Zukunft

07. Februar 2026

Wort zum Sonntag

Pastor Michael Steinmeyer; Foto: Jantje Ehlers

am 7. Februar 2026

Ein Nachmittag mit Konfis. Einer schaut aufs Handy und ruft: „Super! Morgen keine Schule!“ Schnee und Eis sorgen für Unterrichtsausfall. Natürlich: Es lässt sich lange darüber diskutieren, ob das nötig ist und welche Folgen das für den Lernerfolg hat. Die Jugendlichen aber freuen sich einfach über den unerwarteten freien Vormittag.

Wahrscheinlich teilen nicht alle Eltern und Lehrkräfte diese Freude. Ich kann sie verstehen: Auch ich mag es nicht, wenn ich meine Pläne ändern muss. Und ganz ohne Planung geht es nun mal nicht. Aber oft vergesse ich: Über die Zukunft kann ich nicht verfügen. „Inschallah,“ sagen unsere muslimischen Geschwister manchmal: „Wenn Gott will“. Wer das belächelt, sollte einen Blick ins Neue Testament werfen. Da schreibt einer: „Ihr wisst nicht, was morgen sein wird. Darum sagt lieber: Wenn der Herr es will, werden wir am Leben bleiben und dieses oder jenes tun.“

Über die Zukunft kann ich nicht verfügen. Manchmal lässt mich das erschrecken. Wenn ich etwa mit Menschen und Familien zu tun habe, deren Leben aus der Bahn geworfen wird – durch eine Krankheit, einen Unfall, einen plötzlichen Tod. Dann ist es gut, wenn Menschen da sind, die aushalten und helfen, die nächsten Schritte zu gehen.

Über die Zukunft kann ich nicht verfügen. Manchmal ist das ein Geschenk. „Ihr könnt euer Leben nicht verlängern, indem ihr euch Sorgen macht,“ sagt Jesus in der Bergpredigt. „Macht euch also keine Sorgen um den morgigen Tag, der wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat.“

Ich lese das und denke an die vielen Dinge, die mir im Leben geschenkt worden sind – ganz ungeplant: Das gemeinsame Leben mit Menschen, die mich lieben und mir guttun; die zufällige Begegnung und die verplauderte Stunde, die daraus wird; der Sonnenaufgang, der mich für das frühe Aufstehen belohnt. Ich beginne, das Wort „Zukunft“ wörtlich zu nehmen: Sie ist nicht nur das, was auf mich zukommt – sondern noch viel mehr das, was Gott mir zukommen lässt. Vom Geschenk des Moments bis zur großen Zukunft, die wir Christenmenschen „Gottes Reich“ nennen.

Ich sitze und schreibe dies am frühen Morgen. Die Konfis aber drehen sich noch einmal im Bett um; denn die Schule fällt heute aus. Ich gönne ihnen die Freude darüber – und nehme mir vor: Ich will öfter die Zukunft als Geschenk ansehen, das Gott mir zukommen lässt.

Michael Steinmeyer, Pastor in der Gesamtkirchengemeinde Ströhen-Wagenfeld