Das letzte Hemd

28. März 2026

Wort zum Sonntag

Silke Kuck; Foto: Jantje Ehlers

am 28. März 2026

Für wen würden Sie sich die Kleider vom Leib reißen? Für was würden Sie Ihr „letztes Hemd“ hergeben? Wieder einmal steht die Karwoche vor der Tür. Wieder einmal wissen weniger Menschen, was damit gemeint ist. Christen erinnern: Jesus kommt nach Jerusalem. Ein lokaler Influencer ist auf dem Sprung eine weltweite Handelsmarke zu werden. Sein Name könnte die ganze Welte erobern. In seinem Namen könnten Menschen zu Werkzeugen werden; könnten politische und wirtschaftliche Imperien aufgebaut werden; könnte die Welt zu einem Mega-Jesus-Land werden. Diese Spannung, Vorfreude, Angst liegt in der Luft. Der Staatsempfang der Menschenmassen ist angelaufen: Palmzweige und Kleidung pflastern seinen Weg. Und dann kommt Jesus. Alles hält die Luft an: er sitzt auf einem Esel, unbeirrbar zuckelt der Esel voran mit dem schweigenden, in sich ruhenden Jesus auf seinem Rücken. Die Vorfreude kommt ins Stolpern; der Jubel beginnt zu stottern. Verwirrung und Fragen machen sich breit. Dabei ist Jesus eindeutig: ich bin der Weg des Friedens, der Nächstenliebe, des geduldigen und respektvollen Miteinanders. Mein Name wird die Welt durchdringen. In meinem Namen wird Neuanfang friedvoll definiert. Erinnert euch: ich habe nicht immer recht; aber ich bin die Wahrheit. Eine Wahrheit, die nicht zum Verstummen gebracht werden kann, egal wie laut die Welt im Kriegs- und Krisengeschrei tönt. „Zum Abschied gebe ich euch den Frieden, meinen Frieden, nicht den Frieden, den die Welt gibt. Erschreckt nicht, habt keine Angst!“ (Joh 14, 27)

Silke Kuck,
Pastorin in Neuenkirchen-Schmalförden