am 28. Februar 2026
Wir begegnen einem Menschen, sehen seine Kleider, nehmen ihn ein erstes Mal wahr und bekommen einen Eindruck von ihm oder ihr. Manches gefällt uns, manches nicht. Manches passt zu uns, manches nicht. Psychologen sagen, dass der erste Eindruck entscheidend ist und Studien zeigen, dass sich Menschen innerhalb von 100 Millisekunden bis 7 Sekunden ein Urteil über ihr Gegenüber bilden. Dieser Prozess verläuft unbewusst, extrem schnell und ist oft sehr beständig.
Allzu leicht packen wir Menschen dabei in eine Schublade, zugehörig zu einem Milieu, einer Lebens- oder Glaubensgewohnheit, einer Gruppe oder einem Typ von Mensch. Bei Menschen, die nicht zu unserem eigenen Typus zu passen scheinen, gehen wir damit auch sehr leicht auf Distanz und wir haben innerlich eine passende Ausrede uns nicht näher mit ihnen abzugeben.
Jesus hatte da einen anderen Ansatz. Ihm ging es immer darum, Menschen ein- statt auszuschließen. Er hat Leprakranke angefaßt und Ausländer geliebt und so viel Zeit mit Partylöwen verbracht, dass die Leute von ihm sagten: „Er ist ein Schlemmer und Säufer und die schlimmsten Leute seine Freunde!“ (Mt 11,19NL) Auf Facebook hätten Finanzbetrüger und Frauen mit zwielichtigem Ruf zu seinen Freunden gehört.
Gott möchte uns motivieren, Menschen anders zu sehen, als wir es für gewöhnlich tun (und wir können dabei viel von Jesus lernen). Wir sollten Menschen nicht in Sportskanonen und Streber, Privatschüler, Technikfreaks, Zocker, Insider oder Outsider, Evangelikale, Liberale, Charismatiker, Konservative oder was auch immer einteilen. Wir sollten niemand weder abstempeln noch in Schubladen packen. Dazu sind wir alle viel zu viel Individuen.
Wir sollten andere mit den offenen Augen ansehen, wie wir möchten, dass andere uns mit offenen Augen anschauen. Vielleicht mit Macken. Ganz sicher aber unvollkommen. Wir werden im Leben auch immer wieder Menschen begegnen, die aus einer Insidergruppe rausgeflogen sind. Jesus würde sie auf keinen Fall links liegen lassen, sie abstempeln, sondern mit der größtmöglichen Liebe begegnen. Wenn wir andere in eine Schublade stecken, dann sehen wir nicht mehr wie sie wirklich sind. Darum ermutigt uns die Bibel zu: Nehmt einander an, wie Jesus Euch angenommen hat. (Röm 15,7)
Ihr Pastor Stephan Winter, Gesamtkirchengemeinde Diepholz