am 16. Mai 2026
Du heißt jetzt nicht mehr Udo …
… du heißt jetzt Jeremias! Festlegen auf eine bestimmte Religion oder Konfession ließ sich Udo Lindenberg nie. Auch nicht im hohen Alter, das er mittlerweile erreicht hat. Morgen, am 17. Mai feiert die Rocklegende mit der nuschelnden und näselnden Stimme seinen 80. Geburtstag.
Wenn man bei ihm alles andere als eine kirchliche Nähe annimmt, so vertraute dieser „Freidenker und Freiglauber“, wie er sich selbst ´mal bezeichnet hat, dennoch beim Lieder komponieren auf göttliche „Zusatzpower“: „Ja, oft habe ich das Feeling, die Songs kommen mir von irgendwo zugeflogen. Eingebungen, Einsendungen, Signal-Empfänger, Medium auf Erden, Werkzeug der Gottheiten.“
In seinem Song „Jeremias“ aus dem Jahr 1973, das 10 Jahre später sogar ein weiteres Mal veröffentlicht wurde, singt er von einer himmlischen Erscheinung. Darin verkündet ihm ein Engel, ihm, dem naiven und ahnungslosen Udo, er sei auserkoren, er heiße jetzt Jeremias, die Welt braucht einen neuen Messias.
Und Udo ganz gerührt und kooperativ erklärt sich einverstanden: Ja, das wär ganz o.k. so. Allerdings wurde ihm nach dem „Abflug“ des weißgewandeten Boten, dann doch angst und bange. Er fühlte sich allein gelassen. Dann wurd' mir erst klar, was geschehen war und ein Zittern zog mir durch die Beine.
Diese humorvolle Bekehrungsgeschichte endet positiv, mit einer großen Hoffnung und Zuversicht.
Es heißt: Und nun steh' ich hier und weiß auch noch nicht so genau, was man da macht. Aber irgendwie, na klar, irgendwie krieg'n wir das schon hin. Da gab's doch schon mal einen der hat das auch gebracht.
Udo Lindenberg durchlebte im Laufe seiner langen Karriere gewiss manche Höhen und Tiefen.
In der turbulenten Achterbahnfahrt seines Lebens, ganz besonders aber in seinen Liedern blieb er von einer Sache überzeugt: Es gibt diesen „special Spirit, gute Geister“ – genauer wisse er es auch nicht. „Irgendeine Zusatzpower gibt´s da wohl“. Dann habe er sein Glas erhoben, den Blick himmelwärts gerichtet und leise ein „mille grazie“ gesprochen, „für das Geflüster von da oben, hinter den Sternen“.
Aus einem special Spirit, dem Heiligen Geist, der Kraft Gottes, lebte und lebt auch weiterhin die Kirche. Nachdem damals die Jünger Jesu an Himmelfahrt endgültig Abschied von ihm nehmen mussten, mag ihnen vielleicht auch ein Zittern durch die Beine gezogen sein. Doch es kündigte sich schon bald die Zusatzpower Gottes an. An Pfingsten wurden Jesu Anhänger neu begeistert und ermutigt, seine Sache fortzuführen. Denn schließlich: Da gab's doch schon mal einen, der hat das auch gebracht.
Gerald Engeler, Pastor der Ev.-luth. Kirchengemeinde Schwaförden-Scholen sowie der Gesamtkirchengemeinde Ströhen-Wagenfeld