am 4. Juli 2026
Es ist 5.15 Uhr am Dienstagmorgen. Ich beginne zu schreiben. Die Schreckensnachricht, nicht die eigentlich erschreckendere aus Stade, sondern die des Ausscheidens der Fußballnationalmannschaft bei der WM beschäftigt sicherlich nicht nur mich. Da lese ich den Wochenspruch für die kommende Woche, den uns Paulus nahebringen will: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ - Ich ahne nun, warum es sich für viele nicht gut anfühlt, wenn Niederlagen einen treffen. Wir schauen immer nur auf uns, und denken „wir schaffen das!“ Ja, wir sind inzwischen zu einer Gesellschaft geworden, die glaubt, alles ist möglich, oder um es pointierter zu sagen, alles ist uns Deutschen möglich.
Beim Fußball ist die Euphorie schnell zerplatzt, in Bezug auf unseren Staat sind die Träume einer einfachen Lösung unter dem Motto „Wir schaffen das“ immer noch aktuell. Doch schnelle Lösungen und „Deutschland, Deutschland“ Gejohle bringen uns nicht voran, denn die Welt ist komplizierter geworden. Wir spüren, dass „Machen“ allein nicht ausreicht, um voranzukommen. Das ewige „du muss nur nach vorn schauen“, dass uns immer wieder als Maxime dient, ist zwar im Grunde ein guter Antrieb, aber manchmal würde es besser passen, etwas bedachter und genügsamer (früher sagte man demütiger) an eine Sache heranzugehen. Nicht ich zuerst, nicht unser Land zuerst, dass wäre die gute Ausgangsposition, die uns in der Welt ein gutes Passspiel ermöglichen würde. Zu wissen, dass alles Tun und Handeln eben nicht darauf beruht, dass ich oder wir allein es schaffen kann, sondern zum Erfolg immer auch ein Wissen um das Scheitern gehört, könnte uns helfen, einen neuen Blick zu gewinnen. Es geht nicht immer weiter so. Diejenigen, die behaupten, man müsse nur schnell etwas in eine Richtung ändern, und dann wird das schon, sind auf dem Holzweg. Es würde uns guttun, innezuhalten, Abstand zu gewinnen von einfachen Parolen, die allesamt scheitern werden oder uns und unser Land ins Unglück stürzen würden. Besser wäre es, die Blickrichtung zu ändern hin zu den Gedanken, die uns Paulus nahebringen will: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Denn, wer aus dieser Maxime sein Leben gestaltet, wird spüren, dass eine innere Kraft ihn antreibt, die das Ganze im Blick hat und nicht nur auf sich selbst sieht.
Ihr Pastor Rainer Hoffmann