Birgit Greve geht als Pädagogische Leitung des Evangelischen Kita-Verbands Diepholz in den Ruhestand / Verabschiedung am 21. August in St. Michaelis
Der Anfang war herausfordernd. Viel Planung, viele Gespräche, viel Überzeugungsarbeit. Ein Netzwerk, das es noch nicht gab, musste erst entstehen. Kontakte zu Kommunen mussten aufgebaut und unterschiedliche Interessen zusammengebracht werden. Dazu die weiten Wege zwischen den Einrichtungen – und der immer deutlicher werdende Fachkräftemangel…
Wie viele Stunden Birgit Greve damals im Auto und am Telefon verbracht hat, kann sie heute gar nicht mehr sagen. Sehr viele auf jeden Fall.Als sie 2012 die Stelle der Pädagogischen Leiterin antrat, war alles im Aufbau. Zwei komplett neu gegründete evangelische Kindertagesstättenverbände sollten zeitgleich ihre Arbeit aufnehmen – einer im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz, einer im Kirchenkreis Syke-Hoya. „Ich war ja für beide Verbände eingestellt, also habe ich anfangs 19 Einrichtungen betreut“, erinnert sich die 66-Jährige.
19 Einrichtungen, zwei Verbände und noch kein gemeinsames Grundgerüst – eine Mammutaufgabe. Ob sie sich damals schon vorstellen konnte, dass aus diesem Konstrukt einmal ein verlässliches, gut funktionierendes System werden würde? Birgit Greve lacht. Ohne Optimismus, Organisationstalent und eine große Portion Humor wäre es vielleicht anders gelaufen.
„Es gibt einen Leitspruch, der mich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn begleitet hat: ,Wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen‘“, verrät sie. „Dieser Satz hat mir immer wieder Mut gemacht, neugierig zu bleiben und Veränderungen als Chance zu begreifen.“
Was im Laufe der Zeit entstanden ist: Klare Strukturen, breite Netzwerke, eingespielte Teams, neue Gebäude, viele zusätzliche Angebote und die Einführung von Social Media. Birgit Greve hat all das von Anfang an mitgestaltet. „Die Klausurtagungen und gemeinsamen Studientagen haben dazu beigetragen, dass wir heute einen professionellen Austausch haben, der alle Einrichtungen bereichert.“ Auch fachlich hat sich viel entwickelt – „durch die Einführung des ,Qualitäts-Management-Systems Kindertagesstätten‘ (QMSK) und regelmäßige Managementkonferenzen findet eine wertschätzende fachliche Auseinandersetzung mit der pädagogischen Arbeit statt. Wir haben ein gemeinsames religionspädagogisches Konzept erarbeitet und Fortbildungen für alle pädagogischen Fachkräfte zum Thema Gewaltschutzkonzept durchgeführt.“
Gleich mehrere Kindertagesstätten haben bereits das Evangelische BETA-Gütesiegel erhalten. „Alle unsere Einrichtungen arbeiten nach demselben Qualitätsmanagementsystem“, sagt Birgit Greve. „Daran kann sich jede Einrichtung orientieren, und das klappt sehr gut. Darauf bin ich stolz.“
Beide Verbände sind seit ihrer Gründung stetig gewachsen: „Im Kreis Diepholz haben wir mittlerweile 20 Kindertagesstätten, im Kita-Verband Syke-Hoya sind es 12.“
Die Arbeit einer pädagogischen Leitung ist hauptsächlich unterstützend: Personalentwicklung, Konzeptarbeit, Beratung, Krisenmanagement, Gespräche mit Eltern, Abstimmungen mit Trägern und Gremien. „Dafür sorgen, dass alles läuft und dass alle gut arbeiten können“ – so kann man es auf den Punkt bringen.
Ein großes Netzwerk aus Beziehungen ist in den Jahren entstanden. „Der Kontakt zu den Leitungen und zu den pädagogischen Mitarbeitenden in den Einrichtungen ist ein ganz wichtiger Aspekt“, betont Birgit Greve. „Das Schönste an meiner Arbeit war immer: Wenn ein Problem auftauchte, hat man gemeinsam an einer Lösung gearbeitet.“
Das Problem des Fachkräftemangels wird bleiben, gerade im ländlichen Raum. „Aber zu sehen, wie sich die Kindertagesstätten weiterentwickeln“, sagt Birgit Greve, „das gehört für mich zu den besonderen Momenten meiner Arbeit.“
Nun endet ein großer Abschnitt – für den Kita-Verband Grafschaft Diepholz und für Birgit Greve persönlich. Sie geht in den Ruhestand und übergibt die pädagogische Leitung an ihre Nachfolgerin Frauke Rüter-Schmidt.
Am Freitag, 21. August 2026, wird Birgit Greve um 16 Uhr in der St. Michaeliskirche in Diepholz verabschiedet – an dem Ort, an dem alles angefangen hat. „Hier hat meine berufliche Laufbahn am 1. September 1981 begonnen, und es ist schön, dass ich sie hier auch beenden darf.“
Die 66-Jährige freut sich auf mehr Zeit für ihre Freundinnen, für Sport, Hobbys und vor allem für ihre Familie – „denn im Oktober kommt unser Enkelkind.“
Dass sie sich komplett ins Privatleben verabschiedet, wollten Arbeitgeber und das Kollegium aber noch nicht zulassen. Denn nicht nur Birgit Greve wartet voller Vorfreude auf ein neues Familienmitglied, sondern auch ihre Kollegin Tabea Möller aus dem Kita-Verband Syke-Hoya. Birgit Greve ließ sich gerne überreden, noch einmal einzuspringen: Ab September übernimmt sie die Elternzeitvertretung mit 22 Wochenstunden im Kita-Verband Syke-Hoya.
Miriam Unger