am 15. August 2026
Können Sie sich noch an ihren ersten Schultag erinnern? Die Erinnerungen an meinen ersten Tag sind sehr verblasst. Ich weiß nichts mehr sicher. Woran ich mich noch sehr gut erinnere, sind die Gefühle, die ich vor der Einschulung und vor jedem Schulwechsel hatte. Ganz viele Fragen schwirrten durch meinen Kopf, wie zum Beispiel: Wie kann ich mich in dem großen Gebäude zurechtfinden? Gerade die letzte Frage hat mich jedes Mal beschäftigt. „Da werde ich mich nie zurechtfinden“, dachte ich, als ich zur Grundschule kam und das große Schulgebäude sah. Die Angst war da und der eigene Verstand spielte verrückt.
Solche und ähnliche Gedanken werden vielleicht auch einige Kinder haben, die nun eingeschult werden. Mit einem Schulranzen, der bei einigen Kindern fast so groß wirken wird, wie sie selbst, werden sie sich auf dem Weg machen. Es sind die ersten kleinen Schritte in die große weite Welt.
Alle Menschen müssen irgendwann ihre ersten eigenen Schritte gehen. Dabei hilft es zu wissen, dass da Menschen sind, die einen dabei unterstützen. Eltern, Großeltern, Tante und Onkel fiebern mit an dem Tag und freuen sich. Lehrerinnen und Lehrer sind gespannt auf die neuen Kinder und freuen sich auf ihre Klassen. Sie alle sind da, um erste Orientierung zu geben. Das hilft. Erwachsene wirken für Kinder oft unbesiegbar.
Doch Orientierung brauchen alle immer wieder. Auch Erwachsene haben Veränderungen vor sich, die schwer fallen. Das Wegfallen einer wichtigen Weggefährtin oder Freundes, ein Umzug, ein Arbeitsplatzwechsel oder die Entscheidung vom eigenen Zuhause ins Seniorenheim zu ziehen, gehören zu solchen großen Schritten. Ein Mensch muss sich neu orientieren. Es müssen Schritte in einer neuen Umgebung gegangen werden. Auch hier kann der eigene Verstand einem einen Streich spielen und eine übergroße Angst entstehen.
Bei all den notwendigen Veränderungen hilft es, sich an etwas Unveränderliches festzuhalten: Gott. So verstehe ich diesen Bibelvers aus Sprüche 3: „Vertraue dem Herrn von ganzem Herzen! Verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand! Erkenne seinen Willen auf allen deinen Wegen, so wird er dir den Weg bahnen.“
Ich verstehe diese Worte als Mutmacher; gerade, wenn ich unsicher bin und alles neu ist. Das hilf, dass ich mir selbst Mut zuspreche, weil es größeres als mich gibt. Größer als das bedrohlich große Schulgebäude, das mir in der vierten Klasse dann auch gar nicht mehr so groß und bedrohlich erschien.
Pastor Hendrik Hundertmark, Kirchengemeinde Lemförde