Fresken, Sulingen; Foto: Jantje Ehlers

Freistatt

Freistatt; Foto: Jantje Ehlers

Die Kirchengemeinde Freistatt ist etwas Besonderes im Kirchenkreis, denn ihre Entstehung und heutige Existenz ist eng mit der Diakonie, genauer gesagt mit den Von-Bodelschwinghschen-Stiftungen Bethel, verbunden.

Friedrich von Bodelschwingh war eine der großen Gestalten der Diakoniegeschichte und als in Westfalen preiswertes Land knapp wurde, kaufte er große Teile des Wietingsmoores im heutigen Niedersachsen um hier eine „Arbeiterkolonie“ für „Wanderarme“ zu gründen. So entstand Freistatt. Land, das keiner haben will, für Leute, die keiner haben will. Deshalb haben wir in unserer Kirche den Spruch: „Es ist das Kreuz von Golgatha Heimat für Heimatlose.“ Zeitgleich mit dieser Arbeit, die heute als Wohnungslosenhilfe fortgeführt wird, wurde Freistatt auch ein Ort der Fürsorgeerziehung. Diese Fürsorgeerziehung war besonders in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg mit Gewalt verbunden. Auch wenn die heutige Jugendhilfe mit dieser Fürsorgeerziehung nichts mehr gemein hat, bleibt dies ein dunkler Punkt in der Geschichte Freistatts, der uns mahnt gegen Strukturen wachsam zu sein, die Gewalt gegen Klienten bedeuten.  

Freistatt ist heute Teil des Unternehmensbereiches „Bethel im Norden“. Hilfeleistungen werden heute vor allem in den Bereichen: Eingliederungshilfe, Wohnungslosenhilfe, Altenhilfe, Schulverbund für emotional soziale Entwicklung und Jugendhilfe erbracht. Mittlerweile gibt es auch in vielen Orten im Kirchenkreis Einrichtungen der Diakonie Freistatt.  

Die Kirchengemeinde bringt sich vor allem mit Seelsorge und Gottesdiensten in diese Arbeit ein. Die Seelsorge – das kann das kleine Gespräch zwischen Tür und Angel sein, aber immer wieder gibt es auch längere Gesprächsreihen wenn Menschen ihre Lebenslage oder auch Glaubensfragen überdenken wollen. Das strukturelle Plus der Seelsorge ist, dass der Pastor zwar Teil des Unternehmens ist, und so viele Menschen und Strukturen kennt, aber er ist nicht in die Hilfeplanung eingebunden, sondern hat für sein Hören und Agieren große Freiheiten. Wichtig, damit Kontakte entstehen, ist es im Alltag von Freistatt aufzutauchen und den Menschen bekannt zu sein.

Gottesdienste finden ganz regelmäßig in der Moorkirche statt. Freistatt hat nachdem der Vorgängerbau abgebrannt ist, in den 70er Jahren eine moderne, zeltförmige Kirche bekommen. Viele Menschen fühlen sich in unserer Kirche auf Anhieb wohl. Mit den angebauten Gemeinderäumen wird die Kirche für Veranstaltungen auch des Kirchenkreises oder des Unternehmens gern genutzt. Unsere regelmäßigen Gottesdienste werden vor allem von ehemaligen Mitarbeitern getragen. Herausragend ist dabei unsere schöne Kirchenmusik. Daneben gibt es immer wieder Gottesdienstprojekte: In den Häusern, unter freiem Himmel, zusammen mit Mitarbeitern oder Selbsthilfegruppen vorbereitet – um die Gottesdienste näher an die Nutzer unserer Einrichtungen heran zu bringen. In Kirchdorf gibt es beispielsweise eine langjährige Reihe von Gottesdiensten für Menschen mit und ohne Demenz.

Neben der Freistätter Kirche liegt unser Friedhof. Auch er ist etwas besonders: Viele Mitarbeiter und Klienten wurden hier beigesetzt. Es ist uns ein Anliegen, dass auch arme Menschen bei uns würdevoll begraben werden. Besonders ins Auge fallen die großen Kreise in denen die Gräber angeordnet sind – Symbol für Gemeinschaft auch über den Tod hinaus.

Bedeutung der Kirchengemeinde für das Unternehmen: Auch mit Mitarbeitern gibt es immer wieder Gespräche über Alltägliches, aber auch oft über die Sinnhaftigkeit der Arbeit. Etwas zweimal im Jahr wirkt der Pastor an einem Tag mit, der neue Mitarbeiter mit den Glaubensvorstellungen vertraut macht, die der Arbeit zu Grunde liegen.

Darüber hinaus macht die Kirchengemeinde Freistatt immer wieder kulturelle Angebote: Klassische Konzerte und Lesungen. Kinoabende. Die „Freistätter Gespräche“ in denen Autoren nach sozialpolitisch wichtigen Themen befragt werden. Erzählcafés. Projekte.

Ev.-luth. Kirchengemeinde Freistatt, Pastor

Michael Herzer
v.-Lepel-Str. 22, Gemeindebüro
27259 Freistatt
Tel.: 05448 / 8-8217
Fax: 05448 / 8-8538