am 20. Juni 2026
Sepp Herberger hat diesen Satz geprägt. Gemeint war natürlich der Ball, der ins Tor gehört. Eine einfache Wahrheit – und doch steckt darin mehr Weisheit, als der Bundestrainer wohl selbst ahnte.
Wer genauer hinschaut, merkt: Das ganze Leben ist ein solcher Versuch. Wir wollen unsere weichen, lebendigen Gefühle in die festen Strukturen unseres Alltags pressen. Wir wollen die Fülle der Aufgaben in den Terminkalender der nächsten Woche retten. Wir wollen die Wärme einer Begegnung in die nüchternen Worte einer WhatsApp-Nachricht packen.
Manchmal gelingt es. Dann ist es ein Tor – ein Moment des Aufatmens, der Stimmigkeit. Das Wort sitzt. Das Geschenk trifft den Nerv. Die Entscheidung fühlt sich richtig an.
Doch ehrlich gesagt: Viel öfter geht der Ball daneben. Wir suchen Worte für unsere Liebe und finden sie zu klein. Wir möchten trösten und stehen ratlos da. Das Runde will einfach nicht ins Eckige.
Und genau hier liegt ein tröstlicher Gedanke: Vielleicht ist es gar nicht unsere Aufgabe, das Runde immer ins Eckige zu zwingen. Manche Dinge dürfen rund bleiben. Offen. Nicht zu Ende erklärbar.
Das Neue Testament erzählt davon, wie das Eckige seinen Platz auf dem Runden fand. Das Kreuz kam auf den Erdball. Wo das harte Holz des Kreuzes die runde Schöpfung berührt, wird Leid zu Hoffnung und Tod zu Leben. So ist das Kreuz kein Fremdkörper auf der Erde, sondern ihr verborgener Mittelpunkt – der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren.
Sepp Herberger hatte recht: Im Fußball muss der Ball ins Tor. Doch im Leben hat Gott eine ganz andere Wirklichkeit geschaffen: Das Eckige steht auf dem Runden. Himmel und Erde sind verbunden, auch wenn das Runde nicht ins Eckige ging.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Pastor Klaus-Joachim Bachhofer, St.-Nikolai-Kirchengemeinde, Kirchdorf