Arbeit ist das halbe Leben...

31. Januar 2026

Wort zum Sonntag

Marten Lensch, Superintendent Foto: Jantje Ehlers

am 31. Januar 2026

Arbeit ist das halbe Leben…

…so singt die Ameisenkönigin in dem ersten Tabaluga-Album von Peter Maffay aus dem Jahr 1983 – und etwas später heißt es „Ordnung ist die andere Hälfte“. Das Leben der fleißigen Ameisen besteht also nur aus Pflicht, Gehorsam, Regeln, Macht und Leistung.

Wir Menschen sind keine Ameisen – zum Glück. Und doch scheinen genau diese Tugenden gerade wieder Hochkonjunktur zu haben. Der Wert von Menschen wird oft in unserer Gesellschaft daran gemessen, was sie leisten – ob sie etwas zum Sozialsystem beitragen oder ob sie bereit sind, mehr zu arbeiten. Dieser Leistungsgedanke beginnt schon in der Grundschule. Ich habe einmal gehört, dass Eltern in der ersten Klasse schon nach wenigen Wochen von den Lehrerinnen wissen wollten, wie denn der Leistungsstand ihrer Kinder ist. Gerade jetzt gab es mit den Halbjahreszeugnissen wieder eine aktuelle Rückmeldung auf die Leistung der Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Monaten.

Ich halte Arbeiten und sich Mühe geben durchaus für ganz sinnvolle Tätigkeiten – für das eigene Leben und genauso für die Gemeinschaft, in der wir leben. Ich arbeite auch gerne, wobei ich eine Arbeit gefunden habe, die mir Freude macht. Doch das ist bei Weitem ja nicht bei allen Menschen der Fall: Es gibt Menschen, denen die Arbeit schwerfällt, deren Arbeit ihnen keine Freude macht oder die trotz alles Bemühens, keine adäquate Arbeit finden. Einige dürfen gar nicht arbeiten, obwohl sie es gerne wollten. Wenn die Leistung den Wert eines Menschen in der Gesellschaft bestimmt, sinkt der Wert in solchen Fällen entsprechend.

Unsere Bibel spricht hier eine ganz andere Sprache: Die Menschen haben allein dadurch einen unverlierbaren Wert, dass sie von Gott geschaffen und geliebt sind. Diese göttliche Liebe ändert sich nicht – egal, was den Menschen gelingt oder misslingt – egal, was sie leisten. In dem „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ sucht ein junger Mann sein Lebensglück und scheitert kolossal. Nach viel Feiern und falschen Entscheidungen ist sein elterliches Startkapital verloren – und damit nach heutigen Maßstäben auch sein gesellschaftlicher Wert. Er geht zurück zu seinem Vater und wird von diesem liebevoll aufgenommen. Trotz alles Scheiterns hat der Sohn in den Augen seines Vaters nichts an Wert verloren, seine Liebe gilt dem Sohn weiterhin ungebrochen.

So wie dieser Vater sieht Gott uns an: als wunderbare, geliebte und wertvolle Menschen, auch dann, wenn wir nicht die Leistung bringen, die die Gesellschaft sich von uns wünscht.

Arbeit ist das halbe Leben? – Mit Sicherheit nicht! Arbeit ist ein Teil des Lebens, aber viel wichtiger ist der liebevolle Blick Gottes auf unser Leben – er macht unser Leben wertvoll.

So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende.

Ihr Marten Lensch,

Superintendent im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz