am 10. Oktober 2026
Haben Sie diesen Satz heute oder gestern gesagt? So grüße ich Bekannte im Vorübergehen auf der Straße. Meistens stimmt die angesprochene Person kurz zu und wir setzen unseren Weg fort. „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist auch der Titel eines Buches. Tanja Kokoska beschreibt darin den Alltag von Menschen, die alle dieselbe lange Straße bewohnen. Sie kennen sich vom Sehen. Da sind zum Beispiel Ina, die sich nach einem verlässlichen Partner sehnt und ihr Sohn Henry, der nach der Schule nach Übersee will und sich nicht traut, seiner Mutter davon zu erzählen. Da wohnt Herr Bello, der zufällig entdeckt, dass er gern Kleider trägt und Samy, dessen Wunsch es ist, einmal eine Ente zu streicheln. Es arbeitet dort Frau Arslan, die mit ihrem Mann ein Lebensmittelgeschäft betreibt und heimlich Zettel mit Gedichten in Pralinenschachteln versteckt. Sie leben nah beieinander, aber sie kommen über den Smalltalk nicht hinaus. Dabei leben sie voller Sehnsucht, gesehen und angenommen zu werden. Dann geschieht etwas, das sie zusammenbringt: Während einer Bombenentschärfung kommen sie sich näher. Sie lernen sich kennen und Gemeinschaft entsteht.
Ein Roman, der ein Problem aufgreift. Denn immer mehr Menschen geben in Befragungen an, sich einsam zu fühlen. Im Alltag wird weniger gesprochen. Ob im Wartezimmer beim Arzt, im Zug oder beim Spaziergang, die meisten gucken nur auf ihr Smartphone. Wenn neue Nachbarn zuziehen, beklagen manche der Alteingesessenen, dass man wenig Kontakt habe. So leben einige -wie im Buch- nebeneinander her, obwohl viele sich Gemeinschaft und Nähe wünschen. Es wäre schade, wenn erst eine Ausnahmesituation eintreten müsste, um sich kennenzulernen und zusammenzurücken. Es liegt an uns, ob wir etwas ändern. Im Predigttext für den morgigen Sonntag heißt es: „Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit… Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Epheser 4, 24.32)
Der erste Schritt, können die Worte sein: „Guten Tag, schönes Wetter heute.“ Es wäre wunderbar, wenn noch etwas folgt. Es kostet nicht viel Zeit, freundliche Worte für andere zu finden. Für Alleinstehende erhellt es den Tag, wenn jemand sie anspricht und fragt: Wie geht es dir? Aus dem Gespräch kann Nähe entstehen. So kann Interesse an anderen und etwas Zeit füreinander die Einsamkeit vertreiben.
Bettina Burkhardt, Pastorin der Ev.-luth. Kirchengemeinden Brockum und Burlage