen vor allem die organisatorischen und administrativen Aufgaben der Kirchengemeinden koordinieren und dadurch Kirchenvorstände und Pastor*innen entlasten. Sie ersetzen nicht die Gemeindesekretär*innen. Die Gemeindebüros und ihre Mitarbeitenden sollen weiterhin wichtige Anlaufstellen bleiben. Wie die Büros innerhalb einer Insel organisiert werden – beispielsweise mit einem zentralen Büro oder mehreren Standorten – soll vor Ort beraten werden. Langfristig kann eine stärkere Bündelung sinnvoll sein, wenn dadurch Ressourcen eingespart werden, ohne die Erreichbarkeit unnötig zu erschweren.
Was ist mit der Kirchenmusik? Ist sie im „Insel-Modell“ überhaupt mitgedacht?
Die Kirchenmusik muss im weiteren Prozess noch genauer betrachtet werden. Derzeit gibt es im Kirchenkreis zwei klassische Kantor*innenstellen. Ab Frühjahr 2027 kommt eine halbe Stelle für das Popkantorat hinzu. Nun muss geklärt werden, welche Aufgaben künftig finanziert werden können und wie die Kirchenmusik am besten organisiert wird. Denkbar ist beispielsweise, bestimmte Angebote stärker auf Kirchenkreisebene anzusiedeln und mit den inselübergreifenden Aufgaben zu verbinden. Eine abschließende Lösung gibt es dazu noch nicht.
Was passiert mit den bestehenden Regionen und der bisherigen Zusammenarbeit?
Die drei bisherigen Regionen West, Mitte und Sulingen haben sich über Jahre entwickelt und waren eine wichtige Grundlage für die bisherige Stellenplanung. Die Zusammenarbeit soll auch künftig möglich bleiben. Sie muss nicht an den Grenzen der neuen Inseln enden.
Aber: Die bisherigen Regionen sind unterschiedlich groß. Eine faire Verteilung der Stellen würde teilweise Stellenanteile wie 2,25 oder 2,75 erfordern. Solche Aufteilungen können allerdings für die betroffenen Pfarrpersonen schwierig und für künftige Stellenausschreibungen unattraktiv sein.
Das „Insel-Modell“ soll deshalb eine klarere und tragfähigere Struktur schaffen. Wenn sich die Bedingungen in Zukunft weiter verschlechtern, müsste außerdem nicht zwingend ein weiterer Zwischenschritt folgen. Dann könnte auch eine noch größere Einheit geprüft werden.