Israelsonntag

08. August 2026

Wort zum Sonntag

Kathrin Wiggermann; Foto: privat

am 8. August 2026

Den Israelsonntag gibt es schon lange. Seit dem 16. Jahrhundert.

Seitdem macht er die jüdisch-christliche Geschichte in all ihren – vor allem traurigen – Facetten mit. Noch heute kann er zwar, wie im Ursprung gedacht, als Gedenktag der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 nach Christus begangen werden, bei der auch der jüdische Tempel zerstört wurde. Übrig geblieben ist die Klagemauer, an der Juden bis heute beten und Gebetsröllchen in die Mauerritzen stecken.

Aber seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ist ein anderer Aspekt in das Zentrum der zu lesenden und zu predigenden Bibeltexte gerückt: das Verhältnis zwischen Juden und Christen nach der Schoa. Die Kirche hat sich mit ihrer Schuldgeschichte kritisch auseinandergesetzt und betont in ihrer Verkündigung die theologische Verbindung von Juden und Christen. Jesus von Nazareth war Jude, ein Sohn Israels – und er wollte nie etwas anderes sein. So erinnert der Israelsonntag heute vor allen Dingen an das enge Verhältnis von Christen und Juden und an die Trauer über das Unrecht, das Juden im Laufe der Geschichte – christlich legitimiert – erfahren haben.

Die politische Situation heute ist äußerst ambivalent. Israel ist nach wie vor ein von Konflikten gebeuteltes Land, eine gute Lösung ist nicht in Sicht. Das schmerzt. Umso wichtiger ist es, am Israelsonntag an die bleibende Erwählung Israels als Volk Gottes zu erinnern und zu beten. Das Gedenken daran soll die Christenheit auch davor bewahren, sich jemals wieder über diese oder irgendeine andere Religion zu erheben.

Wird der Israelsonntag als solcher begangen, steht im Mittelpunkt der Verkündigung das Gespräch Jesu mit einem jüdischen Gelehrten über das höchste Gebot aus dem Markusevangelium (Mk 12,28-34):

Der fragte ihn: „Welches ist das höchste Gebot von allen?“ Jesus antwortete: „Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5). Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: „Ja, Meister, du hast recht geredet!“

Jesus war ein guter Jude.

Pastorin Kathrin Wiggermann, Diepholz